Corona-Pandemie Nachgefragt am Impfzentrum: Sind Lockerungen für Geimpfte richtig?

Seit dem 9. Mai sind Personen, die vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind oder als genesen gelten, unter anderem von den geltenden Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen befreit. MDR THÜRINGEN hat Menschen in Gera gefragt, wie sie das finden.

Schilder mit "Impfzentrum Ostthüringen" und "Eingang"
Im Impfzentrum Ostthüringen werden bis zu 1.500 Menschen pro Tag geimpft. Doch längst haben nicht alle, die wollen, einen Impftermin. Lockerungen für Geimpfte gelten trotzdem. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Das Impfzentrum Ostthüringen in der Panndorfhalle in Gera ist vom Hauptbahnhof aus in fünf Minuten zu erreichen. Frank Röhler kennt den Weg - schließlich wohnt er hier - und zeigt ihn hilfsbereit. Unterwegs erzählt er, dass er schon seine erste Impfung bei seinem Hausarzt bekommen hat, im Juni folgt die zweite. Er freut sich darüber.

Endlich neue Schuhe kaufen

Ob er sich auch über Lockerungen für Geimpfte freue? "Man kann das machen", sagt der 63-Jährige. Aber ihn persönlich betreffe es nicht wirklich. Nur ein paar neue Schuhe bräuchte er dringend.

Ein älterer Mann mit Sonnenbrille steht vor einem großen Platz.
Frank Röhler aus Gera über Lockerungen für Geimpfte: "Man kann das machen." Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Seine festen braunen Schuhe scheinen tatsächlich zu warm für diesen Sommertag. Der Rentner hofft, dass er mit dem Impfnachweis endlich im Schuhgeschäft einkaufen darf. Als er das letzte Mal dort nachgefragt habe, gab es nur Kinderschuhe zu kaufen.

Eines der drei großen Impfzentren

In der Panndorfhalle ist eines der drei großen Impfzentren Thüringens untergebracht. Derzeit werden hier pro Tag zwischen 1.400 und 1.500 Menschen geimpft. Sie reisen aus ganz Thüringen an. An diesem Maimontag um die Mittagszeit ist der große Parkplatz gegenüber nicht einmal halb gefüllt, doch es herrscht ein stetiges Kommen und Gehen.

Imbisswagen im Schatten eines größeren Gebäudes
Im Schatten der großen Panndorfhalle in Gera steht ein Imbisswagen. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Im Schatten der großen Halle steht ein kleiner Imbisswagen. Seit März - seitdem das Impfzentrum geöffnet hat - steht er schon hier. Mittags um zwölf ist die allgemeine Stimmung entspannt, auch wenn die beiden Brater gut zu tun haben. Immer wieder kommen Menschen, um sich hier Bratwürste, Rostbrätel, Fischbrötchen oder Buletten holen. Einer von ihnen ist André Reichenauer.

Mann in schwarzem T-Shirt vor einem großem Platz an einem sonnigen Tag
"Eine Art Impfpflicht": André Reichenauer sieht Lockerungen für Geimpfte kritisch. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Der Geraer Versicherungskaufmann holt Mittagessen für sich und seine Kollegen. Er sagt, er hält nichts von Lockerungen für Geimpfte. "Weil das eine Art Impfpflicht impliziert und das sollte man jedem selbst überlassen, ob man sich impfen lassen will oder nicht."

"Senf oder Ketchup?", fragt Olaf Steinbach vom Imbiss und Reichenauer antwortet: "Beides."

Mann in Imbissbude
Philipe Kettlitz arbeitet im Imbisswagen und sieht Lockerungen für Geimpfte positiv. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Philipe Kettlitz, Steinbachs Kollege, erzählt, dass er einer der Genesenen sei. Er habe aber kaum Symptome gehabt, "nur ein bisschen Nase zu". Ob er es gut finde, dass Geimpfte und Genesene jetzt mehr Freiheiten bekämen? "Wenn es positiv für die Wirtschaft ist, ist es immer gut. Mir wäre es recht, wenn alles wieder aufmacht. Wenn nur für Geimpfte und Genesene, dann ist das in Ordnung."

Wenn es positiv für die Wirtschaft ist, ist es immer gut.

Philipe Kettlitz

Mann brät Bratwurst in einem Imbisswagen
Olaf Steinbach arbeitet in der Gastronomie und glaubt nicht, dass Gaststätten demnächst wieder öffnen dürfen. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Kettlitz und Steinbach arbeiten für das Bowlingcenter in Gera, das keine Außengastronomie hat. "Wir würden gern wieder aufmachen und wenn es nur so geht, dann ist es eben so", sagt Kettlitz. Doch Olaf Steinbach ist skeptisch: "Vor dem 30. Juni tut sich in der Gastronomie im Innenraum nichts." Er sagt es ganz ruhig, es klingt nach Galgenhumor.

Für uns Ältere ist das schon von Vorteil.

Christine Schneider aus Greiz

Eine Frau mit Sonnenbrille vor einem großen Platz.
Christine Schneider aus Greiz und ihr Mann haben im Impfzentrum in Gera ihre zweite Impfung bekommen. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Auch Christine Schneider und ihr Mann kaufen sich Bratwürste am Imbisswagen. Sie kommen aus Greiz und sind extra zum Impfen hierher gekommen: "Wir sind fertig mit den Impfungen. Das ist bestens organisiert", sagt Christine Schneider und freut sich sichtlich.

Hoffnung auf Entspannung

Was mehr Freiheiten für Geimpfte anbelangt: "Für uns Ältere ist das schon von Vorteil", sagt sie, aber "die Jugendlichen und die Kinder treffen die Einschränkungen bedeutend härter. Wir hoffen, dass es sich durch die Impferei weiter entspannt." Die Roster sind fertig und das Ehepaar isst sie im Stehen. Sitzgelegenheiten gibt es hier keine.

Ich finde es nicht gut, weil es die Bevölkerung spaltet und Unruhe bringt.

Lena Blaschke aus Gera

Die 16-jährige Lena Blaschke bekommt heute ebenfalls ihre zweite Impfung. Was sagt sie zu den Privilegien für Geimpfte? "Ich finde es nicht gut, weil es die Bevölkerung spaltet und Unruhe bringt. Erst wenn alle ein Impfangebot bekommen haben, wäre es okay."

Dass Geimpfte und Getestete gleichgestellt werden, finde ich schwierig.

Alex aus Gera

Ähnlich sieht es Alex, 36: "Generell sehe ich das so, dass es mehr zu einer Spaltung der Gesellschaft führt. Dass Geimpfte und Getestete gleichgestellt werden, finde ich schwierig, aber da einen Kompromiss zu finden, ist auch schwer. Man hätte sich mehr von anderen Ländern abschauen können."

Meinungen zu Lockerungen für Geimpfte sehr verschieden

Es ist wie mit allen Regeln und Verordnungen in dieser Pandemie: Die einen lehnen Lockerungen für Geimpfte aus unterschiedlichen Gründen eher ab, die anderen finden sie richtig. Und manchmal geht es einfach nur darum, dass man sich endlich ein Paar Schuhe kaufen kann, weil man dringend neue braucht.

Anmerkung der Redaktion: Wir hatten im Text an zwei Stellen ursprünglich das Wort "Privilegien" statt beispielsweise "Lockerungen" verwendet. Wir haben dies geändert, da der Begriff missverständlich war - es handelt sich nicht eigentlich um Privilegien, sondern um die Rückgabe bestimmter Freiheiten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11. Mai 2021 | 19:00 Uhr

18 Kommentare

Logik-Mensch vor 19 Wochen

Das ist richtig, dass Kinder Überträger sein können, ohne in den allermeisten Fällen selbst ernsthaft zu erkranken. Aber durch die vorrangige Impfung bei den Erwachsenen und dem zu erwartenden Impffortschritt bleiben die Infektionsketten kurz. Die Impfungen bieten einen hohen Schutz vor schweren Verläufen. Insofern kann man das Übertragungsrisiko durch Kinder vernachlässigen.

Saxe vor 19 Wochen

"obwohl Corona für sie selbst weitgehend ungefährlich ist, "
Das ist nicht der Punkt. Entscheidend ist, dass auch Kinder und Jugendliche den Virus übertragen können.

Mr. Nobody vor 19 Wochen

Ich finde es absolut skandalös, dass die Kinder und Jugendlichen, von denen seit mehr als einem Jahr Solidarität verlangt wird, obwohl Corona für sie selbst weitgehend ungefährlich ist, nun weiterhin eingesperrt bleiben, während diejenigen, die sich bereits impfen lassen konnten, ihre Grundrechte zurückerhalten. Für mich ist das ein weiterer Beleg für das völlige Versagen der Politiker in dieser Krise.

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