"Neues Gera" Funke will Vertrag mit umstrittenem Anzeigenblatt in Thüringen kündigen

In Thüringen veröffentlicht die Gratiszeitung "Neues Gera" regelmäßig Falschinformationen zur Corona-Pandemie und rechtspopulistische Positionen. Verfassungsschutzpräsident Kramer sieht die Zeitung kritisch. Die Funke Mediengruppe will den Vertrag zur Verteilung des Blattes kündigen und distanziert sich von der Gratiszeitung.

Die Funke Mediengruppe verteilt seit Januar das umstrittene Anzeigenblatt Neues Gera. Die Gratiszeitung veröffentlicht regelmäßig Falschinformationen zur Corona-Pandemie sowie rechtspopulistische, demokratie- und medienfeindliche Positionen. Sie wird vom Geraer AfD-Stadtrat Harald Frank herausgegeben. Die Auflage liegt laut Impressum bei 48.500.

Der Thüringer Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer sieht das Blatt als Teil "der analogen Kommunikation von neuen Rechten, Rechtsextremisten und deren Umfeld in die Mitte der Gesellschaft". Der Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) hatte sich von solchen Anzeigenblättern, die Fake News verbreiten und unausgewogen berichten, distanziert.

Funke will Vertrag mit "Neues Gera" kündigen

Seit der Neues Gera-Ausgabe vom 14. Januar 2022 sorgt ein Unternehmen der Funke Mediengruppe, zu der Tageszeitungen wie die Thüringer Allgemeine und die Ostthüringer Zeitung gehören, für den Einwurf in die Briefkästen.

Funke-Sprecher Tobias Korenke sagte MDR THÜRINGEN, die inhaltlich zweifelhafte Ausrichtung der Anzeigenzeitung sei den Verantwortlichen bei Funke nicht bewusst gewesen. Das sei ärgerlich. Klar sei, Funke wolle nicht zur Verbreitung bedenklicher Inhalte beitragen. "Wir werden den Vertrag schnellstmöglich beenden, allerdings ist das rechtlich vor dem Ende des Jahres nicht so einfach möglich", so Korenke.

Mediengruppe distanziert sich von Anzeigenblatt

Die Haltung von Funke sei eindeutig, das Unternehmen lehne es ab, verfassungsrechtlich Problematisches zu unterstützen. Deshalb würden unter anderem keine Anzeigen der AfD in den eigenen Zeitungen abgedruckt. Den Thüringer AfD-Landesverband hat der Verfassungsschutz als "erwiesen extremistisches Beobachtungsobjekt" eingestuft.

Verträge werden überprüft

Funke-Sprecher Korenke sagte außerdem, Vertragsvorlagen würden aufgrund dieses Verteilauftrags in Gera möglicherweise juristisch nachgeschärft, um sich für zukünftige Dienstleistungsbeziehungen besser zu wappnen.

MDR (jw)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Februar 2022 | 08:00 Uhr

108 Kommentare

astrodon vor 17 Wochen

@Prof. Hans: "die überwiegende Mehrheit des geraer Mittelstandes" - kann ja sein. Denen muss man aber mal klar machen, u.a. mit solch einem Bericht wie dem obigen, wer da ihre Werbung unters Volk bringt. Einige werden es dann unterlassen, dort weiter Anzeigen zu schalten. Andere werden damit weiter machen. Mit diesen "Anderen" muss ich als Kunde aber zukünftig keine geschäftlichen Beziehungen mehr pflegen.

astrodon vor 17 Wochen

@akw: "Ich kenne dutzende Beispiele ... " aber auch in diesem Fall gilt, das Ihre Beispiele nicht von Aussagekraft sind - das wir Kommentatoren hier in den Foren immer mal wieder vorgehalten, wenn sie persönliche Beispiele und Erfahrungen vorbringen.
Zu Ihren Aussagen "weil die Druckauflage seit Jahrzehnten nur nach unten geht" hat eindeutig andere Gründe, preisliche sowie strukturelle.
Zum anderen hätten massive Investitionen erfolgen müssen, nach 27 Jahren Betrieb wäre das einer kompletten Neuausrüstung gleich gekommen - da war es unternehmerisch sinnvoller den Druckprozess zu verlagern.

knarf2 vor 17 Wochen

Professor Hans:Wenn ich weiß das ein rechtslastiges Blatt gegen die Demokratie Stimmung macht werde ich dort keine Werbung gegen die Demokratie schalten lassen und das Blatt meiden.

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