Thüringens bester Bäckergeselle aus Gera trainiert für den Bundeswettbewerb

Etwas mit den Händen machen und nicht rumsitzen - das ist der Wunsch von Jannik Biernoth nach der Schule. Als fertig gelernter Bäcker macht der 20-Jährige viel mit seinen Händen und das auch erfolgreich. Er ist Thüringens bester Bäckergeselle und nimmt jetzt am Bundeswettbewerb teil.

Ein junger Mann, Jannik Biernoth, holt mit Bäckermütze Brot aus dem Ofen.
Jannik Biernoth bei der Arbeit in einer Geraer Bäckerei. Der 20-Jährige ist Thüringens bester Bäckergeselle und liebt seinen Beruf. Bildrechte: MDR/ Kathleen Bernhardt

Kurz nach 6 Uhr am Morgen. Ein verführerischer Duft von frischem Brot und Kuchen liegt in der Luft. Jannik packt seine Sachen zusammen. Feierabend. Ab ins Bett. Wenn andere zur Arbeit fahren, hat Jannik seine Schicht schon hinter sich. "Gegen halbzehn Abends geht es bei mir los, früh um 6 Uhr bin ich fertig", erzählt der Bäckergeselle. "Ich verlagere meinen Schlaf nur, mir macht das nichts aus."

Der 20-Jährige ist ein cooler Typ, entspannt - und mit großer Leidenschaft fürs Backen. Seine Gesellenprüfung konnte er bereits im Januar abschließen - und damit ein halbes Jahr vor Ende der ursprünglichen Ausbildungszeit. Im September wurde er Thüringer Landessieger im Bäckerhandwerk. Jetzt bereitet er sich auf den Bundeswettbewerb vor.

Wenn man danach sieht, dass sich die Kunden an dem Produkt erfreuen, ist das ein schönes Gefühl.

Jannik Biernoth

Die Liebe zum Bäckerhandwerk kam durch Praktika

An die 500 Brote zieht er mit seinen Kollegen täglich aus den Backöfen. "Da kommt man schon mal ins Schwitzen", lacht Jannik. Zur Bäckerei kam er über Schülerpraktika und Ferienarbeit. Mehrfach hat er sich so bei einem Bäcker in Weida ausprobiert, "weil es Spaß gemacht hat". Dennoch blieb Jannik damals zunächst am Gymnasium, um dann in der elften Klasse zu merken: "Ich will doch lieber mit meinen Händen arbeiten, etwas schaffen."

Bereut hat er diesen Schritt nie. "Ich mach das gerne. Sehr gerne sogar." Es sei ein großes Glück, das zu lieben, was man täglich tut. Jannik Biernoth wünscht sich, dass die Leute öfter zum Handwerksbäcker gehen als zum Discounter. "Es schmeckt besser, die Qualität ist besser und nicht zuletzt sichert man so die Jobs der Bäcker, Fahrer, Verkäuferinnen." Und man hilft dabei, Handwerkstradition in der Region zu bewahren.

Zu Hause bleibt der Backofen kalt

Da hat man nun schon einen preisgekrönten Bäcker zu Hause, doch Familie Biernoth wird nicht ständig mit feinen Kuchen verwöhnt. Jannik braucht auch mal eine Backpause. Tipps und Tricks wollen dennoch viele von ihm haben. Mit seinen Kumpels backt er manchmal Burgerbrötchen oder Zwiebelkuchen. Für den sollte man sich beim Bäcker ein bisschen Sauerteig holen, rät Jannik. Roggenmehl, Hefe, Salz und Wasser dazu - fertig ist der perfekte Zwiebelkuchenteig.

Jannik ist schon ein Glücksfall für uns.

Michael Möbius, Bäckermeister

In den vergangenen 30 Jahren sind in der Bäckerei Möbius 50 junge Leute ausgebildet worden. Verkäuferinnen und Konditorinnen der Bäckerei waren bereits Landessieger in ihren Ausbildungsberufen - ein Bundessieger war noch nicht dabei. "Man muss aber sagen, dass die Messlatte dafür sehr hoch liegt. Es kommt auf die kleinen feinen Raffinessen an", so Michael Möbius. Manche der Landessieger werden von Mitgliedern der Bäcker-Nationalmannschaft auf den Wettbewerb vorbereitet. "Jannik wird seine Sache super machen und auf jeden Fall vorn mit dabei sein", ist sich Meister Möbius sicher.

Verschiedene Sorten Brot liegen übereinander
Brot und Brötchen bereitet Jannik am liebsten zu und freut sich, wenn es den Kunden schmeckt. Bildrechte: Colourbox.de

Sicher ist auch, dass Jannik Biernoth in den nächsten Monaten seinen Bäckermeister machen wird. "Er ist ein Vorbild und zeigt, was man mit Leidenschaft schaffen kann. Ich wünsche mir und der ganzen Bäckerinnung mehr von solchen jungen engagierten Leuten." Denn auch bei Möbius werden dringend Bäcker gebraucht, um die vielen Kunden der sieben Bäckerläden zu versorgen.

Zwischen Schulbank und Backstube

In den nächsten Wochen muss Bäckermeister Michael Möbius auf seinen jungen Gesellen öfters verzichten. Denn in knapp zwei Wochen steht in Weinheim in Baden-Württemberg der Bundeswettbewerb der Bäcker an, bei dem Jannik Biernoth als Thüringer Landessieger antreten darf. Neben Brot und Plunder muss Jannik Biernoth auch ein Torte zaubern - nicht gerade seine Lieblingsbäckerei. "Da hole ich mir Hilfe von unseren Konditoren, die verraten mir ein paar Tricks", lacht der junge Mann. Seine Schautorte wird mit Moos und kleinen Fliegenpilzen verziert sein, so viel verrät er schon mal. "Ich bin heiß", freut sich Jannik auf den Wettbewerb.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 19. Oktober 2021 | 06:40 Uhr

1 Kommentar

martin vor 5 Wochen

Ich wünsche dem jungen Gesellen gutes Gelingen beim Wettbewerb.

Leider haben in meiner Region die letzten drei halbwegs erreichbaren echten (handwerklichen) Bäcker in den letzten Jahren aufgegeben - die 'Geiz ist geil' Fraktion und fehlende Nachfolge haben ganze Arbeit geleistet.

Da hilft dann nur noch gelegentliches Selberbacken, wenn man von der 'üblichen Qualität' genug hat oder 'Mitbringsel' wenn man unterwegs ist. Allerdings fällt bei der 'Heimbäckerei' auch kein Meister vom Himmel ...

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