Heutiges Kultur- und Kongresszentrum 40 Jahre Haus der Kultur in Gera: Denkmal im Wechsel der Zeiten

Vor 40 Jahren wurde in Gera das damalige Haus der Kultur als sozialistischer Prestigebau an der heutigen Schlossstraße eingeweiht. Seitdem schwanken die Meinungen über das Gebäude mit dem Flachdach zwischen Euphorie und Ablehnung.

Saal des Kultur- und Kongresszentrums Gera
Das Haus der Kultur in Gera wurde am 2. Oktober 1981 feierlich eröffnet. Das Herz des Gebäudes ist der Saal. Bildrechte: MDR/Kulturamt Gera

Als das damalige Haus der Kultur (HdK) am 2. Oktober 1981 feierlich eröffnet wurde, da wirkte es auf einige Ostthüringer wie ein schmerzliches Loch in Sachen Tradition, das entstanden war. Denn für den mausgrauen Kubus-Bau musste an dieser Stelle das legendäre Hotel Zum schwarzen Bären weichen.

Es war wohl das prominenteste "Gebäudeopfer". Die Besitzer waren schon 1953 enteignet worden. Und mit der Sprengung des Hauses - im Zuge der weiteren Ausgestaltung des "sozialistischen Stadtzentrum" - verschwand auch eine 500-jährige wechselvolle Geschichte. Es gab auch Spötter, die meinten, das neue Haus sei der Palazzo di Prozzo en miniature - ein Abklatsch des Großen Bruders, des "Palastes der Republik" in Berlin.

Erinnerungstafel an den Gasthof Zum schwarzen Bären in Gera
Eine Tafel erinnert an den Gasthof Zum Schwarzen Bären, der einst dort stand, wo inzwischen seit 40 Jahren das heutige Kultur-und Kongresszentrum steht. Bildrechte: MDR/Uli Braumann

Neues Veranstaltungskapitel aufgeschlagen

Doch für die überwältigende Mehrheit der Menschen wurde mit dem neuen HdK, umringt von einigen Barockgebäuden, ein völlig neues Veranstaltungskapitel aufgeschlagen. Und die damals 180 Beschäftigten hatten in den fünf Spielstätten richtig viel zu tun. Das Gebäude verfügt noch heute über einen Mehrzwecksaal mit 1.700 Plätzen und hatte seinerzeit mehrere Gaststätten: Eine Bowlingbahn wurde um die Jahrtausendwende abgebrochen.

Kultur- und Kongresszentrum Gera von außen
Das Kultur- und Kongresszentrum heute. Bildrechte: MDR/Uli Braumann

Im HdK fanden Tagungen aller Art statt. Die SED der DDR machte von dem riesigen Hauptsaal für ihre Parteiinszenierungen reichlich Gebrauch. Vor allem: Es war ein ständig ausgebuchtes Veranstaltungshaus.

Das begann schon damit, dass hier 1981 der noch heute bestehende Tanzkreis "Brillant" gegründet wurde und ein Jahr später Ausrichter des ersten nationalen Kindertanzturniers der DDR war. Der heutige Tanzkreisleiter, Ingo Ronneberger, sagt: "Diese riesigen Glasfenster, das viele Marmor - und die versenkbare Bühne - das Hdk war einfach eine Schau für sich!"

Foyer im Kultur- und Kongresszentrum Gera
Riesige Glasfenster prägen die Architektur des damaligen Haus der Kultur. So sieht das Foyer dort heute aus. Bildrechte: MDR/Uli Braumann

Wenig später gastierte hier über Monate das weltbekannte Friedrichstadt-Palast-Ballett aus Berlin. Beliebte DFF-Fernsehreihen wie "Ein Kessel Buntes" mit nationalen und internationalen Stars wurden von hier aus ausgestrahlt. Auch die Besucherresonanz war bis zum "heißen Herbst" riesig. Schon bis dahin wurden viele Million Besucher gezählt.

Hingucker der besonderen Art

Selten und sehr besonders - das ist im Foyer die 450 Quadratmeter große Reliefwand "Lied des Lebens". 25 Bildhauer der DDR hatten daran mitgewirkt. Unter den 89 Einzelwerken seien auch hocherotische Plastiken zu finden, sagt die Mitarbeiterin des Hauses, Romy Kröller. Und sie schwärmt: "Ich finde daran besonders bemerkenswert, dass die auch wunderbar groß- und kleinteiligen Gebilde völlig ideologiefrei gestaltet wurden. Es handelt vom puren und universellen, prallen Leben!"

Reliefwand im Kultur- und Kongresszentrum Gera
25 Bildhauer haben an der Reliefwand "Lied des Lebens" mitgewirkt. Bildrechte: MDR/Uli Braumann

Vom Haus der Kultur zum Kultur- und Kongresszentrum

Seit der Wende stehen die Zeichen aber für das Kultur- und Kongresszentrum (KuK), wie es jetzt heißt, auf Neuanfang. Denn einerseits wurde es bereits 2013 als Bauwerk ins Denkmalbuch Thüringen als "Gesamtkunstwerk" eingetragen. Und Architekten rühmen es in Wortbeiträgen und Bildbänden als "Juwel der Ostmoderne".

Foyer des Kultur- und Kongresszentrums Gera
Das "Juwel der Ostmoderne" steht inzwischen unter Denkmalschutz. Bildrechte: MDR/Kulturamt Gera

Anderseits mehren sich Stimmen, die den maroden Zustand zum Beispiel an der Außenfassade beklagen. Das KuK gehöre abgerissen, fordern sie deshalb. Zumal es mit 24.000 Quadratmetern viel zu groß sei.

Ein anderes Wechselbad der Gefühle begleitet die Frage: Wie soll das größte Veranstaltungshaus in Ostthüringen weiter genutzt werden? Den Namen "Kultur-und Kongresszentrum", den man dem Haus in den 90er Jahren gab, hält Kulturamtsleiterin Claudia Tittel für veraltet. "Kongresse und Messen liefen hier nie sonderlich gut", sagte sie.

Historisches Telefon mit Wählscheibe und weitere alte Elektronik im Kultur- und Kongresszentrum Gera
Manche DDR-Technik wird heute noch genutzt. Bildrechte: MDR/Uli Braumann

Weiter erklärt Tittel: "Aus Sicht des Denkmalschutzes ist natürlich der Saal gesetzt. Aber wir haben noch andere Baustellen: Zum Beispiel haben wir fünf Museumsbauten, aber nicht genug Platz für unsere hochwertigen Kunstwerke. Das 'Haus der Kultur' könnte eine neue Heimat dafür sein." - Diese und andere Varianten will Tittel im Herbst dem Stadtrat vorstellen. Hitzige Debatten sind da sicherlich nicht ausgeschlossen.

Und die Geburtstagsfeier zum 40-jährigen Jubiläum des KuK? Die fällt - coronabedingt - ins Wasser und soll im April 2022 nachgeholt werden. Eine geplante geschlossene Festveranstaltung im KuK findet jedoch am 13. Oktober 2021 statt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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