Jagd als Lebenseinstellung Wie junge Menschen in Thüringen die Jäger-Ausbildung beginnen

Für 13 Anwärter hat in Gera die achtmonatige Jäger-Ausbildung begonnen. Neben dem fachlichen Wissen bekommen die Jungjäger auch die Tradition und Ehre der Jägerschaft vermittelt. Das Klischee von alten bärtigen Männer mit Hut hat aber lange ausgedient. Knapp die Hälfte der Auszubildenden sind Frauen.

Ein Jäger spricht zu einer Gruppe Jäger-Anwärter
Manuel Zabel gibt den Teilnehmern Praxistipps zur Jagdhund-Haltung. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Mit Jagdhorn-Musik und Hundebellen werden sie am Waldrand in der Nähe von Weida begrüßt - die 13 Anwärter auf den Jagdschein. Die Ausbildung dazu dauert acht Monate und wird von der Jägerschaft Gera e.V. abgenommen.

"Wir haben eine Durchfallquote von null Prozent", sagt Vereinschef Thomas Widling stolz. Er selbst ist natürlich Jäger. Er und die anderen Ausbilder stellen hohe Anforderungen an die Bewerber. Neben dem fachlichen Wissen sollen sie auch die Tradition und Ehre der Jägerschaft vertreten.

Gespräche auf der Gartenbank

Anderthalb Stunden: So lange in etwa dauert das Gespräch, das jeder Bewerber bei Thomas Widling zu Hause auf der Gartenbank führen muss. "Ich will alles über die Beweggründe erfahren, warum jemand die Jagdausbildung machen will. Wenn es nur darum geht, legal an Schusswaffen zu kommen, dann ist der Bewerber bei uns selbstverständlich raus!"

Schießen nur ein Teil des Jägerdaseins

Dabei macht das Schießen, das Erlegen der Tiere gerade mal ein Prozent des Jägerdaseins aus, sagt Thomas Widling. Zudem ist die Quote auch behördlich vorgegeben. Der Tierbestand muss gepflegt werden - immer im Einklang mit der Natur.

(Manuel Zabel begrüßt die künftigen Jäger)
Manuel Zabel begrüßt die künftigen Jäger mit einem Jagdhorn. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Jagd ist keine Männerdomäne

Unter den 13 Ausbildungsbeginnern heute sind auch sechs Frauen. Ein Trend, den Thomas Widling schon lange beobachtet. Er findet die Entwicklung gut: "Frauen sind deutlich bessere Beobachter und in der Ausbildung immer vorn dran! Und nicht zuletzt gibt es eine Göttin der Jagd: Diana!"

Warum sollen wir nicht können, was die Männer auch hinkriegen?

Franziska Jungjägerin

Aufbrechen von Klischees

Das Klischee des bärtigen alten Mannes als Jäger gehört doch schon lange der Vergangenheit an, finden die künftigen Jägerinnen. "Warum sollen wir nicht können, was die Männer auch hinkriegen?", fragt Franziska. Auch Yvonne Güttling aus Gera ist sich sicher, dass sie die Ausbildung schafft. Sie ist gemeinsam mit ihrem Ehemann hier.

Er war eigentlich der Auslöser - nun büffeln sie die nächsten acht Monate zu zweit durch die vielen Lehrmaterialien. "Es ist natürlich eine Herausforderung, wenn es an das Erlegen des Wildes geht", gibt Yvonne zu. "Aber wir essen gern gesund, essen gern Wild. Und so ist es gut zu sehen, wie das Tier gelebt hat. Wichtig ist, dass die Hege von Wild und Natur kompromisslos zusammengehört."

(Auszubildende in einer Hütte)
Jagen ist schon längst keine reine Männersache mehr. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Beziehung zwischen Mensch und Tier begreifen

Wie zur Bestätigung bellt Runa vom Leinawald, die Wachtelhündin von Jäger Manuel Zabel. Er ist einer der vier Ausbilder und kümmert sich auch um die Beziehung Mensch-Jagdhund. Welchen Hund er haben will, weiß Paul noch nicht.

Mit 19 ist er heute der jüngste der Gruppe und erklärt seinen Wunsch, Jäger zu werden, so: "Die Hege und Pflege des Waldes oder auch der Natur. Das ist auf jeden Fall eine große Aufgabe. Und das reizt mich auch daran. Dann die Ruhe im Wald, zum Abspannen, zum Runterkommen."

Jeder hier hat wohl seine eigenen Gründe, warum er die Jagdausbildung machen will. Doch bei allen ist klar: Das Wohl der Tiere und der Natur stehen an erster Stelle.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 08. August 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

part vor 10 Wochen

Oder das Halten von riesigen Herden an Rehwild, manchmal bis zu 29 Tiere, die dann einzeln versuchen die Straßen zu überqueren, nachdem die Agrargenossenschaft für die ausreichende Ernährung gesorgt hat. Das Nachsehen hat dann der Autofahrer und immer mehr, selbst bei Tage. Die Polizei informiert bei Wildunfällen den Jagdpächter und gibt sich rar. Der Unfallgeschädigte darf dem heimlichen Viehzüchter dann noch 15 € für das Schadensattest für die Versicherung überreichen. Ob das Wildbret aus Unfall dann immer der Tierkörperbeseitigung übereignet wird, prüft leider kein Amt.

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