Stadtentwicklung 50 Jahre Gera-Lusan: Wie die Kunst den Stadtteil sichtbar macht

Vor 50 Jahren - ganz genau am 28. April 1972 - wurde in Gera der erste Spatenstich für den Bau des neuen Stadtteils Lusan gesetzt. Damit sollten sich die Wohnverhältnisse für 45.000 Einwohner verbessern. Die Planer mussten eine Stadt in der Stadt denken, mit Wohnungen, Kaufhallen, Schulen, Ärzten - und Kunst. Seit heute wird der "Kunst am Bau" in Gera-Lusan eine eigene Ausstellung gewidmet.

Sie leuchtet den Bewohnern und Besuchern des Geraer Stadtteils Lusan schon von weitem entgegen: eine riesige Sonne, Wandmosaik auf einem Plattenbau. Solche Bilder, Plastiken, Reliefs und Skulpturen sorgen für Abwechslung im Einheitsgrau der Betonplatte.

Sonnenmosaik von Christoph Liepach
Das Sonnenmosaik grüßt die Bewohner und Besucher von Lusan schon von weitem. Bildrechte: Christoph Liepach

Christoph Liepach, selbst ein Lusan-Kind, hat sich lange mit der Geschichte des Wohngebietes beschäftigt und bereits mehrere Bücher geschrieben. Sein neuestes Werk heißt "In Lusan geht die Sonne auf" und soll im Herbst erscheinen. Darin schreibt Liepach über seine Spurensuche zur Kunst und deren Schöpfer in Lusan. "Was war hier eigentlich alles für Kunst? Die Kunst wurde beim Bau mitgedacht. Und in den fünfzig Jahren Lusan wurde natürlich vieles aufgebaut, aber auch zurückgebaut", sagt Liepach.

Kunst als Wiedererkennungsmerkmal

Manfred Taubert haben es besonders die Skulpturen und Plastiken in Lusan angetan. Er beschäftigte sich schon in jungen Jahren mit der Stadtgeschichte. Irgendwann spezialisierte er sich auf die Kunstwerke im öffentlichen Raum des neuen Wohngebietes. "Die Kunst sollte das Wohngebiet auflockern", sagt Taubert. "Hier gab es ja keine gewachsenen Strukturen, keine Parks und Wälder."

Die Kunst sollte das Wohngebiet auflockern.

Manfred Taubert

Auffällig in vielen Straßen: die Hauszeichen über und neben den Eingängen. Im Einheitsgrau der Platte sollten die Kinder mit diesen Motiven leichter den Weg nach Hause finden. Solche Hauszeichen finden sich auch an Plattenbauten in der Innenstadt von Gera.

Hauszeichen-Mosaike an Wohnblock
An vielen Häusern in Lusan finden sich Hauszeichen-Mosaike. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Ausstellung widmet sich Geschichte des Stadtteils

Zum 50. Jahrestag des ersten Spatenstichs widmet die Geschichtswerkstatt in Gera-Lusan dem Thema Kunst eine Sonderschau. Hier finden sich die großen Kunstobjekte, aber auch die vielen kleinen Elemente im Wohngebiet. Die Ausstellung zeigt Vorhandenes, aber auch verschwundene Objekte. Wie die "Kloßmarie", einst ein beliebtes Postkartenmotiv. Sie zierte den Brunnen vor der Kaufhalle Süd.

Altes Bild der Kloßmarie in Gera-Lusan
Die Kloßmarie gibt es leider nicht mehr. Bildrechte: Frank Schenke

Ulli Wittich-Großkurth, Künstlerin aus Jena, schuf die drei Meter hohe Plastik aus Keramik. Heute ist am Standort nur noch der Brunnensockel zu sehen. Die "Kloßmarie" wurde 1991 demontiert, nachdem sie durch Vandalismus zerstört wurden war. Die Künstlerin war seinerseit entsetzt. "Also diese Figur haben wir ja mit den Händen gebaut", sagte Wittich-Großkurth. "Ich musste alles mit den Händen modellieren. Ich habe eine immense Kraft gebraucht, und die hatte ich."

Also diese Figur haben wir ja mit den Händen gebaut.

Ulli Wittich-Großkurth Künstlerin aus Jena

In der Ausstellung der Geschichtswerkstatt ist das Musterstück der Kloßmarie zu sehen. Die Künstlerin war zur Ausstellungseröffnung am Donnerstag selbst nach Gera-Lusan gekommen, auch um frühere Weggefährten zu treffen. Viele leben nicht mehr, die Künstlerin feiert bald ihren 90. Geburtstag.

Kunst im Wohngebiet ist keine Selbstverständlichkeit

21 Plastiken sind derzeit noch überall im Wohngebiet verteilt. Ob neue Objekte dazu kommen, wird sich zeigen. Für viele Bauherren sind solche Schmuckelemente verzichtbar. Im Zentrum von Lusan zeigt sich, dass es auch anders geht. Dort wurde ein ganzer Wohnblock historisch gestaltet.

Manfred Taubert spricht mit einer sitzenden Frau
Manfred Taubert spricht zur Ausstellungseröffnung über Skulpturen und Plastiken in Lusan. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Lusan bleibt in Bewegung

Am Ort des ersten Spatenstichs entsteht Neues. Dort baut eine Wohnungsgenossenschaft das Weiden-Carree. Moderne Wohnungen, barrierefrei an dem Ort, wo die ersten Elf-Geschosser in Lusan entstanden. Der Stadtteil ist immer noch gefragt. Die Einwohnerzahl liegt seit Jahren konstant bei über 21.000. Ob neue oder alte Bewohner - sie werden in Geras größtem Wohngebiet immer noch von Kunst am Bau begrüßt.

Baustelle am Ort des ersten Lusan-Spatenstichs
Am Ort des ersten Spatenstichs wird wieder gebaut. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 28. April 2022 | 19:00 Uhr

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