Leben im Alter Wohnungsgesellschaft bietet Assistenz-Tablet für Senioren an

Für ältere Menschen kann ein Tablet sehr hilfreich sein. Was damit schon alles geht, zeigt ein vielbeachtetes Projekt in Gera. Dort können Senioren das Assistenz-System ein Jahr testen.

"Am Anfang war es schon ein bissel ungewohnt", erinnert sich Günther Nier. Es geht um das kleine elektronische Endgerät, das seit einigen Monaten zum Inventar seiner Wohnung gehört. Ein spezielles Tablet. Bekommen hat es der 84-jährige von seinem Vermieter, der TAG Wohnen & Service GmbH.

Das Unternehmen vermietet bundesweit Wohnungen. So auch in Lusan, dem größten Stadtteil von Gera. Der besteht nun seit 50 Jahren – und manche Mieter wohnen von Anfang an hier. Was sie so brauchen, das finden sie meist gleich um die Ecke. Und zusätzlich gibt es nun noch BeHome, das Assistenzsystem, zu dem das spezielle Tablet gehört. Was es kann, das erklärt Romina Jentsch im soeben eröffneten Schauraum im TAG-Kundenzentrum.

Das Kundenzentrum TAG Wohnen von außen.
Im Kundenzentrum der TAG Wohnen in Gera-Lusan gibt es jetzt einen Schauraum für das Assistenzsystem BeHome. Bildrechte: Marian Riedel/MDR

Notruf-Knöpfe holen Hilfe

"Hier auf dem Bildschirm – das ist ein Notrufknopf", sagt sie. Und ergänzt, dass es rote Knöpfe zusätzlich noch zum um den Hals hängen, an den Arm binden und an den Wänden in der Wohnung gibt. Besonders wichtig sind wohl die Not-Knöpfe knapp über dem Fußboden. Sie können nach einem Sturz für rasche Hilfe sorgen. Einen ungewollten Test, wie gut das funktioniert, hat Mieter Klaus Malischewski erlebt. Der 69jährige erzählt: "Ostern war mein Enkel da. Und als er auf Toilette war, da war der große rote Knopf. Er hat mal mit den Beinen gebaumelt, den Knopf getroffen - und der Alarm ist losgegangen. Jetzt bin ich mir sicher, dass die Anlage funktioniert."

Eine Hand fasst auf das Touchpad eines Tablets.
BeHome hat auch einen Sensor, der in Küche oder Bad bemerkt, wenn Wasser den Boden flutet. Bildrechte: Marian Riedel/MDR

Kostenpflichtiger Service

Klaus Malischewski ist noch ziemlich fit. Aber die Sorge vor einem Sturz, die war schon vor einem Jahr groß. Deshalb war er der erste, der beim Projekt BeHome mitmachte. Der Vertrag hieß: Ein Jahr kostenlos, dann muss für das Servicepaket gezahlt werden. Darüber war sich auch Günther Nier im Klaren. Der 84jährige ist froh, noch nie den roten Knopf gebraucht zu haben. Aber klar, er behält das BeHome-Tablet auch, wenn es nun nach dem Probejahr etwas kostet. "29 Euro, das ist, sag ich mal, erschwinglich. Ich persönlich würde bis 50 Euro gehen. Das wäre bei mir die Grenze", meint der Senior.

Klaus Malischewski und Claudius Olszak
Klaus Malischewski war Kunde Nr. 1 bei der Einführung des BeHome-Angebotes. Seine Erfahrungen sind gefragt beim Claudius Oleszak, dem Standortleiter der TAG Wohnen Thüringen. Bildrechte: Marian Riedel/MDR

Den Umgang mit dem Tablet hat er geübt. Er schätzt die Möglichkeit zu Bildtelefonie, denn seine Familie lebt verstreut in anderen Bundesländern. Außerdem kann übers Tablet bestellt werden – bei der Apotheke über in der Kaufhalle. Arztpraxen können bald sogar telemedizinische Beratung anbieten. Ja, auch Spiele und Wikipedia sind nutzbar.

"Tablet-Führerschein" um Hemmschwellen zu überwinden

Zum Erfolg des Assistenzsystems tragen mehrere Firmen, das Wohnungsunternehmen und die Stadt Gera gemeinsam bei. Eingestiegen ist eine kleine Firma, die Tagesseminare anbietet. Die helfen über die Hemmschwelle, die Seniorinnen und Senioren manchmal beim Umgang mit digitaler Technik haben. Wer aber nach dem Seminar einen "Tablet-Führerschein" bekommt, der hat auch etwas für sein Selbstbewusstsein geschafft.

An der Atrappe eines Bettes wird ein Nachtlicht demonstriert.
Im Schauraum wird auch gezeigt, wie Sensoren nahe am Bett die Nachtlichtbänder regulieren. Bildrechte: Marian Riedel/MDR

Mit diesem Gefühl sind fast alle Nutzer dabeigeblieben, als es um die kostenpflichtige Vertragsverlängerung ging. Und inzwischen wird BeHome auch in anderen Städten etabliert. Eisenach ist dabei, Sangerhausen und auch Salzgitter. In Gera wird inzwischen daran gearbeitet, dass per Tablet bestellte Lieferungen künftig von Transportrobotern bis zur Haustür geliefert werden. Das alles unterstützt die Stadt im Rahmen ihres Programms SMARTCity.

MDR (nis)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13. Juni 2022 | 19:00 Uhr

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