DDR-Architektur Wohnungsgesellschaft in Gera saniert denkmalgeschützte Plattenbauten

Nur einen Steinwurf vom Marktplatz entfernt bauten die Geraer in den 80er-Jahren Wohnungen in Plattenbauweise. Sie stehen zwischen historischer Bausubstanz und sollten damals den Charakter der Altstadt bewahren und gleichzeitig rationelles Bauen ermöglichen. Wer genau hinschaut, entdeckt viele Besonderheiten. Wegen dieser "Extras" stehen die Innenstadt-Platten auch unter Denkmalschutz.

Blick durch die Schuhgasse zum Markt/ Rathaus
Der Blick durch die Schuhgasse in Richtung Markt/ Rathaus. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Überall schossen in den 70ern und 80er in der DDR die Plattenbausiedlungen in die Höhe. Wohnraum war knapp und schnelles, rationelles Bauen sollte das Problem lösen - oft zulasten der Altbausubstanz, die mehr und mehr verfiel. Auch in Gera wurden zum Beispiel im Wohngebiet "Häselburg" ganze Häuserzüge abgerissen und mit der "Platte" neu bebaut. Doch Anfang der 80er-Jahre setzte sich langsam neues Denken durch. Die historische Bausubstanz retten und sanieren und gleichzeitig Lücken mit Plattenbauten füllen – so die neue Devise. Für die Wohnungsbauunternehmen eine Herausforderung. Sie mussten die Bauweise an die Gegebenheiten vor Ort anpassen.

Ein wichtiges Element war, die Elemente so zu kombinieren, dass sie wie einzelne Häuser aussahen, nicht wie ein Wohnblock. Im Inneren versteckte sich nach wie vor die traditionelle Plattenbauweise.

Sabine Schellenberg Leiterin Untere Denkmalschutzbehörde Stadt Gera

Heißt: Innen wurde weiter im Raster mit 2,40m oder 3,60m gebaut. Mit diesen Plattenmaßen waren viele verschiedene Wohnungszuschnitte möglich. Immer dabei: das Bad-Modul mit anliegendem Leitungsschacht. Heute helfen diese klaren Zuschnitte den Wohnungsunternehmen bei der Sanierung.

Wir sind Fans der Platte. Hier hat man so viele Möglichkeiten, Wohnungen neu zu gestalten, Wohnungen zusammenzulegen und zum Beispiel auch größere Bäder oder offene Küchen einzubauen. Und das zu überschaubaren Kosten.

Martina Schramm Geschäftsführerin GWB „Elstertal
Hauseingang mit Hauszeichen
Ein Hauseingang mit Hauszeichen aus dem Jahr 1985. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

In der Schuhgasse in Gera saniert die Geraer Wohnungsbaugesellschaft (GWB) einige der Innenstadt-Plattenbauten. Wegen ihrer besonderen Außengestaltung stehen sie unter Denkmalschutz. Von ihren Geschwistern in den großen Wohngebieten unterscheiden sie sich in vielen Details. Das vielleicht markanteste ist die Dachform. Für die Innenstadt konzipierten die Planer Mansard-Dächer mit Dachfenstern und Ziegeleindeckung. Sie sollten sich in das historische Stadtbild im Zentrum einfügen. Fensteröffnungen erhielten besondere, abgesetzte Rahmungen. In der Schuhgasse wurden Haustüren aus Holz eingebaut. Prägendes Element aber sind die "Hauszeichen" – gestaltet von einem Geraer Künstler mit Motiven verschiedener Handwerksberufe.

Die Hauszeichen wurden damals in den Neubaugebieten entwickelt, damit die spielenden Kinder ihr Haus wiederfanden.

Sabine Schellenberg Leiterin Untere Denkmalschutzbehörde Stadt Gera

In den 80ern gab es für die Bauarbeiter einige Nüsse zu knacken. So mussten sich die Tieflader mit den Betonelementen durch die engen Gassen der Innenstadt vorarbeiten. Aber nicht nur das: Auch die Geraer Höhler sorgten für Kopfzerbrechen. Das Tunnellabyrinth unter der Innenstadt hat eine Länge von acht Kilometern. Auch unter der Schuhgasse gibt es die früheren Bierkeller. Für die Stabilität der Häuser mussten einige von ihnen ertüchtigt werden. Andere wurden auch verfüllt.

Straßenfront mit Plattenbau klassisch und Plattenbau mit Mansarddächern.
Die Straßenfront mit klassischen Plattenbauten und Plattenbauten mit Mansarddächern. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

An den drei Gebäuden in der Geraer Schuhgasse haben die Handwerker die Arbeiten an der Fassade schon abgeschlossen. Das Dach und die Dämmung wurden erneuert, Schäden an den Außenwänden repariert. Auch die Fugen zwischen den Platten sind jetzt dicht. Im Inneren allerdings gibt es für die Handwerker bis zum Jahresende noch viel zu tun. Für die GWB sind die drei Häuser in der Schuhgasse auch ein Test für die Sanierung weiterer Objekte in der Geraer Innenstadt.

Wir haben etwa 1.800 Wohnungen hier in der Innenstadt. In den nächsten Jahren investieren wir etwa 30 Millionen Euro und wollen damit einen großen Schritt weiterkommen.

Martina Schramm Geschäftsführerin GWB „Elstertal“

Die Geraer wissen die neugestalteten Plattenbauwohnungen offenbar zu schätzen. Auch für die Wohnungen in der Schuhgasse gibt es schon Interessenten. Mieten zwischen 6,50 und 7 Euro je Quadratmeter sind auf jeden Fall ein Argument für die "Platte".

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN Journal | 09. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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