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Vor sechs Jahren wurde eine Sechsjährige während einer Jagd angeschossen. Jetzt steht ein 34-jähriger Hobbyjäger vor Gericht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Justiz

Mädchen bei Erntejagd angeschossen - Jäger vor Gericht

von MDR THÜRINGEN

Stand: 14. September 2021, 14:45 Uhr

Vor drei Jahren ist eine damals Sechsjährige bei einem Jagdunfall in Großsaara in Ostthüringen angeschossen worden. Bis heute leidet das Mädchen physisch und psychisch unter den Folgen. Seit Dienstag steht deshalb ein 34-jähriger Jäger vor Gericht. Zum Prozessauftakt schwieg der Mann.

Drei Jahre nach dem Jagdunfall von Großsaara im Kreis Greiz hat am Dienstag der Prozess gegen einen heute 34 Jahre alten Jäger begonnen. Er soll bei einer Erntejagd damals ein sechsjähriges Mädchen angeschossen haben. Das Mädchen war im Juli 2018 in einer Kleingartenanlage von dem Projektil an Arm und Hüfte getroffen worden. Die Sechsjährige wurde lebensgefährlich verletzt und musste notoperiert werden. Die Erntejagd fand auf einem nahe gelegenen Feld statt.

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Prozessauftakt: Mädchen bei Jagd angeschossen

Ballistisches Gutachten führte zur Waffe des Angeklagten

Die Waffen der sieben Jäger waren damals beschlagnahmt und untersucht worden. Dem ballistischen Gutachten zufolge stammte das Geschoss aus der Waffe des 34-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Körperverletzung vor. In der Anklage heißt es, er habe die Vorschriften nicht beachtet, mit denen solche Unfälle vermieden werden sollen. Der Unfall sei vorhersehbar und vermeidbar gewesen. Der Angeklagte habe gewusst, dass kein ausreichender Kugelfang, also etwa eine Erhebung, die die Kugel stoppen könnte, vorhanden war.

Mädchen leidet bis heute unter Folgen des Jagdunfalls

Zum Prozessauftakt schwieg der Angeklagte. Der Vater des verletzten Mädchens schilderte dem Gericht die Folgen des Jagdunfalls. Demnach hat das Kind die Pflegestufe 3, kann nur schlecht laufen und benötigt einen Schulbegleiter im Unterrichtsalltag. Nach den Operationen habe das Mädchen zeitweise im Rollstuhl gesessen. Wegen fehlender Barrierefreiheit sei ein Schulwechsel nötig gewesen, um den Alltag meistern zu können. Immer noch leide seine Tochter unter ständigen Schmerzen, schildert der Vater die Situation. "Zusammengefasst geht es ihr beschissen." Außerdem werde sie von einem Physiotherapeuten und einem Psychiater betreut.

Der Vater sagte weiter aus, zum Zeitpunkt des Jagdunfalls habe die Familie in der Gartenanlage gegrillt. Plötzlich habe er einen lauten Knall gehört. Er habe gesehen, wie seine Tochter ins Straucheln kam und dann in einen aufblasbaren Pool fiel. "Da hat sie dann alles vollgeblutet." Ein Bekannter sei wegen der Schreie herbeigeeilt und habe geholfen, das Kind zu verbinden.

Ortstermin geplant

Der Verteidiger des Jägers hat einen Ortstermin beantragt. Vor Gericht erklärte er, seiner Überzeugung nach habe der Angeklagte vom konkreten Standpunkt, den er damals innehatte, das Mädchen nicht treffen können. Das Gericht gab dem Antrag statt. Zum Ende des nächsten Verhandlungstages am 28.9. soll der Ortstermin stattfinden.

Zuvor hatte der Jagdpächter in seiner Zeugenaussage erklärt, die beteiligten Jäger seien belehrt worden. Dass man nicht auf bewohntes Gebiet schießt, sei selbstverständlich, das lerne man in der Ausbildung. Gegen den Jagdpächter war ursprünglich auch ermittelt worden. Bei der Erntejagd sollten Wildschweine aus einem Feld getrieben und erlegt werden.

Stichwort: ErntejagdEine Erntejagd ist eine besondere Form der Jagd: Wildtiere wie etwa Wildschweine verstecken sich gern in Mais- oder Rapsfeldern. Um sie zu erlegen, lauern Jäger während der Ernte auf die Tiere. Diese fliehen aus dem Feld, wenn ihnen die Erntemaschinen die Deckung genommen haben.

Quelle: MDR Thüringen/gh, the, dpa

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. September 2021 | 08:00 Uhr

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