Nach Ausscheiden aus dem Bundestag Ex-Bundestagsabgeordneter Robby Schlund verlässt AfD

Der frühere AfD-Bundestagsabgeordnete Robby Schlund ist nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament aus der Partei ausgetreten. Schlund sagte MDR THÜRINGEN, seine Gründe seien rein persönlich und hätten nichts mit der AfD-Programmatik zu tun.

Robby Schlund, früherer Bundestagsabgeordneter der AfD.
Dr. Robby Schlund saß als Abgeordneter seit 2017 im Bundestag für die AfD. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Er wolle daher auch als Parteiloser Mitglied der AfD-Fraktion im Greizer Kreistag bleiben. In rund einem halben Jahr wolle er zudem wieder als Orthopäde und Sportmediziner arbeiten. Bis dahin kümmere er sich um seine Familie.

Angeblich kommt er Ausschlussverfahren zuvor

Die Leipziger Volkszeitung berichtet unterdessen, dass sich Schlund mit seinen Parteifreunden in der AfD überworfen hat. Er komme mit seinem Parteiaustritt einem Ausschlussverfahren zuvor, das wegen angeblich parteischädigenden Verhaltens geplant gewesen sei. In dem Bericht heißt es, zu den Gründen wollten sich weder Schlund noch die Partei äußern.

Schlund saß seit 2017 im Bundestag und hatte bei der diesjährigen Bundestagswahl nicht in einem Wahlkreis kandidiert. Sein Listenplatz 6 reichte nicht für einen Wiedereinzug in den Bundestag.

Verfahren der Ärztekammer läuft noch

Zu dem Verfahren der Ärztekammer gegen sich sagte Schlund, dieses laufe noch. Er wisse auch nicht, wann es abgeschlossen werden solle. Gegen Schlund hatte die Thüringer Landesärztekammer im Jahr 2020 ein sogenanntes berufsrechtliches Ermittlungsverfahren eröffnet. Anlass waren Plakate, die Schlund auf einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen im August 2020 in Berlin getragen hatte. Auf den Plakaten waren der Virologe Christian Drosten und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in Sträflingskleidung mit der Aufschrift "schuldig" zu sehen.

Die Ärztekammer prüft, ob die Fotos wegen der herabsetzenden Äußerungen berufswidrig sind. Die ärztliche Berufsordnung verpflichtet Mediziner, sich untereinander kollegial zu verhalten. Schlund hatte das Plakat mit der Darstellung Drostens als "politische Satire" bezeichnet, die vom Grundgesetz gedeckt sei.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jw

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 08. Oktober 2021 | 11:30 Uhr

21 Kommentare

Fakt vor 8 Wochen

@aus Elbflorenz:

Was der Wissenschafts- und Meinungsfreiheit fremd ist, etscheiden nicht Sie, sondern die zuständigen Gremien, im Zweifel ein Gericht!

>>"Die ärztliche Berufsordnung verpflichtet Mediziner, sich untereinander kollegial zu verhalten. „Unsachliche Kritik an der Behandlungsweise oder dem beruflichen Wissen einer Ärztin oder eines Arztes sowie herabsetzende Äußerungen sind berufswidrig“, heißt es in Paragraf 29 der Thüringer Berufsordnung."<<
(Quelle: Ärztezeitung)
Und an die Berufsordnung hat sich auch ein blaubrauner Politiker zu halten, ob's Ihnen nun passt oder nicht.

Anita L. vor 8 Wochen

"Ein Bild, wie das auf den Plakaten gewählte, sagt mehr als 1000 Worte."

Dann überlegen Sie mal, was genau diese Bilder sagen. Das Kollegialitätsgebot hat nichts mit einem "Unfehlbarkeitsdogma" zu tun, auch wenn hier wohl wieder mal wie ja im Allgemeinen sehr gern der blaue Polemisierungshammer geschwungen wird. Kollegialität zeige ich, indem ich meinen Kollegen achte, auch wenn ich mal nicht seiner Ansicht bin. Den Kollegen in aller Öffentlichkeit als "Verbrecher" und "schuldig" zu bezeichnen, hat nichts mit kollegialer Achtung zu tun.

Anita L. vor 8 Wochen

Professor Hans, genau genommen ist seine Zulassung bzw. seine Renommee aktuell in Gefahr, denn das Verfahren der Ärztekammer gegen ihn ist, soweit ich weiß, noch nicht beendet.

Aufgeben sollte man tatsächlich keinen Menschen, da haben Sie Recht, jedoch hat sich der betreffende Mensch bisher noch nicht von seinem Verhalten distanziert oder seinen Irrtum eingestanden. Im Gegenteil habe ich seine Einstellung so verstanden, dass er, obwohl er eigentlich die Wirkung der Maßnahmen als positiv einschätzte ("Die Kurve in Deutschland kann sich sehen lassen" - so ähnlich soll er es in einem Interview formuliert haben) dennoch, eben rein aus Dagegensein mit diesen Plakaten posierte (Quelle: Andrea Becker: Die fragwürdige Reise des Aryuveda-Arztes der AfD).

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