Gera Wenn ein Roboter den Einkauf bringt - Robby fährt in Gera

Im Stadtteil Gera-Lusan könnte ein neuer Helfer mit vier Rädern Senioren in Zukunft den Weg zum Supermarkt abnehmen. Hier machten sich kluge Köpfe Gedanken darüber, wie ältere Menschen im Wohngebiet möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden leben können.

Ein Lieferroboter steht auch einem Gehweg.
Auf dem Roboter ist genau Platz für eine Thermokiste für Lebensmittel. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Der kleine Roboter fällt kaum auf, und doch drehen sich am Eingang des Supermarktes in Gera-Lusan viele Kunden nach ihm um. Gerade mal so groß wie eine große Kiste, darunter vier Räder und ein schmales Metallgestell. So sieht der neue Helfer aus, den sie hier gleich auf den Namen "Robby" getauft haben.

Vier Menschen stehen um einen Roboter.
In Gera wird das Projekt von der TAG Wohnen, dem Seniorenbeirat und der Begegnungsstätte "Eichenhof" betreut. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

"Robby" rollt zum ersten Mal über seine neue Strecke durch das Wohngebiet. Die schwarze Thermobox ist noch leer, später sollen damit die Einkäufe zu Senioren gebracht werden. Eine Idee der TAG Wohnen, dem größten Vermieter in Gera-Lusan. Nach den positiven Erfahrungen mit dem selbstfahrenden Bus Emma hatten sie hier schnell über neue Projekte nachgedacht.

Gera smart machen, so das Ziel. Übersetzt heißt das, gerade für die älteren Menschen im Wohngebiet kleine Helfer zu schaffen, damit sie länger in ihren eigenen vier Wänden leben können.

Seit dem vergangenen Jahr können die Mieter ein Tablet nutzen. "BeHome" soll sie im täglichen Leben unterstützen. Mit dem Tablet sind Notrufknopf, Wasseralarm und verschiedene Hilfsmittel verknüpft. So sorgen zum Beispiel Bewegungsmelder nachts automatisch für Licht oder melden sich, wenn die Bewohner lange untätig sind. Sie könnten gestürzt sein. Dann müssen sie den Alarm deaktivieren.

Studenten steuern Roboter durch Gera

Doch das System soll noch viel mehr für die Senioren tun. E-Rezepte, Arzttermine und jetzt neu - der Einkauf aus dem Supermarkt. Dafür muss "Robby" allerdings noch einiges lernen. "Wie groß muss der Abstand zu anderen Fußgängern sein? Brauchen wir eine Hupe, einen Blinker?" Projektleiter Frank Schrödel von der Hochschule Schmalkalden hat "Robby" mit seinen Studentinnen und Studenten entwickelt.

Zwei von ihnen sind für einen ersten Test mit nach Gera gekommen. Tarunkumar Parmar aus Indien studiert seit sechs Monaten in Schmalkalden. Er steuert "Robby" an diesem Tag durch Lusan. Der Roboter muss seine Strecke noch lernen, oft muss der Student noch korrigieren. Yekaterina Strigina aus Kasachstan unterstützt ihn dabei. Sie wird bald ihren Abschluss machen.

Zwei Studierende arbeiten an einem Lieferroboter.
Tarunkumar Parmar und Jekaterina Strigina von der Hochschule Schmalkalden haben den Roboter mit entwickelt. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

"Robby" macht es den beiden heute schwer, zwischendurch bleibt er einfach stehen. Nach dem Neustart geht es weiter. Dabei fährt der Roboter nicht nur über glatte Fußwege. Auch einige Holperstellen muss er überwinden - und das, ohne umzufallen.

Die TAG hat gemeinsam mit der Stadt Gera in den vergangenen Wochen einige Bordsteine tiefergelegt. Das freut auch Rollstuhlfahrer im Wohngebiet, die jetzt besser vorankommen. "Egal, ob sich das mit 'Robby' durchsetzen wird oder nicht: Für die Barrierefreiheit haben wir etwas getan", sagt TAG-Standortleiter Claudius Oleszak.

"Robby" braucht Sensoren, Kameras und Sonar

Damit "Robby" sicher in Lusan unterwegs ist, braucht er viel Technik unter der Haube. Am Anfang wird er in Begleitung unterwegs sein, später soll er seinen Weg allein finden. Dafür braucht er Sensoren, Kameras, ein Sonar und das Satellitennavigationssystem GPS. Ob die Fahrten unfallfrei bleiben werden, wird sich zeigen.

Und auch, ob sich nicht vielleicht ein Mitbürger einfach mit der Lebensmittel-Lieferung aus dem Staub macht. Denn wehren kann sich "Robby" nicht. Auch gegen fahrende Autos hat er keine Chance. TAG und Hochschule sind gespannt, welche Erkenntnisse sie aus dem Probebetrieb ziehen werden.

Für das Hochschulteam steht vor allem der Test der Technologie im Vordergrund. Denn nicht nur die TAG, auch für Online-Händler wie Amazon ist das Projekt interessant. "Robby" könnte so in Zukunft auch andere Pakete ausliefern.

Eine Frau hält ein Tablet in der Hand.
Isabel Sander von der Begegnungsstätte "Eichenhof" hilft den Senioren bei der Online-Bestellung der Lebensmittel im Supermarkt mit dem Tablet. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Lieferung nach Hause

Barbara Fischer vom Seniorenbeirat setzt große Hoffnungen in den Roboter. Sie hofft, dass viele Senioren den Service nutzen werden. Doch nicht für alle ist der Umgang mit der modernen Technik einfach. Deshalb bereitet sich Isabel Sander von der Begegnungsstätte "Eichenhof" darauf vor, vielen der Senioren die Bestellung der Lebensmittel auf dem Tablet zu erklären. "Robby" wird die Lieferungen am Anfang in die Begegnungsstätte bringen. Später soll er zu den Senioren nach Hause fahren.

Bis Anfang September wollen TAG und Hochschule noch die letzten Vorbereitungen treffen, damit der Roboter gefahrlos auf den Fußwegen unterwegs sein kann. Dann soll der Startschuss fallen. Wenn alles klappt, dürfte auch das neue Projekt der TAG für Aufmerksamkeit sorgen - nicht nur in Gera.

Ein Wohngebiet in Gera.
Das Wohngebiet Lusan ist der größte Stadtteil in Gera. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 10. August 2022 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

martin vor 8 Wochen

@ob: Man könnte ja auch einen bewaffneten Roboter als Eskorte mitschicken. Hauptsache er greift dann nicht den legitimen Empfänger an - das könnte der Akzeptanz dann schaden :-)

Aber etwas ernsthafter: Ich finde es richtig, dass auch in D an derartigen Dingen geforscht wird. Sonst kommt diese Technik aus anderen Ländern und D ist auf einem weiteren Gebiet abgehängt.

Der gesamte Bereich der Assistenz-Roboter wird mittel- bis langfristig ein riesengroßer Markt. Klar, können wir auch den Unternehmen aus dem asiatischen Raum überlassen. Japan entwickelt da schon seit einigen Jahren sehr intensiv.

O.B. vor 8 Wochen

Zukunftsweisend aber zu Zeiten wo Fahrräder von der Terrasse gestohlen werden und Wohnmobile aus der Hauseinfahrt verschwinden denke ich das diese Teil nur mit Escorte fahren kann. Das wiederum ist widersprüchlich denn dann könnte man den Einkauf auch gleich selber bringen. Nette Idee aber es gibt leider zu viele i... auf der Welt.

OOOO vor 8 Wochen

Meine Tante ist gehbehindert, die kann dem Roboter nichts abnehmen, ich finde das etwas utopisch übertrieben.

Mehr aus der Region Gera - Altenburg - Zwickau

Mehr aus Thüringen