Altstadt Selbstfahrendes Elektro-Shuttle "Emma" geht in Gera in Linienbetrieb

Der Name des Kleinbusses steht für elektrisch, mobil, markant, automatisiert. Nach einer Ende 2020 gelungenen Testphase in Gera-Lusan soll das vom Freistaat Thüringen geförderte Projekt "Emma" nun im Zentrum auf Herz und Nieren geprüft werden.

Der Kleinbus Emma in Gera
Der Kleinbus Emma in Gera Bildrechte: MDR/Uli Braumann

Nahezu geräuschlos und mit 15 km/h im Schnitt fährt der "Emma"-Shuttle auf seiner fahrplanmäßigen Route durch Gassen und Straßen von Geras Altstadt. Nur mit Strom fährt er ganz allein. Und ohne Lenkrad.

Testballon im Zentrum von Gera

"Nach dem erfolgreichen Test im Stadtteil Lusan ist der autonome Fahrbetrieb im Zentrum quasi ein weiterer Testballon." Das sagte Jürgen Müller MDR THÜRINGEN. Er ist Physik-Professor von der am Projekt beteiligten Dualen Hochschule Gera-Eisenach. "Montag bis Samstag ist Emma auf Tour", sagt er.

Der Kleinbus macht Halt an fünf Stationen. "Da kann man beispielsweise Leute durch die Stadt von Geschäft zu Geschäft fahren, die vielleicht nicht mehr so mobil sind", so Müller.

"Dann habe man natürlich die Möglichkeit, sozusagen am fahrenden Meter, die Altstadt näher kennenzulernen. Das ist für Touristen eine wichtige Botschaft. Und schließlich: Wir sehen, wie das automatisierte Fahren bei den Menschen ankommt."

Keine Gefahr für die Fahrgäste

Schon am ersten Tag hat der Shuttle-Bus Emma für Aufsehen gesorgt. Manche begegneten der neuen Technik mit Skepsis. Andere waren schier begeistert. Das ist das Fazit einer kleinen Umfrage von MDR THÜRINGEN.

Ein Mann steht mit einer Fernbedienung in einem Bus.
Axel Reinhard fährt stets mit und lenkt den Bus um Hindernisse herum. Bildrechte: MDR/Uli Braumann

In dem selbstständig fahrenden Kleinbus können jeweils sechs Personen Platz nehmen. "Doch keine Panik", sagt Axel Reinhard. Er ist ein geschulter Operator und fährt stets mit.

Er sagt: "Ein Ingenieur hat die virtuelle Schiene eingemessen, auf der das Fahrzeug entlang fährt. Bei unvorhergesehen Hindernissen greife ich ein und lenke das Fahrzeug drumherum." So könne der Fahrbetrieb ganz normal weitergeführt werden.

Meilenstein für Prädikat automes Fahren

"Der Emma-Shuttle ist ein Meilenstein für das Prädikat autonomes Fahren in Gera!" Das sagte dessen Oberbürgermeister Julian Vonarb (parteilos) MDR THÜRINGEN. "Es ist ein großer Wurf in Sachen Image für Thüringens drittgrößte Stadt."

Der Kleinbus Emma in Gera
Mit den E-Shuttles sollen etwa Menschen mit Handicap besser am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Bildrechte: MDR/Uli Braumann

Damit sei man Vorreiter vor anderen Kommunen, so der Rathauschef. "Wer jetzt nicht mit dem Zeitgeist fährt und nicht bei der neuen E-Technik die Trommel rührt, der wird später dann einfach mal zweiter Sieger sein", sagt Vonarb.

Zukunft des autonomen Fahrens im Blick

"Mit dem jetzigen Projekt haben wir ein ganzes Stück Zukunft im Blick." Das sagte der Projektleiter in Geras Verkehrsbetrieben (GVB), Ralf Roscher. Denn mit dem Auslaufen der Innenstadtfahrten im Oktober dieses Jahres solle das autonome Fahren weiterentwickelt werden.

Ein Busfahrplan
Der neue Fahrplan für Emma Bildrechte: MDR/Uli Braumann

Er sagt: Mit den E-Shuttle könnten in naher Zukunft zum Beispiel Menschen mit Handicap in ungünstig gelegenen Quartieren oder Straßen besser am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11. August 2021 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

emlo vor 9 Wochen

Auf der Autobahn zwischen aufgemalten Linien den Abstand zum Vordermann einzuhalten und dabei in der Spur zu bleiben ist aber auch nicht soooo schwer. Da ist ein Kurs durch eine Fußgängerzone schon schwieriger. Die ach so tollen Assistenzsysteme kommen doch schon in Schwierigkeiten, wenn in einer Baustelle plötzlich gelbe Linien zusätzlich zu den weißen auftauchen. Tja, welche sind dann die richtigen? Bis zum vollständig autonomen Fahren ist es schon noch ein Stückchen hin. Das ist eine überaus komplexe Angelegenheit.

emlo vor 9 Wochen

Meine Herrschaften, es ist eine Versuchsstrecke, die aber mitten durch die Fußgängerzone führt. Da kann man nicht mit ICE-Geschwindigkeit "durchbrettern". Der Sinn eines solchen Vehikels ist aber auch gar nicht die Straßenbahn zu ersetzen, sondern kleine Wohngebiete und Altstädte zu erschließen, wo kein normaler Bus durch kommt und auch nicht rentabel wäre. Genau dort sind autonome kleine Fahrzeuge richtig. Dass es noch ein Stück Entwicklungsarbeit ist, bis das Ganze serienreif ist, steht doch gar nicht zur Debatte. Aber ohne Praxiserfahrung gibt es auch keine Weiterentwicklung.

Harka2 vor 9 Wochen

Hat sie nicht. Schau dir mal an, was die Assistenzsysteme bei den deutschen Autobauern heute schon leisten. Dagegen ist das hier in Gera nur ein Witz. Für ein mal um den Block mit der Geschwindigkeit eines rüstigen Renters verfalle ich nicht ins jubeln.

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