Stadtentwicklung Wie weit ist Gera auf dem Weg zur Smart City?

19. Januar 2023, 16:04 Uhr

Videos für das Workout im Park direkt aufs Handy - vernetzte Sensoren für die Feinstaubbelastung: Mit solchen Ideen ist Gera seit 2019 Smart City-Modellstadt. Aber nicht alles läuft nach Plan hin zu einer vernetzten und effizienteren Stadt.

In der Orangerie in Gera hängen Franziska Pucher und Claudia Schönjahn gerade die letzten Bilder für die neue Sonderschau auf. Leihgaben aus einer Privatsammlung, die natürlich keinen Schaden nehmen dürfen. Deshalb müssen die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit in den Räumen möglichst konstant sein. Bisher wurden die beiden Klimawerte von Messgeräten überwacht, die eigentlich selbst schon museumsreif waren. Die Mitarbeiterinnen mussten regelmäßig die Papierrollen wechseln und die Geräte wöchentlich per Hand aufziehen.

Temperatur endlich digital gemessen

Nun gibt es in den Geraer Museen eine neue, smarte Lösung. "Wir haben jetzt Sensoren, die das Klima in den Ausstellungsräumen und in den Depots aufzeichnen und wir können die Daten auch noch lange danach abrufen", sagt Franziska Pucher. Mindestens zwei Stunden pro Woche sparen die Mitarbeiter mit dem neuen System. Außerdem jede Menge Papier.

Die Messstellen in den Museen sind Teil des Sensorik-Projektes der Stadt Gera. Im Rahmen der smarten Stadtentwicklung bauten Mitarbeiter der Stadtverwaltung, aber auch der Verein Bürgernetz Gera-Greiz überall in der Stadt Messpunkte. Sie werden durch ein energiesparendes Netzwerk verbunden. Darüber melden die Sensoren ihre Daten an ein sogenanntes Cockpit.

Datenportal für alle zugänglich

Nicht nur die Mitarbeiter der Stadt können darauf zugreifen. Die meisten Daten sind für alle im Internet sichtbar. Unter www.cockpit.gera.de können die Bürger zum Beispiel sehen, wie voll es gerade im Hofwiesenbad ist. Auch die Pegelstände an der Weißen Elster oder die Feinstaubkonzentration in der Stadt sind so jederzeit öffentlich.

Wir dürfen keine Dinge etablieren, die nur einen Gera-Bezug haben.

Rico Trost Projektleiter Smart City

Nicht bei allen Smart City-Projekten sind die Geraer so erfolgreich unterwegs. Von ursprünglich 13 angemeldeten Projekten wurden erst drei endgültig vom Fördermittelgeber bestätigt. Einige wurden sogar komplett abgelehnt. Ärgerlich für die Mitarbeiter, aber für die Fördermittel in Höhe von 7,5 Millionen Euro gelten laut Projektleiter Rico Trost eben hohe Hürden: "Wir dürfen keine Dinge etablieren, die nur einen Gera-Bezug haben. Alle Projekte müssen auch auf andere Kommunen übertragbar sein."

Gera muss nachbessern

Deshalb überarbeiteten die Planer einige Projekte, die nun möglicherweise verspätet grünes Licht bekommen. Wie Gera zur smarten Stadt werden soll und welchen Nutzen die Bürger haben: darüber informierten die Verantwortlichen im letzten Jahr bei Smart City-Stadtrundgängen. In diesem Jahr soll es weitere Rundgänge geben.

Dann können die Teilnehmer auch die erst kurz vor Jahresende fertiggestellte Fitness-Anlage im Hofwiesenpark besuchen. Hier können Sportbegeisterte an verschiedenen Geräten trainieren. QR-Codes an den Elementen führen zu Videos mit den Trainingsanleitungen.

Intelligente LED-Leuchten begleiten Radler

Hinter dem Südbahnhof sind die Zeiten vorüber, als Nutzer des Radweges im Dunkeln unterwegs waren. Intelligente LED-Leuchten sorgen jetzt für Licht. Die einzelnen Lampen werden mit Sonnenenergie versorgt, außerdem "begleitet" das Licht die Radfahrer auf ihrem Weg. Die Lampen schalten sich nacheinander zu und wieder ab.

Als eines der ersten Projekte wurden in der Stadt smarte Sitzbänke installiert. Sie bieten induktive Lademöglichkeiten für Handys, einige sind sogar mit kleinen Reparatursets für Fahrräder ausgestattet. Leider fielen die ersten der Bänke bereits nach kurzer Zeit dem Vandalismus zum Opfer.

Spezielle Routen für Altglas-Entsorgung erhofft

Große Hoffnungen setzt die Stadt in ein Projekt des Abfallwirtschaftszweckverbandes. Der hat einige der Altglas-Container in der Stadt mit Sensoren ausgestattet. Diese melden den Füllstand an das Cockpit. Danach plant der Zweckverband die Touren für die Fahrzeuge. In Zukunft sollen alle 240 Standorte in Gera mit dem System funktionieren.

Über die Container werden jedes Jahr 2.500 Tonnen Altglas abtransportiert. Der Entsorger hofft, die Container nicht nur bedarfsgerechter zu entleeren, sondern durch die bessere Tourenplanung auch Zeit und Sprit zu sparen. Eine spezielle Software soll das in Zukunft automatisch erledigen.

Smart City wird also langsam im Stadtgebiet von Gera sichtbar. Trotzdem hoffen die Planer, dass noch das eine oder andere bisher auf Eis liegende Projekt bewilligt wird.

MDR (cfr,dst)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. Januar 2023 | 19:00 Uhr

9 Kommentare

Shantuma am 19.01.2023

Sinnlos?

Ich finde einen erhellten Weg durchaus sinnvoll für die Entscheidung ob ich diesen Weg nehme, oder nicht.

Wenn der Weg schon dunkel ist und ich nicht weiß, dass dieser "smart" ist, dann entscheide ich mich wohl gegen den Weg.

Shantuma am 19.01.2023

Und was ist an einem Smartphone smart?
Wie kann ich dann ein Phone mit einer City vergleichen?

Man kann einen Begriff mit fast dem selben Begriff erklären.

Ein Smartphone macht kein Licht von alleine an.
Es beinhaltet aber viele Möglichkeiten für die man früher mehrere Geräte benötigte.
Was daran smart ist ... keine Ahnung.
Man könnte es ebenso Utility-Phone nennen. Kommt aber schwerer über die Lippen.

AlexLeipzig am 19.01.2023

Die Projekte mit der Radwegebeleuchtung oder die Altglas-Routenplanung sind sicher keine schlechten Ideen, die Parkbänke- naja. Mir fiele noch eine smarte Ampelsteuerung ein, die sich dem Verkehrsfluss anpasst und den Verkehr effektiver und umweltfreundlicher steuert, indem beispielsweise rote Wellen oder sinnlose Ampelhalte in verkehrsarmen Zeiten vermieden werden. Das wäre auch ein Projekt für andere Städte.

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