Speziallager Nr. 2 Trauer um Zeitzeugen Rolf Staudte aus Gera

Er war einer der ersten Häftlinge des sowjetischen Speziallagers in Buchenwald. Zwei Jahre später wurde Rolf Staudte in die Sowjetunion gebracht. Zurück in Gera wurde Staudte Einzelhandelskaufmann und später Lehrer. Er setzte sich gegen eine NS-Verharmlosung ein und wurde Vorsitzender des Beirates für ehemalige Insassen des sowjetischen Speziallagers. Jetzt starb er mit 95 Jahren. Nach seinem Tod trauert Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora.


. Nun starb er mit 95 Jahren

Schwarz-weiß Bild von Rolf Staudte, Vorsitzender Häftlingsbeirat Speziallager Nr. 2 Buchenwald
Noch auf der Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an das sowjetische Speziallager Nr. 2 im September 2020 sprach Rolf Staudte sich prägnant für die Fortführung der historischen Aufarbeitung und gegen rechtsextreme Angriffe auf die Menschenrechte und die Demokratie aus. Bildrechte: Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora trauert um Rolf Staudte. Staudte war Vorsitzender des Beirates ehemaliger Insassen des sowjetischen Speziallagers. Nach Angaben der Stiftung starb er bereits am 29. Juni im Alter von 95 Jahren. Staudte habe sich viele Jahre lang intensiv für die historische Aufklärung und gegen NS-Verharmlosung eingesetzt, so die Stiftung.

Als vermeintlicher "Werwolf" verhaftet

Im August 1945 verhafteten ihn ein sowjetischer Offizier und ein deutscher Polizist in Gera. Während der Verhöre wurde er als vermeintlicher "Werwolf" beschuldigt. Als einer der ersten Häftlinge des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 kam Rolf Staudte am 17. September 1945 in Buchenwald an.

1947 wurde er in die Sowjetunion nach Karaganda (heute Kasachstan) verbracht, wo er als Maurer arbeitete. Nach einem Arbeitsunfall kam er ins Lazarett und wurde am 2. August 1948 mit dem ersten Rücktransport nach Frankfurt/Oder entlassen. Zurück in Gera machte Rolf Staudte eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann, war bei der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft Wismut tätig und wurde später Lehrer für Sport und Kunst.

In seinem Ruhestand engagierte er sich für die Aufarbeitung der Geschichte des sowjetischen Speziallagers. Als Vorsitzender des Häftlingsbeirates Speziallager begleitete und unterstützte er die Arbeit der Gedenkstätte Buchenwald. Vielen Thüringer Schülerinnen und Schülern ist er als Zeitzeuge in lebhafter Erinnerung.

Das Speziallager Nr. 2

Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald war das Lager ab 1945 von den sowjetischen Besatzern weitergeführt worden. Dort wurden nicht nur Nazi-Täter inhaftiert, auch Unschuldige fielen der Willkür der Sowjets zum Opfer. Allein im Winter 1946/47 verhungerten mehr als 7.000 der 28.000 Insassen. 1950 wurde das Lager endgültig aufgelöst.

MDR (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 11. Juli 2022 | 19:00 Uhr

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