Vor-Ort-Termin Verhandlung um Jagdunfall wird auf dem Feld fortgesetzt

Im Geraer Prozess um einen Jagdunfall ist am Nachmittag auf einem Feld verhandelt worden. Die Verteidigung hatte den Vor-Ort-Termin bei Großsaara im Landkreis Greiz beantragt. Dem 34-Jährigen Jäger wird vorgeworfen, bei einer sogenannten Erntejagd vor drei Jahren ein damals sechsjähriges Mädchen angeschossen und lebensgefährlich verletzt zu haben.

ein Feld hinter einer Straße, im Hintergrund eine Gartenanlage
Den Vor-Ort-Termin in Großsaara hatte die Verteidigung beantragt. Bildrechte: MDR/Veronika Lewandrowski

Gut drei Jahre ist es jetzt her, dass ein kleines Mädchen in einer Gartenanlage bei Gera angeschossen wurde - während einer Erntejagd in einem angrenzenden Rapsfeld. Der Prozess hatte letzten Monat begonnen - heute gab es einen weiteren Verhandlungstermin - und der wurde direkt ins Feld verlegt.

Der Verteidiger des heute 34 Jahre alten Angeklagten hatte den Vor-Ort-Termin beantragt. Er bezweifelt, dass der Jäger die hunderte Meter entfernte Gartenanlage mit einem Schuss überhaupt hätte treffen können. Der Richter hatte dem Antrag stattgegeben.

Zeugen und Eltern werden vor Ort befragt

Zunächst sollte der anwesende Zeuge von seinem damaligen Standpunkt aus - einem Hochsitz - benennen, wo er den angeklagten Jäger gesehen hatte. Die Eltern des Opfers deuteten die Richtung an, in der ihr damaliger Garten lag, wo ihre Tochter lebensgefährlich angeschossen wurde. Alle diese Daten und Messungen nahm der zuständige Sachverständige auf und gleicht nun die neuen Daten mit denen in seinem bisherigen Gutachten ab.

Ballistisches Gutachten führte zur Waffe des Angeklagten

Die Waffen der sieben Jäger waren damals beschlagnahmt und untersucht worden. Dem ballistischen Gutachten zufolge stammte das Geschoss, das im Garten der Familie gefunden worden war, aus der Waffe des 34-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Körperverletzung vor.

Mädchen leidet bis heute unter Folgen des Jagdunfalls

Zum Prozessauftakt hatte der Vater des verletzten Mädchens dem Gericht die Folgen des Jagdunfalls geschildert. Demnach hat das Kind die Pflegestufe 3, kann nur schlecht laufen und benötigt einen Schulbegleiter im Unterrichtsalltag. Nach den Operationen habe das Mädchen zeitweise im Rollstuhl gesessen. Seine Tochter leide immer noch unter ständigen Schmerzen, schildert der Vater die Situation. Außerdem werde sie von einem Physiotherapeuten und einem Psychiater betreut.

Der Prozess wird am 15. November fortgesetzt, dann wird der Sachverständige das Gutachten vorstellen, in dem die Ergebnisse des Vor-Ort-Termins verarbeitet sind. Das Urteil wird noch im November erwartet.

Quelle: MDR Thüringen/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. Oktober 2021 | 18:00 Uhr

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