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ZeulenrodaJahrelanger Kampf um barrierefreie Ampeln

von Andreas Dreißel, MDR Thüringen

Stand: 26. Januar 2022, 18:39 Uhr

Menschen mit Behinderung sollen im Alltag auf möglichst wenig Barrieren stoßen. An Ampelkreuzungen können da akustische Signale helfen - wenn es sie gibt. In Zeulenroda kämpft Astrid Friedrich-Hommel seit Jahren für barrierefreie Kreuzungen. Mit ersten Erfolgen.

Astrid Friedrich-Hommel hat Besuch. Die blinde Frau aus Zeulenroda hat Ines Balke aus dem benachbarten Auma eingeladen. Auch wenn das mit dem Bus nur eine kurze Strecke ist - für Ines Balke ist es eine kleine Weltreise. Ihre Sehfähigkeit beträgt nur zwei Prozent. Die beiden Frauen sind Mitgliederinnen im Blinden- und Sehbehindertenverband, Astrid Friedrich-Hommel ist erst seit Januar dabei. Sie kämpft seit Jahren für mehr Barrierefreiheit in Zeulenroda. Vor allem die blindengerechte Ausstattung der Ampeln im Stadtgebiet liegt ihr am Herzen.

Ich wohne hier am Stadtrand und habe jedes Mal einen langen Weg in die Stadt. Und die Bundesstraße ist sehr befahren.

Astrid Friedrich-Hommel

Sechs Ampeln muss sie überqueren auf dem Weg bis ins Zentrum. Schon bei der ersten wird klar: Ein Überqueren ohne Hilfe ist für Blinde lebensgefährlich. Über den Abzweig von der B94 rollen Tag für Tag tausende Autos. Deshalb fordert Astrid Friedrich-Hommel, dass alle Ampeln in Zeulenroda mit akustischen Signalen ausgerüstet werden. Heute wollen die beiden Frauen testen, ob sich endlich etwas getan hat.

Idealzustand - aber nicht der Standard Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

An der ersten Ampel stellen sie fest: Hier kommen Blinde gut über die Straße. Ein Druck auf den Knopf, dann ertönt das charakteristische Piepen, Zeichen dafür, dass die Fußgänger "Grün" haben. Doch wie sieht es bei den anderen Ampeln aus?

Ampelumrüstung nach Priorität

Nicht alle Ampeln in Zeulenroda haben den gleichen Eigentümer. Fünf von ihnen gehören dem Land Thüringen, nur eine der Stadt Zeulenroda. Im vergangenen Jahr fand zwischen dem Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr und der Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt des Landkreises Greiz eine Begehung der Zeulenrodaer Ampeln statt. Das Ergebnis: Nur drei sollten blindengerecht ausgerüstet werden. Die werden am häufigsten genutzt, so das Landesamt. Bei zwei Ampeln bleibt alles beim Alten.

Auch städtische Ampel nicht umgerüstet

Nils Hammerschmidt, Bürgermeister von Zeulenroda-Triebes Bildrechte: MDR/ Andreas Dreißel

Wir haben im Moment nicht die finanziellen Mittel, da wir in der Haushaltssicherung sind. Wir müssen Prioritäten setzen.

Nils Hammerschmidt (parteilos), Bürgermeister Zeulenroda-Triebes

Bisher sind also 50 Prozent der Ampeln in Zeulenroda barrierefrei. Doch viele der über 1.000 Ampeln in Thüringen warten bis heute auf eine Umrüstung. Und nicht einmal jede neue Ampel wird barrierefrei gebaut. Der Freistaat allein betreibt etwa 600 Ampeln. Davon sind nur 230 für Menschen mit Sehbehinderung geeignet, heißt es aus dem Infrastrukturministerium.

Beim Blinden- und Sehbehindertenverband in Thüringen stößt das auf Unverständnis. "In anderen Ländern ist es ganz selbstverständlich, Ampeln barrierefrei zu bauen. In Deutschland werden wir regelmäßig vertröstet," sagt Vorstand Joachim Leibinger.

Doch auch immer mehr ältere Menschen verlieren mit der Zeit ihre Sehkraft. Auch für sie sind barrierefreie Ampeln wichtig. Astrid Friedrich-Hommel und Ines Balke werden deshalb weiterkämpfen.

Quelle: MDR(csr)

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 26. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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