Corona-Pandemie 10.000 Tests im Kreis Greiz - Landrätin zieht Bilanz

"Wer viel testet, findet auch viel!" Mit diesen Worten hatte die Greizer Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) begründet, warum die Inzidenzzahl in ihrem Landkreis so immens hoch war: Zeitweise bei 594. Stand Donnerstagabend liegt sie - laut RKI bei 334. Also alles richtig gemacht?

Menschen stehen in einer Schlange vor einem Corona-Testbus
Menschen stehen vor einem Testbus in Bad Köstritz (Landkreis Greiz) Schlange. Bildrechte: MDR/ Kathleen Bernhardt

Ja, sagt die Landrätin beim Vor-Ort-Testtermin in Bad Köstritz. Der Landkreis Greiz hatte als einer der ersten auch intensiv Kinder und Jugendliche getestet und so vorerst die Zahlen in die Höhe getrieben. "Unsere Strategie war richtig. Wir testen Menschen ohne Symptome. So können wir genau die finden, die sonst durch das Raster gefallen wären und andere weiter angesteckt hätten."

Menschen vor einem Corona-Testbus 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 16.03.2021 19:00Uhr 02:10 min

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Wie zum Beweis der Worte Schweinsburgs schließen sich die Türen des Testbusses. Das passiert immer dann, wenn ein Schnelltest positiv ausfällt. Eine Nachfrage beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) ergibt: Es ist der vierte positive Test heute. Eine ganze Familie ist erkrankt. Auch die beiden kleinen Kinder, die äußerlich scheinbar völlig gesund und zufrieden in der Sonne spielen. Jetzt müssen sie in Quarantäne. Frühestens am nächsten Tag wird das Ergebnis ihres PCR-Tests vorliegen.

84 Schnelltests - vier Bad Köstritzer sind positiv

Zwei Stunden steht der Testbus des DRK-Kreisverbandes Greiz in Bad Köstritz. 84-mal heißt es heute: Zettel ausfüllen, Stäbchen in die Nase, warten. 80 zufriedene Gesichter. So wie bei Familie Voigt. Vater Oliver hat seinen beiden Töchtern mit zum Testbus gebracht: "Weil wir unseren Opa schützen wollen, der bei uns lebt." Das können sie auch weiter, ihre Tests sind negativ.

Es ist der richtige und vernünftige Weg!

Martina Schweinsburg (CDU), Landrätin im Landkreis Greiz

Schon zum mittlerweile sechsten Mal hat der Bus in der Kleinstadt Halt gemacht. Am 15. März 2021 haben die mobilen Tests begonnen mit 83 Bus-Stopps in 22 Orten. Vor allem in den kleinen Dörfern, wo keine Ärzte oder Apotheken sind. "Die Begeisterung der Menschen ist überwältigend. Manche bringen uns Kaffee und Kekse, sind froh, dass wir das Testangebot sozusagen vor der Haustür bieten", sagt Dr. Ulli Schäfer vom DRK-Kreisverband Landkreis Greiz.

Viele Ehrenamtliche testen

Pro Bus hat das DRK vier Mitarbeiter an Bord. Darunter viele Ehrenamtliche, ehemalige Krankenschwestern wie Angelika Ortlepp. Sie ist froh, auch im Rentenalter helfen zu können. Auch wenn sie den eher unangenehmen Teil übernimmt, nämlich das Teststäbchen in die Nase zu stecken. Angelika Ortlepp lacht: "Ach, das bin ich gewohnt. Wenn ich als Krankenschwester mit der Spritze kam, hat sich auch keiner gefreut!" Dann packt sie die Desinfektionstücher aus. Der Testbus muss weiter. In Kraftsdorf warten die nächsten.

Eine Mitarbeiterin des DRK bereitet in Schutzkleidung Tests vor
Eine Mitarbeiterin des DRK bereitet in einem Testbus Schnelltests vor. Bildrechte: MDR/ Kathleen Bernhardt

Sparkasse Gera-Greiz entlastet Landkreis-Haushalt

Dass der Bus überhaupt unterwegs ist, ist der guten Vernetzung im Landkreis zu verdanken. "Am Donnerstag, dem 11. März, war klar: Wir müssen und wir wollen testen. Also habe ich das DRK, die Sparkasse Gera-Greiz und das Busunternehmen RVG an einen Tisch geholt. Am Montag haben die Busse in Auma für die ersten Tests Halt gemacht", erzählt Landrätin Schweinsburg stolz. Die Sparkasse Gera-Greiz hatte die Busse damals mit 15.000 Euro finanziert. Auch diesmal ist Sparkassenchef Dr. Hendrik Ziegenbein vor Ort in Bad Köstritz, mit einem weiteren symbolischen Scheck. Der sichert für zwei weitere Wochen den Betrieb der Testbusse ab.

10.000 Bus-Tests im Kreis Greiz

"Wir müssen sehen, wie es sich entwickelt. Ob wir dann nur noch einen Bus brauchen - oder doch sogar mehr", sagt Martina Schweinsburg. Die Finanzierung hätte der Landkreis auch allein stemmen können. "Dafür aber hätte ich schweren Herzens Gelder nehmen müssen, die Vereinen und Verbänden vorbehalten sind." Dahlienzüchter Dirk Panzer ist an diesem Tag einer der letzten Testkandidaten. Dafür ein besonderer: Er ist der 10.000. Landkreisbewohner, der auf das Coronavirus getestet wird. 400 davon waren positiv. Dirk Panzer nicht: "Das find ich mal positiv, dass ich negativ bin", freut er sich.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 22. April 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

part vor 2 Wochen

Wer Roulette spielt und nur auf Noir oder Rouge setzt, hat die Möglichkeit zu gewinnen oder bei offiziellen Test als vermeintlicher Pestkranker per Überwachung durch Bundeswehrhelfer die nächsten Tage zu Haus zu verbringen, ohne Hilfe auf irgendwas. Wo ist die Liste der Medikamente, die gegen Corona- Viren eingesetzt werden außer Placebos, wo es doch so viele Naturmedizin gibt, die anwendet werden könnte aber nicht ins Geschäftsmodell passt der Lobbyisten?

Mr. Nobody vor 2 Wochen

Die Wortwahl in dem Artikel ist fehlerhaft, ein positiver Schnelltest bedeutet nicht, dass der Betroffene infiziert oder gar erkrankt ist, wie der Familie mit den beiden kleinen Kindern unterstellt wird. Zudem fehlt mir in dem Artikel eine konkrete Zahl zu den Testergebnissen – zumindest die Zahl der echt und der falsch Positiven sollte ja bekannt sein. Im Deutschen Ärzteblatt wurde kürzlich (Heft 14 vom 9.4.21) das Ergebnis einer Studie unter Lehrern in Hessen veröffentlicht, dabei gab es bei 11.000 Schnelltests (also einer ähnlichen Zahl wie im Landkreis Greiz) 5 echt positive, 16 falsch positive und 4 falsch negative Fälle. Zudem waren alle 5 echt positiven Fälle symptomatisch, es wurde also kein einziger asymptomatischer Fall gefunden. Da frage ich mich dann schon, ob diese Schnelltests nicht einfach nur Geldverschwendung sind.

Gogolino vor 2 Wochen

Geht doch Frau Schweinsburg. Auch die Ausgangsbeschränkung werden wir noch überleben - wenn es nicht schadet hilft es vielleicht.

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