CO2-Ampeln Infektionsort Schule - Mit Millionen gegen die Corona-Ansteckungsgefahr

820 CO2-Ampeln lässt der Landkreis Greiz in den Herbstferien in den Schulen installieren. Sie zeigen an, wann der Anteil an Kohlendioxid in der Luft zu hoch ist - also es Zeit ist, zu lüften.

Zwei Menschen stehen in einem Klassenraum.
Klein und unkompliziert sind die in Greiz bevorzugten Raumfühler, die mit Licht- und Pieps-Signal zu hohe CO2-Belastungen anzeigen. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Matthias Franke spricht aus, was bei Kälte, Wind und Nässe draußen ganz normal ist: "Im Herbst und im Winter lässt man die Fenster ja doch lieber zu." Aber es gibt Technik, damit niemand den kritischen Zeitpunkt verpasst, an dem das Lüften unerlässlich wird. Solche Geräte baut Hausmeister Franke gerade in Klassenzimmern und Horträumen der Goethe-Grundschule in Greiz ein.

Die Ruhe auf den Fluren im Schulhaus in der Marienstraße in Greiz ist trügerisch. Wie immer, wenn die Kinder weg sind, haben die Hausmeister alle Hände voll zu tun. In diesen Herbstferien noch mehr als sonst: Neben den ganz normalen Reparaturen sind diesmal Dutzende Sensoren zu installieren. "Raumfühler" heißen sie laut Bedienungs- und Montageanleitung. Corona-Ampel werden die Geräte umgangssprachlich genannt.

Eine CO2-Ampel in einem Klassenzimmer. 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 29.10.2021 19:00Uhr 02:05 min

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Ampeln gegen dicke Luft

Hausmeister Matthias Franke hält so ein Teil in seinen Händen, zeigt es Christiane Kroll. Die Hortleiterin der Goethe-Grundschule musste bisher nach einem vorgegebenen Rhythmus immer die Fenster aufreißen. Und das Stoßlüften dann auch noch in Nachweislisten aufschreiben. Damit soll jetzt Schluss sein. Gelüftet wird nur - aber dann auf jeden Fall - wenn der Raumfühler es fordert. Mit einem sicht- und hörbarem Signal.

Nein, die kleinen Kästchen an der Wand können keine Corona-Viren erkennen. "Die Ampel erkennt den CO2-Gehalt in der Raumluft", erklärt der Hausmeister. Heißt, festgestellt wird ein zu hoher Anteil an Kohlendioxid. Also gewissermaßen die "dicke Luft", in der sich Viren wohlfühlen und besonders schnell verbreiten könnten. Und dagegen hilft es, genau dann zu lüften - bis die Ampel wieder auf grün schaltet.

820 solcher Ampeln lässt der Landkreis Greiz in den Herbstferien installieren. 65.000 Euro kosten die Geräte. "Wir statten damit alle Grund- und Regelschulen aus, alle Gymnasien, Förderzentren und Berufsschulen", sagt Martina Schweinsburg. Die CDU-Landrätin ist dafür bekannt, dass sie Vorgaben aus den Ministerien in Erfurt oft kritisiert. Diesmal lobt sie: "Die Anschaffung der Geräte wird zu 100 Prozent vom Land gefördert."

Installation eines CO2-Warners in einem Klassenraum.
Hausmeister Franke und Hortleiterin Kroll installieren eine CO2-Ampel in der Goethe-Grundschule in Greiz. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Land fördert "pandemiebedingte Ausstattung von Schulen"

Insgesamt hat Thüringen rund 4,5 Millionen Euro bereitgestellt, um die Schulen im Land für die Pandemiesituation besser auszustatten. Auch die Anschaffung von Luftfiltern war da möglich. Aber das nutzen die Schulträger meist nur für Gebäude, in denen das Lüften aus baulichen Gründen schwierig oder nicht möglich ist - zum Beispiel, wenn Fenster nur zu einem Atrium hin zu öffnen wären.

Nicht nur in Greiz sind die Verantwortlichen froh, dass das Förderprogramm viel Spielraum bot. So konnten die Schulträger nach ihrem Bedarf entscheiden, was sie brauchen. Und wann sie es umsetzen. Das ermöglichte auch, verschiedene Systeme erst einmal zu testen. Das Landratsamt in Greiz entschied sich nach so einer Erprobung am Ulf-Merbold-Gymnasium für die dort ausprobierte Ampel-Variante: Die braucht nur den Anschluss an eine ganz normale Steckdose. Und sie liefert per LED und Pieps-Ton nur ein Signal, wenn die CO2-Konzentration im Raum zu hoch wird. "Das ist unkompliziert, die einfachste Lösung, bei der das Preis-Leistungsverhältnis stimmt", sagt Landrätin Schweinsburg.

Blick in einen leeren Klassenraum.
Die Fenster in Klassen- und Hortzimmern müssen im Winter nur nach Ampelsignal aufgerissen werden. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Schulträger wählen verschiedene Ampel-Varianten

Im benachbarten Landkreis hat man sich anders entschieden: Der Saale-Orla-Kreis wollte mit den Raumfühlern mehr erfassen, zum Beispiel die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit. Dr. Jens Heynisch vom Landratsamt in Schleiz macht klar: "Als staatlicher Schulträger und Gebäudeverantwortlicher ist es für uns immer ein Thema, die Heizung optimal zu betreiben. Wir wollten, dass uns auch dabei die Ampeln helfen."

Schon zu Beginn des laufenden Schuljahres wurden 217 geeignete Geräte in den Grundschulen des Saale-Orla-Kreises installiert. Seitdem werden alle Messwerte elektronisch erfasst und jeweils 14 Tage lang gespeichert. Eine Software ermöglicht Luftqualität, Lüftungsvorgänge, aber auch Temperatur-Schwankungen zu dokumentieren und auszuwerten. Allerdings ist das im Saale-Orla-Kreis genutzte Ampelsystem etwas teurer als das Greizer. "Wir haben bei unserer Entscheidung aber nicht nur die Pandemiezeit gesehen", sagt Jens Heynisch.

In Greiz hat Hausmeister Franke inzwischen die nächste CO2-Ampel installiert. Noch hat er gut zu tun. Aber er werde pünktlich fertig, meint er. "Bevor die Schule wieder losgeht", sagt Franke. Und geht mit dem nächsten Gerät ins nächste Klassenzimmer.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 19.10.2021 19:00Uhr 01:54 min

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 29. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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