Medizinische Versorgung Fusion der Krankenhäuser Ronneburg und Greiz geplant

Wenn es um die Zukunft von Krankenhäusern geht, dann kochen die Emotionen hoch. So ist es derzeit in Ronneburg. Dort wird seit Jahren erfolgreich eine geriatrische Fachklinik betrieben. Also ein Haus, dass sich auf die Versorgung von hochbetagten Menschen spezialisiert hat. Nun soll Ronneburg mit dem Krankenhaus in Greiz fusionieren.

Ein Klinik-Gebäude
In Ronneburg wird seit Jahren erfolgreich eine geriatrische Fachklinik betrieben, auch in Greiz soll demnächst eine solche Station eröffnet werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zu dritt sitzen sie vor den Journalisten und berichten, worüber der Kreistag in Greiz nächste Woche beschließen soll: Die Fusion der Krankenhäuser Ronneburg und Greiz. Beide Kliniken gehören dem Landkreis Greiz. Aufsichtsratsvorsitzende ist Landrätin Martina Schweinsburg (CDU). Gemeinsam mit den Geschäftsführern Ralf Delker (Greiz) und Clemens Schmitz (Ronneburg) will sie die Wogen glätten, die seit Wochen in den sozialen Medien hochschlagen.

Geriatrie in Greiz öffnet

Im Krankenhaus Greiz wird demnächst eine geriatrische Station mit 23 Betten eröffnet. Das könnte der Anfang vom Ende für den Standort Ronneburg sein, fürchten die Mitarbeiter. Vorab haben sie sich vertraulich an MDR THÜRINGEN gewandt. Öffentlich durfte sich niemand äußern, auch nicht die Ärzte. Diese Sorge sei Unsinn, sagte die Landrätin. Richtig sei, dass mit der geriatrischen Station in Greiz ein wohnortnahes Angebot für die Senioren im südlichen Landkreis geschaffen werde. Die würden sonst ins benachbarte Sachsen nach Plauen oder Rodewisch fahren. Mit der geriatrischen Station in Greiz aber könnten die Patienten über das Krankenhaus Ronneburg abgerechnet werden.

Das sehen die Mitarbeiter in Ronneburg skeptisch. Sie fürchten, dass ihre geriatrische Fachklinik Stück für Stück komplett nach Greiz wandert. Das sei auf keinen Fall geplant, sagt die Landrätin: "Das Krankenhaus in Ronneburg bleibt ein Krankenhaus - eine geriatrische Fachklinik. Wir werden die Arbeitsverträge nicht anfassen und der Arbeitsplatz wird Ronneburg bleiben."

Ronneburger Mitarbeiter skeptisch

Die Fusion würde auch Einsparungen in der Verwaltung, IT oder beim gemeinsamen Einkauf bringen. Zudem könnte Fachkompetenz gebündelt werden. Outsourcing nennen das die Ronneburger Mitarbeiter skeptisch. Und zwar auch für Physiotherapeuten, die gerade in der Geriatrie ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sind. Ausgelagert zu werden – das fürchten auch die Mitarbeiter im Röntgen, im Labor, in der Küche, die noch selbst kocht, und beim technischen Service. "Was auf dem Papier schön gerechnet wird, klappt im wahren Leben nicht immer," so die Mitarbeiter. Die Vermutung steht im Raum: Ronneburg soll die Greizer Klinik retten.

Die Fusion besteht nicht daraus, Krankenhäuser zuzumachen oder Arbeitsplätze wegzuschaffen. Im Gegenteil. Die Fusion hat das Ziel, beide Standorte in Ronneburg und in Greiz zu sichern.

Martina Schweinsburg, Landrätin von Greiz

Immerhin - Greiz war finanziell angeschlagen. Der als "Kliniksanierer" bekannte Ralf Delker wurde als Geschäftsführer bestellt. Er hatte vor zwei Jahren bereits die Umstrukturierung und dann den Verkauf des Schleizer Krankenhauses federführend begleitet. Das "Schleizer Gespenst" schwebt natürlich in den Gesprächen mit, die die Ronneburger Mitarbeiter führen. "Wir sollen mit unseren schwarzen Zahlen Greiz finanzieren" - so der Vorwurf. "Unsinn", sagt Landrätin Schweinsburg. Greiz würde bereits wieder auf stabilen Füßen stehen. Der Abschluss des Wirtschaftsprüfers liege noch nicht vor. Aber er werde zeigen, dass die Greizer Klinik finanziell stabil ist – und zwar auch ohne den Corona-Zuschuss. Diesen hatte die Klinik für freigehaltene Betten in der Corona-Krise erhalten – in Höhe von sieben Millionen Euro.

Ein Klinik-Gebäude
Das Kreiskrankenhaus in Greiz war finanziell angeschlagen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neues Gebäude steht leer

Mitte Februar wurden die 155 Mitarbeiter des Kreiskrankenhauses Ronneburg über die geplante Fusion informiert. Zum ersten Mal hörten sie dabei auch das Wort "Pflegecampus". Was genau sich dahinter verbirgt, konnte auch bei der Pressekonferenz niemand erklären. Klar ist - für rund zehn Millionen Euro wurde ein neues Haus in Ronneburg gebaut, dass eigentlich eine Reha werden sollte. Seit zwei Jahren steht es, auch durch Corona, leer. Jungfräulich sozusagen. "Wir müssen jetzt beraten, was wir künftig dort machen werden“, sagt die Landrätin. "Vorstellen könnte ich mir auch eine Altenbetreuung, die unter Umständen auch nur befristet ist. Also so ein Mittelding zwischen richtigem Seniorenwohnheim und einer Tagespflege."

Dennoch bleiben viele Fragen offen. Die haben die Ronneburger in einem Brief an die Kreistagsmitglieder aufgeschrieben. Am 8. März, zur nächsten Kreistagssitzung, sollen die über eine Fusion abstimmen.

MDR (jml)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 28. Februar 2022 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

mattotaupa vor 24 Wochen

was genau soll der grund für die fussion sein, wenn die klinik in ronneburg schwarze zahlen schreibt und die klinik in greiz angeblich auch? "Die Fusion würde auch Einsparungen in der Verwaltung, IT oder beim gemeinsamen Einkauf bringen." sprich, die landrätin plant eine opferung von arbeitsplätzenarbeitsplätzen - vermutlich im vom amtssitz fast 1h entfernten ronneburg - für angeblich gar nicht erforderliche einsparungen?

atomkraftwerk vor 24 Wochen

Für jemanden, der weiß wie es im Greizer Klinikum zugeht, seit Jahren, ist der Skeptizismus völlig nachvollziehbar.
Könnt Ihr jetzt auch wieder leugnen.

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