Corona-Pandemie Haus Kolin in Greiz: Freiwillige unterstützen im Pflegeheim

Für Menschen in Pflegeheimen ist die Corona-Pandemie eine große Herausforderung. Das gilt für das Pflegepersonal, aber auch gerade für die Bewohner. Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht und Erkrankungen in den Heimen sind vor allem eine seelische Belastung. Schön, wenn dann Menschen helfen, deren Leben gerade selbst eingeschränkt ist.

Ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel auf dem Tisch. Eine ältere Frau zieht eine Figur. Eine Pflegerin sitzt mit Maske daneben.
"Drei, vier, fünf - du bist raus!" Eine Partie Mensch-ärgere-dich-nicht ist eine Freude für Jung und Alt. Bildrechte: MDR/Dreissel

Violinenklänge in der kleinen Cafeteria im "Haus Kolin", einem Pflegeheim in Greiz. Hier spielt Susanne Rümpler für die Bewohner. Doreen Dietze begleitet sie mit dem Akkordeon. Es ist wie Balsam für die Seele. Eine der wenigen Abwechslungen im Leben der Heimbewohnerinnen. Und auch etwas Besonderes für die beiden Künstlerinnen. Susanne Rümpler spielt normalerweise mit der Vogtland-Philharmonie auf großen Bühnen. Doreen Dietze ist Ergotherapeutin. Gemeinsam wollen sie den alten Menschen eine Freude machen. Für Heimleiterin Kristin Fiedler sind die beiden ein wahrer Glücksfall:

"Wir hatten von Anfang an viele Anrufe von Menschen, die als Freiwillige ihre Unterstützung angeboten haben, die gesagt haben: 'Ich bin hier zu Hause, ich möchte helfen, egal wie.'"

Eine braune Eingangstür mit Glasscheiben. Rechts daneben an der Wand hängt ein Schild mit der Aufschrift "Haus Kolin".
Besuche im "Haus Kolin" sind derzeit nur eingeschränkt möglich. Freiwillige Helfer sind trotzdem hoch willkommen. Bildrechte: MDR/Dreissel

Aufmerksamkeit und Zeit für Pflegebedürftige

Bei der täglichen Pflege helfen können nur wenige der Freiwilligen. Aber sie können den Bewohnern Aufmerksamkeit schenken, Zuwendung in einer schwierigen Zeit. Die Gefahr einer Ansteckung ist groß, deshalb sind zum Beispiel Besuche von Verwandten nur eingeschränkt erlaubt. Auch im Haus heißt es: Abstand halten. Pfleger werden drei Mal pro Woche getestet. Bewohner, sobald sie Symptome einer Erkältung zeigen. Die strengen Regeln zerren an den Nerven – bei Personal und Bewohnern.

"Wir müssen im Zimmer bleiben oder können mal mit Begleitung raus. Meine Tochter kommt mich besuchen, dann sehen wir uns im Speisesaal durch eine Glasscheibe. Das ist schon ein Handicap mit Corona. Das hängt mir zum Hals raus", erzählt Emilie Kastl.

Eine Geigenspielerin und eine Frau mit Akkordeon spielen Musik im Pflegeheim. Beide tragen einen mit Mundnasenschutz.
Eine schöne Abwechslung: Susanne Rümpler (li.) und Doreen Dietze (re) spielen Musik für die Pflegeheimbewohner. Bildrechte: MDR/Dreissel

Das ist schon ein Handicap mit Corona. Das hängt mir zum Hals raus!

Emilie Kastl, Heimbewohnerin

Heute ist sie auch in der Cafeteria. Kastl ist schon 103 Jahre alt und hat in ihrem Leben viel erlebt. Doch die Corona-Pandemie ist anders, weil sie die Menschen voneinander trennt. Emilie Kastl vermisst die vielen kulturellen Aktivitäten, die es im Heim bis zum letzten Jahr gab.

Besondere Momente sorgen für Ablenkung

Die Mitarbeiter versuchen, etwas Normalität zu erhalten. Oder besondere Momente zu schaffen: So war im letzten Jahr ein Koch aus einem Restaurant zu Gast. Im Herbst gab es Auftritte eines Greizer Theatervereins vor dem Haus. "So etwas hätten wir eigentlich schon viel eher machen müssen: hingehen zu den Menschen, die nicht mehr zu uns kommen können. Unser Plan ist, auch nach Corona da weiter zu machen. Wenn ich sehe, welchen Spaß die alten Menschen haben – das macht mich froh", sagt Karsten Schaarschmidt, der Vorsitzende des Theaterherbst-Vereins.

"Habe viel über den Umgang mit alten Menschen nachgedacht"

Froh ist auch Kathi Golle. Sie organisiert eigentlich Veranstaltungen für die Stadt Greiz. Durch Corona wird sie an ihrem normalen Arbeitsplatz jetzt nicht gebraucht. Seit Dezember hilft sie nun in Pflegeheimen aus, spricht mit Bewohnern, geht mit ihnen spazieren. Die Zeit im Heim geht an ihr nicht spurlos vorbei: "Ich sehe viele Dinge heute anders. Ich habe viel über den Umgang mit alten Menschen nachgedacht. Und mir ist klar, dass wir ihnen mehr Zuwendung und Respekt geben müssen. Ich denke, dass im Alltag vieles davon untergeht."

Ein Flur im Pflegeheim. Zwei Frauen sitzen auf zwei Stühlen links und rechts einer Tür. Beide tragen eine Maske.
Richtige Nähe kommt wegen der strengen Hygienevorschriften nicht auf, trotzdem freuen sich die Bewohner des Pflegeheims über die freiwilligen Helfer, die mit ihnen Zeit verbringen. Bildrechte: MDR/Dreissel

So wie Kathi Golle haben viele der Helfer das Leben im Pflegeheim aus einem anderen Blickwinkel kennengelernt. Die schwierige Arbeit der Pfleger, aber auch die tägliche Routine für die alten Menschen. Viele von ihnen sind schon sehr alt. Ob sie den nächsten Geburtstag oder das nächste Weihnachtsfest erleben werden, wissen sie nicht. Umso wichtiger, die verbleibende Zeit lebenswert zu machen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Thüringen Journal | 28. Februar 2021 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

helmut57 vor 6 Wochen

Ein ganz großes Lob an die freiwilligen Helfer und Unterstützer. Es fehlen einfach überall die fleißigen Zivis. Das abzuschaffen ist eine Fehlentscheidung der Bundesregierung. Das ist aber auch nur meine Meinung. Ein soziales Pflichtjahr auch eine Alternative. Mann muss auch schnell aus den Puschen kommen und nicht jahrelang in eine unendlichen Warteschleife verfallen. Das ist eben Demokratie, auf dem Papier sehr schön,aber in der Praxis manchmal zum Ko..en. Für mich gibt's aber auch keine Alternative.🤔

THOMAS H vor 6 Wochen

helmut57: Warum wundern Sie sich? Es werden sich nicht viele melden, denn die, die z. B. in der Pflege arbeiten, dürfen über ihre Arbeit nicht öffentlich reden, da sie sonst mit einer Entlassung rechnen müssen. Ich weiß, wovon ich schreibe, da ich schon 1999/2000 bei meiner Ausbildung zum Staatlich anerkannten Familienpfleger gerügt wurde, weil ich Mißstände angesprochen und um Änderungen gebeten habe. Ich habe mir den Mund nicht verbieten lassen, aber geändert hat sich nichts, denn noch heute erlebe ich die schon damals angesprochenen Mißstände. Medial wurde auch schon öfter berichtet, was alles nicht richtig läuft (z. B. französischer Pflegekonzern in Deutschland, wo die oberste Chefin fast 400.000 €/Jahr erhält und bei Personaleinsparungen nochmal die gleiche Summe oben drauf bekommt). Es wird sich nichts ändern, wenn die Politik nicht will und die meisten ausgebeuteten AN haben ein Pflichtbewußtsein gegenüber den ihnen Anvertrauten, so daß sie sich nicht wehren.

helmut57 vor 6 Wochen

Bei einem so wichtigen Thema überrascht mich doch schon, die riesige Beteiligung hier. Das zeigt uns doch möglicherweise, wie enorm wichtig dieses Thema Pflege, bei unseren Dikusionsaktueren ist. Hallo seid Ihr noch da?

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