Klimaneutralität Modellprojekt zur seriellen Gebäudesanierung in Greiz gestartet

Millionen Gebäude müssen in Deutschland ihre Wärmeversorgung umstellen und gedämmt werden, um klimaneutral zu werden. Mit dem Verfahren der seriellen energetischen Gebäudesanierung könnten die Häuser viel schneller auf Vordermann gebracht werden. In Thüringen startet nun das erste Modellprojekt.

Eingerüstete Fassade eines Wohnhauses an der Ecke Markgrafendamm/Stralauer Allee.
Durch die serielle Sanierung von Gebäuden könnten diese viel schneller klimaneutral werden. Bildrechte: imago/Marius Schwarz

Die Schmidtstraße 12 in Greiz ist ein typisches DDR-Gebäude – Baujahr 1969. Vier Stockwerke und zwölf kleine Wohnungen. Schmucklos, aber funktional – und schlecht gedämmt. Das soll sich ändern, denn das Haus wird einer seriellen energetischen Sanierung unterzogen.

Auch wenn seriell nach Serie klingt, also nach vielen Häusern, ist es zunächst ein Pilotprojekt, erzählt Kati Stein von der Greizer Wohnungsgenossenschaft Textil: "Seriell heißt, dass das Haus zu Beginn mit einem 3-D-Scan vermessen und digital modelliert wird. Dann werden in einer Fabrik die Fassadenelemente vorgefertigt. Die Fassadenelemente erhalten schon in der Fabrik die neuen Fenster, die Lüftungselemente und in unserem Fall sind sogar Fassadenelemente integriert, die später die Trinkwasser- und Wärmeversorgungsleitungen beinhalten."

Sanierung in unter einem Jahr

Die Idee, digital alles zu vermessen, industriell vorzufertigen und dann nur noch die Fertigteile zu montieren, stammt aus Holland. Dort wurden nach dem Prinzip ganze Straßenzüge gedämmt. Es ist die Plattenbau-Idee – mit digitalen Mitteln aufs Sanieren übertragen. Bis zu 80 Prozent aller Bauleistungen werden in die Fabrik verlagert.

Emanuel Heisenberg ist einer der ersten in Deutschland, der mit seiner Berliner Firma Ecoworks so eine energetische Sanierung anbietet. Er verspricht Tempo: "Eine konventionelle Sanierung von Handwerkern von solchen Mehrfamilienhäusern braucht in der Regel so 18 bis 24 Monate. Zum Teil braucht allein die Arbeit auf der Baustelle sechs bis zwölf Monate – zum Teil auch länger. In unserem Fall dauert das gesamte Projekt neun bis zwölf Monate und die Arbeit auf der Baustelle 12 bis 15 Wochen."

Noch allerdings kostet dieses Tempo extra. Bislang wurden in Deutschland nur wenige Häuser nach der Methode saniert – gefördert vom Staat. Doch langfristig soll serielles Sanieren billiger werden und zwar dann, wenn die Methode tatsächlich in Serie geht.

Sanierung trotz Handwerkermangel

Bundesweit kämen für eine digitale Vermessung mit anschließender industrieller Fertigung der Dämmteile 2,3 Millionen Gebäude infrage, sagt Christian Richter von der staatseigenen Deutschen Energieagentur: "Das sind diese typischen 50er-, 60er-Jahre-Bauten, die quadratisch, praktisch, gut waren, mit drei bis zwölf Wohneinheiten. Diese typischen Wohngebäude, die man in Ostdeutschland unter dem Typ Haus Magdeburg relativ häufig findet." In den alten Bundesländern finde man diese Art der Gebäude im Ruhrgebiet sehr häufig.

Für Richter ist die serielle Sanierung eine Methode, um trotz Handwerkermangel möglichst viele Gebäude energetisch auf Vordermann zu bringen. In der Schmidtstraße 12 in Greiz sollen die Arbeiten im Mai beginnen. Wenn das Projekt ein Erfolg wird, soll es auch in Thüringen zum Modell werden für Hunderte andere Häuser ähnlichen Typs.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. April 2022 | 06:00 Uhr

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