Apotheke digitalisiert Jenaer legen E-Rezept-Vorläufer als App vor

Das elektronische Rezept soll zum Jahreswechsel flächendeckend kommen. Die Jenaer Medipolis-Gruppe will darauf nicht warten und legt eine App zum Bestellen von Medikamenten vor. Sicherer und schneller soll das Arbeiten in der Apotheke dann aber flächendeckend mit dem E-Rezept zum Jahreswechsel werden.

Eine Person hält ein Smartphone in der Hand.
2022 soll das E-Rezept eingeführt werden. Dann bekommt der Patient einen Code, auf den jede Apotheke zugreifen kann. Jena hat bereits eine App für diesen Zweck entworfen. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Rezept einscannen, Medikament auswählen, Bestellung auslösen - so einfach ist es. Seit einigen Wochen hat die Jenaer Medipolis-Gruppe das sogenannte "e-Rezept regio" verfügbar gemacht. Mit der Smartphone-App können Patienten einfacher als bisher an Medikamente gelangen, die ihnen der Arzt verschrieben hat. Damit greift das Unternehmen dem E-Rezept ein Stück weit vor, das derzeit in Brandenburg in einem Pilotversuch getestet wird. "Wir gehen auf Patientenwünsche ein. Wir beobachten die Bedürfnisse, die im Markt formuliert werden - und denen folgen wir", sagt Geschäftsführer Christian Wegner.

Und Patienten seien Online-Shopping längst gewöhnt. Eine App zu bedienen, mit der sich verordnete Medikamente aus der Distanz bestellen lassen, müsse also nicht erst erlernt werden. Stattdessen spart man sich womöglich manchen Weg - etwa wenn ein Medikament nicht sofort verfügbar ist und erst noch bestellt werden muss, so der Geschäftsführer. "Und dann gibt es die Variante, das Produkt abzuholen oder es sich über den Botendienst nach Hause liefern zu lassen."

Rezept für ein Medikament auf einem Handydisplay 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 25.08.2021 19:00Uhr 02:28 min

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Viele Wege lassen sich einsparen

Medipolis hat in Mitteldeutschland einen solchen Dienst, denn das Unternehmen betreibt zwar in Jena Apotheken. Ein weiterer Firmen-Zweig stellt auch Medikamente für Schwerstkranken-Versorgung her. Also für Krebs- oder Palliativ-Patienten, die zu Hause versorgt werden. Mit eigenen Mitarbeitern unterstützt das Unternehmen vor Ort das Pflegepersonal. Gerade hier ist es müßig, immer wieder Rezepte auf Papier hin und her zu transportieren, wenn die Medikation verändert wird. Das E-Rezept wäre eine erhebliche Erleichterung, auch weil etwa die behandelnde Ärztin bei einer Folgeverordnung nicht unbedingt persönlich aufgesucht werden muss.

Mit der Eigenentwicklung greift das Jenaer Unternehmen dem E-Rezept also vor - und sobald zu Beginn des Jahres offiziell auf E-Rezept umgestellt wird, kann die App hier angebunden werden, bestätigte eine Sprecherin MDR THÜRINGEN. Dann wird für jedes Rezept auf einem gesicherten Computer-Server ein Nachweis hinterlegt, den Apotheken auslesen können - und Patienten brauchen nur noch einen Code, den die Apotheke vor Ort oder per App auslesen kann. Das geht mit, aber auch ohne Papier.

Postversand oder persönliches Erscheinen in der Apotheke ist nicht mehr nötig. Eigentlich sollte nämlich schon eher umgestellt werden - und die Jenaer sind ungeduldig. Um ein bisschen schneller zu sein als andere, sind sie in Vorleistung gegangen: "Natürlich ist das teuer. Aber wir müssen und wollen Geld, das wir verdienen, an anderer Stelle in die Entwicklung des Unternehmens und die Angebote für Patienten stecken", so Wegner.

Ein Mann steht in einer Apotheke.
Christian Wegner, Chef der Medipolis-Gruppe aus Jena. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Apotheker-Kammer: Digitalisierung macht Arbeit schneller und sicherer

Die Thüringer Landesapotheker-Kammer sieht das Ganze gelassen. Alle Apotheken seien pünktlich zur Einführung am Jahreswechsel vorbereitet und könnten dann mit dem E-Rezept umgehen, sagt Kammerpräsident Ronald Schreiber. Zwar werde es dann wohl auch noch Papier-Rezepte geben, die aber schrittweise überflüssig werden. Und: "Es wird schneller. Es wird sicherer. Und es wird natürlich auch bequemer." Zudem sei es besser als derzeitige Lösungen per Fax, App oder E-Mail. Längst seien Impf-Zertifikate digital verfügbar - und ohnehin werde jedes Rezept digitalisiert in der Apotheke. "Da ist es nur stringent, das Rezept selbst auch elektronisch zu machen."

Ein Mann steht vor einem Regal.
Präsident der Landesapotheker-Kammer Thüringen Ronald Schreiber. Er ist Inhaber der Erfurter Neue Marien-Apotheke. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Nicht nur in Jena gebe es inzwischen Apps, die fotografierte Rezepte in die Apotheke schicken und einen Bestellvorgang auslösen. Diese Insel-Lösungen würden durch das eigene Datennetz für das E-Rezept abgelöst. Das biete dann auch mehr Sicherheit für Patientendaten als bisherige Lösungen. Dass die Bestellung aus der Ferne einfacher werde, sei natürlich ein Aspekt. "Wenn ich vorher weiß, was der Patient möchte, dann kann ich das bestellen und dem Patienten dann mitteilen, wenn es da ist." Ohne, dass der dafür zweimal zur Apotheke kommen muss. "Das ist schon eine wirkliche Verbesserung, wenn man etwa auf Arbeit sein muss oder nicht gut zu Fuß ist." Zudem könne durch die umfassende Digitalisierung zum Beispiel leichter überprüft werden, ob sich unterschiedliche Medikationen eines Patienten miteinander vertragen.

Medipolis bietet den Lieferservice in Ostthüringen an, wo das eigene Logistik-Netz am dichtesten ist. Und als letzter Schritt des Vorgangs muss tatsächlich noch das Rezept aus Papier übergeben werden, damit es Medikamente gibt. Doch dieser letzte Schritt könnte zum Jahreswechsel wegfallen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 25. August 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Lyn vor 7 Wochen

Feine Sache.
Zum Arzt muss ich aber noch (ok, in meinem Fall schicke ich eine Mail, das genügt) oder kann der demnächst meine Medikamentenliste direkt in die Apotheke geben? Ich glaube nicht.

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