Corona-Pandemie Klinik-Leiter beklagt Personalverlust auf Thüringer Intensivstationen

Viele Beschäftigte haben während der Corona-Pandemie ihren Dienst auf den Intensiv-Stationen in Thüringer Krankenhäusern aufgegeben. Ein Grund dafür ist unter anderem die hohe mentale Belastung. Der Personalverlust bereitet den Krankenhäusern große Sorgen.

Der Jenaer Klinik-Direktor Michael Bauer warnt vor einem Personalschwund auf den Intensivstationen der Thüringer Krankenhäuser. Bauer sagte MDR THÜRINGEN, im Laufe der Corona-Pandemie hätten etwa zehn bis 20 Prozent der Pflegerinnen und Pfleger den Intensivstationen den Rücken gekehrt. Dieser Personalverlust bereite den Krankenhäusern große Sorgen. Hätten die Häuser im Mai noch etwa maximal 1.000 Intensivbetten betreiben können, seien es jetzt nur noch etwa 700.

Hohe mentale Belastung für Personal auf Intensivstationen

Nach Angaben von Bauer, der am Uni-Klinikum Jena die Klinik für Intensivmedizin leitet, haben viele Beschäftigte ihren Dienst auf den Intensivstationen wegen der hohen mentalen Belastung beendet. Allein am Uni-Klinikum Jena seien bisher weit über 350 Corona-Patienten auf der Intensivstation behandelt worden. Der Tod sei allgegenwärtig gewesen. Das sei für das Personal schwer zu ertragen.

Die aktuelle Situation hält der Intensivmediziner noch für beherrschbar. Laut Thüringer Staatskanzlei sind zurzeit acht Prozent der Intensivstationsbetten mit Corona-Patienten belegt. Bauer warnte aber davor, dass die Betten auch für andere Patienten benötigt werden. Etwa nach Operationen, für Herzinfarktpatienten oder für Verkehrsunfallopfer. Diese Kapazitäten an Intensiv-Betten würden dringend benötigt.

Prof. Michael Bauer
Klinik-Direktor Michael Bauer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gesundheitsministerin: Bessere Bedingungen schaffen

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) sagte MDR THÜRINGEN, der Verlust von Pflegepersonal und damit von Behandlungskapazitäten sei mehr als ärgerlich. Die Parteien müssten bei den gerade geführten Koalitionsverhandlungen darauf achten, bessere Arbeitsbedingungen für das Krankenhauspersonal zu schaffen.

Die hohe Belastung der Pfleger und Krankenschwestern hänge direkt mit der Finanzstruktur der Krankenhäuser zusammen. Nötig sei eine Finanzierung, die dem entspreche, was in den Häusern geleistet werde. Andernfalls sei der bisherige Personalverlust nur der Anfang.

Mediziner rät zur Impfung

Intensivmediziner Bauer appellierte zudem, sich impfen zu lassen. Die Krankheitsverläufe seien deutlich milder, wenn Geimpfte sich infizierten. Die Patienten, die zurzeit mit einer Covid19-Infektion auf der Intensiv-Station liegen, sind laut Bauer in der Regel Ungeimpfte oder Menschen mit schweren Immundefekten. Gestiegen sei vor allem der Anteil jüngerer Menschen unter den Patienten.

Laut dem Wochenbericht des Robert Koch-Instituts vom 21. Oktober waren unter den bundesweit 943 Corona-Patienten mit Impfdurchbrüchen, die verstorben sind, etwa drei Viertel älter als 80 Jahre. Das spiegele das generell höhere Sterberisiko für diese Altersgruppe wider - unabhängig von der Wirksamkeit der Impfstoffe.

Bauer sagt, sich impfen zu lassen, sei nur ein sehr kleiner Beitrag, den jeder leisten könne, um die Pandemie zu beenden. Die Diskussionen über die Impfung seien für Ärzte und Pflegepersonal kaum zu ertragen. Wegen der Unkenntnis und der Naivität, mit der hier argumentiert wird, so Bauer wörtlich.

Quelle: MDR THÜRINGEN/fno

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 26. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

18 Kommentare

DermbacherIn vor 5 Wochen

Ich kann durchaus nachvollziehen, dass frau daran verzweifeln kann, wenn frau rein an den Zahlen klebt und diese mit dem letzten Winter vergleicht.
Ich kanns nicht oft genug betonen: Letztes Jahr gab es keine Geimpften und auch keine messbare Anzahl an Genesenen, der Zustand jetzt ist ein komplett anderer, gerade in den merklich gefährdeten Bevölkerungsgruppen.

DermbacherIn vor 5 Wochen

Es gibt leider nur eine Kristallkugel, da viele für eine Gesamteinschätzung wichtige Daten nicht bekannt sind, zu erwähnen wäre da hauptsächlich der Anteil der real noch Gefährdeten, die bisher noch keine Immunantwort ausgebildet haben. Dazu müssten deutschlandweit repräsentative Studien zu Sars-CoV-2 spezifischen Antikörpern und T-Zellen durchgeführt werden.
Weiterhin wäre auch eine repräsentative Messung der Inzidenz interessant. Diese wird im Vergleich zum Frühjahr und vor allem zum letzten Winter hin massiv unterschätzt, da fast nur Ungeimpfte getestet werden). Das bedeutet, dass die potenzielle Dauer eines dynamischen Anstiegs wiederum massiv überschätzt wird, wenn frau nur auf die Inzidenz sieht.

Lobedaer vor 5 Wochen

Wieso sollen Wegweise die medizinischen und statistischen Kenntnisse fehlen. Das ist eher bei Ihnen der Fall. Ich lese nur eine platte Unterstellung, aber kein Argument. Wissen Sie überhaupt, dass die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus ca. 7,2 Tage beträgt, auf der Intensivstation nur 3,8 Tage? Covid-19-Patienten bleiben und blockieren damit ein Intensivbett im Durchschnitt 14 Tage, sodass deutlich mehr Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt sind als die behaupteten 4 %. Da diese Patienten eine akute Gefährdung der Gesundheit der Mitarbeiter bedeuten, sind entsprechende Schutzmaßnahmen notwendig, die Zeit kosten und damit eine erhöhte Personalbindung pro Patient bedeuten. Entweder werden deshalb Betten geschlossen, oder es bedeutet einme eerhebliche Arbeitsverdichtung, was viele Pflegekräfte veranlasste, die Arbeitszeit zu verkürzen oder den Beruf ganz zu verlassen. Bei denen war das Fass übergelaufen. Da hat Matthi recht.

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