Präsenzunterricht Diskussion um Öffnung von Thüringer Musikschulen

Seit Dezember 2020 findet an den Musikschulen des Freistaats kein Präsenzunterricht statt. Online-Unterricht kann den nur unzureichend ersetzen. Musikangebote für Grundschüler liegen fast vollkommen brach. Die von Eltern, Lehrern und Musikschulen geforderte Öffnungsperspektive blieb bisher aus. Stattdessen kündigte das Thüringer Gesundheitsministerium an, die Musikschulen auch bei sinkenden Inzidenzen geschlossen zu halten. Nach Kritik soll der Verordnungsentwurf nun nochmal geändert werden.

Ein Junge übt vor seinem Computer mit einer Geige
Online-Unterricht kann nach der Auffassung von Musiklehrern klassischen Unterricht am Instrument nicht ersetzen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

100 ist die magische Grenze der Bundesnotbremse. Thüringen aber wollte in seiner neuen Verordnung noch strenger werden und Musikschulen auch bei einer Inzidenz unter 100 geschlossen halten. Kritik daran kam von der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag. Auch Matthias Ziegler, Landesvorsitzender der Landeselternvertretung der Musikschulen, bekräftigte den Appell, Musikschulen zu öffnen, sobald Schulen öffnen dürfen. Die Musikschulen selbst setzen sich schon seit längerer Zeit dafür ein, wenigstens Einzelunterricht wieder anbieten zu können.

Werner: Schulen und Musikschulen gleichsetzen

Nach einer Diskussion zum Thema kündigte die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) am Dienstag an, den Verordnungsentwurf in Bezug auf Musikschulen nochmal ändern zu wollen. Das betreffe vorrangig den Einzelunterricht. Werner sprach von einer Art Gleichlauf der Musikschulen mit den Schulen. Details nannte sie dabei nicht. Es soll Kreisen und kreisfreien Städten aber möglich sein, bei einer Inzidenz unter 100 in Rücksprache mit dem Gesundheitsministerium eigene Regeln zu erlassen.

Heike Werner (Die Linke), Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie
Die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner (Die Linke). Bildrechte: dpa

Musikschulen: Schüler melden sich in der Pandemie ab

Dass sie schon seit Monaten keinen Präsenzunterricht anbieten können, stellt die Thüringer Musikschulen vor wachsende Probleme. Ines Gutsch, Inhaberin der privaten Musikschule Allegro in Jena, berichtet davon, dass sich bereits jeder vierte Schüler abgemeldet habe. Dabei wird Unterricht, so gut es geht, weiter angeboten. In ihrer Musikschule online oder per Telefon. Mit Präsenzunterricht sei das aber nicht zu vergleichen, allein das Stimmen der Instrumente sei über die genutzten Plattformen wie skype und zoom nicht möglich. Die aktuelle Unterrichtsmöglichkeit wird dabei auch nicht von allen angenommen. Gutsch berichtet, dass nur die Hälfte der Schüler Online-Unterricht nimmt. Für alle anderen wurden die Beitragszahlungen ausgesetzt.

Online-Unterricht nicht gleichwertig

Selbst wenn Online-Unterricht stattfindet, kann er den vor Ort nicht ersetzen. Das bestätigt auch Susanne Kaselow, Leiterin der Stadt- und Kreismusikschule Sömmerda. So könnten beispielsweise Haltungsfehler nicht richtig korrigiert werden. Außerdem sorgt sich Kaselow um die fehlenden Angebote für junge Kinder. Babykurse und Früherziehung fallen aus. So fehle der Schülernachwuchs. Auch Gruppenunterricht, etwa für Grundschüler, liege brach. Ein ähnliches Bild zeichnet die Kreismusikschule Johann Sebastian Bach in Mühlhausen.

Musikunterricht 5 min
Bildrechte: MDR Wissen

Mi 30.10.2019 10:57Uhr 05:21 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/aktuell/Schlau-und-fit-dank-Musik-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Nach Angaben des Landesverbands der Thüringer Musikschulen boten zu Beginn des Jahres zwei Drittel aller staatlichen Musikschulen Online-Unterricht an. Auf Instrumentalunterricht per Internet verzichten müssen beispielsweise weiterhin die Schüler der staatlichen Musikschule Erfurt. Lehrer unterrichten hier laut Stadt per Telefon oder Email, versenden Videosequenzen oder Hörbeispiele. Damit waren allerdings nicht alle Eltern und Schüler zufrieden, die Mitgliederzahlen sind stark gesunken. Während im Frühjahr des vergangenen Jahres noch 2.400 Schüler unterrichtet wurden, sind es derzeit nur noch rund 1.850. Zum Schuljahresende rechnet die Stadt nur noch mit etwa 1.500 Schülern. Andere Musikschulen melden weitgehend stabile Zahlen.

Musikschulen auf Neustart vorbereitet

Sollte der Präsenzunterricht wieder starten können, so sind einige Musikschulen gut vorbereit. In der Allegro Musikschule Jena etwa wurden alle Räume mit Luftfiltergeräten ausgestattet. In jedem Klavierzimmer steht nach Angaben der Musikschule ein zweites Klavier. Zudem sind Desinfektionsmittelspender aufgestellt und es wurden Plexiglaswände für Sänger und Bläser installiert.

Die neue Thüringer Verordnung soll am Mittwoch veröffentlicht werden und ab Donnerstag gelten.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. Mai 2021 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

Sozialberuflerin vor 1 Wochen

Mein Sohn spielt seit 3 Jahren Schlagzeug in einer erfurter Musikschule!
Der Unterricht fand immer in einem riesigen Raum, als Einzelunterricht statt
Zu Beginn wurde aufgrund des großen Abstands zwischen Lehrer und Kind auf die Maske verzichtet und nach jedem Schüler gut durchgelüftet

Dann hieß es, auch Maskenpflicht während dieser dreiviertel Stunde

Seit 7 Monaten geht nun nichts mehr außer Skype!

Wir zahlen trotzdem monatlich den selben Beitrag und sitzen dafür im Kinderzimmer vorm E-Drum!
Mama oder Papa haben das Tablett in der Hand, um den Winkel so halten zu können, dass der Lehrer auch Füße und alles andere im Blick hat!

Kind ist max. frustriert, weil es eben auf Dauer KEIN Ersatz für den eigentlichen Unterricht und es eben mehr als unpersönlich ist!

Wir wollen den Vertrag nicht kündigen, weil Sohnemann sein Hobby liebt und der Lehrer Gold wert ist

Jedoch kann ich jede Familie verstehen, die sich das Geld sparen will!

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