Mädchenfußball Carl Zeiss Jena: Felicia Sträßer feilt am Traum von einer Profikarriere

Das Fußballer-Gen wurde Felicia Sträßer offenbar in die Wiege gelegt, denn sie stammt aus einer Thüringer Fußballer-Familie. Zum Talent gehören auch harte Arbeit und Fleiß, um ihren Traum von der Profikarriere zu erreichen. Dafür trainiert sie mehrmals wöchentlich mehrere Stunden.

Felicia Sträßer, Nachwuchstalent des FC Carl Zeiss Jena
Felicia Sträßer, Nachwuchstalent des FC Carl Zeiss Jena Bildrechte: Karim El Boujdaini / FC Carl Zeiss Jena

Plötzlich ist Felicia Sträßer die letzte Hoffnung ihrer Mannschaft. Als die Jungs vom SV Lobeda 77 angreifen, steht sie allein zwischen dem Stürmer und der eigenen Torhüterin. Beherzt grätscht sie den Ball von den Füßen des Gegenspielers. Der Ball ist im Aus, die Situation gerettet. Kurzer Handschlag mit der Torhüterin, lobende Worte des Trainers. Weiter geht's in die nächste Spielsituation.

"Fußball ist meine große Leidenschaft und mein Traum ist der Profibereich", wird sie später MDR THÜRINGEN sagen. Das Spiel ist Teil der Vorbereitung auf die Rückrunde der Bundesliga Nord/Nordost. Im Fußballer-Vokabular wird sie als Talente-Liga bezeichnet.

Mädchen gegen Jungs als Teil der Ausbildung

Aus ihrem Verein, dem FC Carl Zeiss Jena, heißt es, Felicia Sträßer gelte als große Nachwuchshoffnung im Thüringer Mädchenfußball. Dass ihr Team gegen eine Jungenmannschaft antritt, ist Teil der Ausbildung.

"Die Mädchen und jungen Frauen lernen dadurch den Körper im Zweikampf besser einzusetzen", sagt der Landestrainer des Thüringer Fußball-Verbandes, Marc Reinhardt. Besonders bei Top-Talenten wie Sträßer wird darauf geachtet, dass sie so lange wie möglich bei den Jungs spielen können. Denn mit ihren 15 Jahren ist sie eine der jüngsten Spielerinnen in der U17 Mannschaft des FC Carl Zeiss Jena.

Marc Reinhardt, Landestrainer des Thüringer Fußball-Verbandes für Jugendtalente
Trainer Marc Reinhardt ist für das Sondertraining der jungen Spielerin zuständig. Bildrechte: Thüringer Fußball-Verband

Disziplin und Training

Felicia Sträßer besucht das Jenaer Sportgymnasium nicht weit vom Trainingsgelände entfernt. Sie trainiert viermal die Woche mehrere Stunden täglich, davon zwei Einheiten als Schulunterricht. Ihr Stundenplan verbindet die schulische Ausbildung mit dem Leistungssport. Als besonders großes Talent erhält Felicia Sträßer zusätzlich Sondertraining von Marc Reinhardt.

"Neben Talent hat sie natürlich genau den Willen und den Ehrgeiz, den es als Top-Talent braucht", sagt Reinhardt. Und davon benötigt Felicia Sträßer viel. Beim Sondertraining werden individuelle Schwächen verbessert und die Stärken ausgebaut. Das Training ist intensiv und anstrengend. Besonders die Sprintfähigkeit wird weiter verbessert und die Körperkraft gezielt trainiert. Eine von Sträßers Stärken ist die Schnelligkeit, weshalb sie am liebsten rechts außen spielt.

"Das Besondere an dieser Position für mich ist, dass ich sowohl in der Offensive als auch in der Defensive aktiv sein kann", sagt Felicia Sträßer.

Tor für U15-Nationalmannschaft erzielt

Ihr Talent blieb auch bei den Nachwuchskoordinatoren des DFB nicht unbemerkt. So kam es, dass sie vergangenes Jahr zum Training der Jugend-Nationalmannschaft eingeladen wurde und überzeugen konnte. Im Dezember gab sie ihr Länderspieldebüt mit der U15-Nationalmannschaft. Im Spiel gegen Belgien agierte sie auf der Außenbahn und schoss ihr erstes Tor.

"Das war das Schönste, was ich je gefühlt habe, diesen Stolz im Trikot der Nationalmannschaft", sagt Sträßer. Diesen Sommer hofft sie auf weitere Erfahrungen im Trikot der Nationalmannschaft.

Vater und Großvater machten Karriere im Fußball

Das Talent ist ihr vielleicht in die Wiege gelegt worden. Vater Carsten Sträßer spielte einst selbst für den FC Carl Zeiss Jena und beim Chemnitzer FC in der Regionalliga. Heute ist er Co-Trainer bei der zweiten Mannschaft des FCC in der Oberliga.

Opa Ralf Sträßer spielte von 1976 bis 1984 beim BFC Dynamo in der DDR-Oberliga und lief für die Nationalmannschaft auf. Seine Karriere beendete er in Jena. Bis sie die Karriere ihres Vaters oder Großvaters erreicht, ist es für Felicia Sträßer noch ein weiter Weg. Trotz der ersten Erfolge muss sie weiter an sich arbeiten.

Neben Training die Schule im Blick behalten

Ihre Trainer weiß sie dabei an ihrer Seite. "In diesem Alter ist das Wesentliche, dass sich die Spielerinnen und Spieler nicht verletzen, nur dann können wir an ihrem Talent arbeiten", sagt Reinhardt. Körperliche Voraussetzungen müssten beachtet werden, damit der Traum von der Profikarriere nicht vorzeitig platzt.

"Da ist uns die Talent-Förderung und Entwicklung wichtiger als der reine Ergebnissport. Es sind heranwachsende Jugendliche, da steht die Ausbildung im Vordergrund", sagt Reinhardt. Die schulische Ausbildung sei ebenso wichtig wie das Training. Denn nur eine Handvoll ausgewählter Talente erreiche die ganz große Bühne und könne auch finanziell davon leben.

Gezielt spricht Reinhardt den Frauenfußball an, denn dieser Bereich habe großen Nachholbedarf. Selbst in der 1. Bundesliga können Frauen nicht vom Fußball leben. Ihre männlichen Kollegen verdienen 50- bis 200-mal mehr als die Spielerinnen derselben Liga. Vielleicht auch irgendwann einige derer, gegen die sich Felicia Sträßer heute in Testspielen durchsetzt. Deshalb sei eine gute schulische Ausbildung unumgänglich, um die Weichen einer Profikarriere zu stellen.

MDR (rbü)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 21. Februar 2022 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

SGD1953 vor 18 Wochen

Ralf Sträßer hat bei Dynamo Dresden gespielt? Ich lache mich einfach nur kaputt. Die SGD mit dem BFC verwechselt. Ich halt es nicht aus. Lieber MDR, auch wenn ich mich wiederhole: Sowas darf einfach nicht passieren. Kommen solche Pannen auch bei Ihren vielen Berichten über diesen Bundesliga-Teilnehmer mit dem österreichischen Sponsor vor? Oder nimmt man es da genauer, weil es dort um so tollen Fußball und einen so sympathischen Verein geht? Unabhängig von meinem Ärger alles Gute für Felicia Sträßer!

rheumakay vor 18 Wochen

@MDR:

Ralf Sträßer hat nie für Dynamo Dresden gespielt. Stattdessen hat er von 76 bis 84 für den BFC und anschließend noch drei Jahre für Union gespielt, eher er in Jena seine Karriere ausklingen ließ.

fossizweifor1903 vor 18 Wochen

Ach du lieber Himmel. So ein Fehler sollte euch nicht passieren, lieber MDR. Der Ralf Sträßer, Papa vom Carsten, spielte meines Wissens, nie bei Dynamo Dresden. Er spielte beim Schiebermeister BFC, bei Union und am Ende seiner Laufbahn beim FCC. Steht auch so bei Wikipedia, nur halt ohne Schieber. Spaß muss sein. Nur der FCC !

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