Jungfernfahrt Flixtrain: Neue Fernverbindung mit Halt in Jena und Saalfeld

Jena und Saalfeld haben eine neue Fernverkehrsverbindung. Mit Flixtrain können Reisende nun nachts nach München und am frühen Morgen nach Berlin und Hamburg fahren. Es ist die zweite Flixtrain-Linie über Thüringen.

Jena und Saalfeld sind nun wieder stärker an den Zugfernverkehr und damit an die Metropolen Hamburg, Berlin und München angebunden. Seit der Nacht zu Freitag fährt Flixtrain an vier Tagen die Woche zwischen Hamburg und München - und macht in Thüringen Halt in Jena und Saalfeld.

Flixtrain hält am Bahnhof
Der Flixtrain in der Nacht zum Freitag auf der Fahrt nach München auf dem Bahnhof Jena-Paradies. Bildrechte: MDR/Uwe Kelm

Zeitige Verbindung für Reisende, die auf Flugzeug und Fähre umsteigen wollen

Die neue Fernverbindung ist vor allem etwas für Nachtaktive oder Reisende, die in den Metropolen am Morgen oder Vormittag auf Flugzeug oder Fähre umsteigen wollen: Wer nach München will, kann in Jena Paradies 00:56 Uhr bzw. in Saalfeld 01:36 Uhr zusteigen und ist kurz vor 06:00 Uhr dort. Nach Hamburg können Reisende in Saalfeld 04:22 Uhr und in Jena Paradies 04:55 Uhr zusteigen. Berlin erreicht diese Flixtrain-Verbindung je nach Bahnhof gegen 08:00 Uhr und Hamburg Hauptbahnhof schließlich zwei Stunden später. Für Hartgesottene wäre sogar Jena - Berlin an einem Tag denkbar.

Seit Dezember 2015 keine ICEs im Takt mehr durch das Saaletal

Jena und Saalfeld hatten 2015 durch die ICE-Neubaustrecke Halle/Leipzig - Erfurt die meisten Fernverkehrshalte eingebüßt: Die ICE-Züge der Deutschen Bahn fahren seitdem über diese Schnellstrecke statt durch das Saaletal zwischen Berlin und München. Seitdem sind aber wieder einige Fernverkehrszüge dazugekommen. So hält der nächtliche Intercity Wien-Ostsee in am sehr frühen Morgen in Jena, morgens fährt ein ICE von Jena über Leipzig und Berlin an die Ostsee oder nach Hamburg.

Jenas Oberbürgermeister Nitzsche begrüßt Flixtrain im Paradies

Um die neue Fernverkehrsanbindung für Jena zu würdigen, war Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) in der Nacht zu Freitag während der Jungfernfahrt des Flixtrain zum Paradiesbahnhof gekommen. Gut fünf Minuten Halt reichten für kleine Geschenke an Zugbegleiter und Lokführer, die Fahrgäste im gut gefüllten Zug haben davon wenig Notiz genommen. In Saalfeld hatte der Bundestagsabgeordnete Reginald Hanke (FDP) die Einfahrt des ersten Flixtrain am Bahnsteig erwartet. Mit drei weiteren Fahrgästen ist der grüne Fernzug pünktlich 1:34 Uhr weiter in Richtung Bamberg gefahren.

Oberbürgermeister Thomas Nitzsche begrüßt die Flixtrain in Jena
Jena freut sich über den Ausbau der Fernverkehrsanbindung: Oberbürgermeister Thomas Nitzsche begrüßt den ersten Flixtrain-Zug auf seiner Jungfernfahrt im Paradiesbahnhof. Bildrechte: MDR/Uwe Kelm

Neue Fahrgäste - auch durch günstige Preise

Die neue Verbindung ist die zweite Flixtrain-Linie durch Thüringen. Seit Ende 2019 führt eine Flixtrain-Linie von Stuttgart über Eisenach und Gotha nach Berlin.

Nach Angaben des Chefs der Flixtrain-Muttergesellschaft Flixmobility, Andre Schwämmlein, soll der Flixtrain Kunden erreichen, die bisher mit dem Auto oder über Mitfahrgelegenheiten gereist sind. Die Flixtrain-Züge sind laut Fahrplan ähnlich schnell unterwegs wie die Züge der Deutschen Bahn. Preislich liegt Flixtrain aber unter der Konkurrenz. Das Angebot soll wachsen und mit dem Fernbusnetz verknüpft werden, das Flixmobility unter der Marke Flixbus anbietet.

Nächtliche Züge, aber keine Liegewagen

Die "neuen" Flixtrain-Züge auf der Strecke München - Hamburg sind komplett überholte Interregio-Wagen. Das Design ist modern, der Komfort eher auf Zweckmäßiges reduziert. Erste Klasse, Bordbistro und Abteile gibt es nicht. Auch keine Klimaanlage, dafür lassen sich aber die Fenster öffnen. Die Beleuchtung ist mit LED-Licht modern und hell, dazu kommen W-LAn und Steckdosen mit USB-Ladeanschlüssen am Sitz. Platz für Handgepäck ist über den Sitzreihen, die in zwei Doppelsitzreihen keinen Platz zum Liegen bieten. Plätze für Rollstühle sind vorhanden, die Einstiege in die Wagen haben Stufen.

Im Wagon einer Flixtrain zwischen Berlin und Hamburg
Die "neuen" Flixtrain-Züge sind überholte Interregio-Wagen. Bildrechte: MDR/Uwe Kelm

Quelle: MDR THÜRINGEN/the

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 18. Juni 2021 | 10:00 Uhr

13 Kommentare

Peter Mueller vor 17 Wochen

Ich teile ihre Kritik an der Vergabepraxis im Nahverkehr. Aber der "Wettbewerb" im Nahverkehr ist immer noch besser, als - wie im Fernverkehr - das Angebot dem Markt zu überlassen mit dem Ergebnis, dass in vielen Regionen gar nichts mehr fährt und der Taktverkehr immer mehr unter die Räder gerät. Und auch im Fernverkehr ist der Komfort eher auf dem absteigenden Ast, siehe ICE4 und IC2. Nein, wenn wir ein verlässliches und gutes Angebot im Fernverkehr haben wollen, dürfen wir die Entscheidung nicht länger den Unternehmen überlassen, wann, wo und mit was sie fahren wollen, sondern es braucht politische Vorgaben. Diese über ein wettbewerbliches Vergabeverfahren umzusetzen, bei dem nicht mehr das billigste, sondern das beste Angebot gewinnt, wäre nicht die schlechteste Variante.

Peter Mueller vor 17 Wochen

Hätte er lieber im Bettchen bleiben und damit sein Desinteresse am neuen Fernzug demonstrieren sollen? Natürlich ist das Flixzeugs nicht viel wert, aber es ist wenigstens ein Angebot.

Ritter Runkel vor 17 Wochen

Also es wirkt schon bitterprovinziell, wenn man als Oberbürgermeister der "Lichtstadt" Jena zur Nachtzeit den Flixtrain am Bahnhof empfängt, um Tassen zu verschenken. Vom ICE Netz gekappt worden zu sein, hat Jena nicht verdient, aber nun gleich jede Bimmelbahn zu huldigen, irgendwie ja niedlich gemeint, aber hm ....

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