Fraunhofer-Institut Jena: Grundstein für neues Gebäude für Quantenforschung gelegt

In Jena wird an der Technologie der Zukunft geforscht: Quantenkommunikation. Mit Hilfe winziger Lichtteilchen soll dabei der Austausch von Daten sicherer gemacht werden. Für die Forschung entsteht derzeit ein neues Gebäude nahe des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik.

Grundsteinlegung für neues Forschungsgebäude in Jena
Grundsteinlegung für neues Forschungsgebäude: Ministerpräsident Bodo Ramelow (Links, zweiter von links) und Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD, vierter von links) reisten zu der Feierstunde auf den Jenaer Beutenberg. Bildrechte: MDR/Fraunhofer IOF

Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) in Jena bekommt ein weiteres Forschungsgebäude. Am Donnerstagvormittag wurde dafür symbolisch der Grundstein gelegt.

Der Bau mit neuen Labor- und Reinraumflächen soll innerhalb von zwei Jahren neben den bisherigen IOF-Gebäuden auf dem Beutenberg entstehen. Die Kosten von 23 Millionen Euro teilen sich Bund und Land Thüringen. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sprach von einem weiteren wichtigen Impuls für die gesamte Jenaer Forschungslandschaft und darüber hinaus.

Sichere Übertragung von Bank- oder Patientendaten

In diesem dritten Erweiterungsbau des Instituts soll unter anderem zur Quantentechnologie geforscht werden, um künftig einen besonders sicheren Datenaustausch zu ermöglichen. Mögliche Anwendungen sind Bankgeschäfte oder die Übertragung von Patientendaten. Auch Hackerangriffe auf Firmen und Verwaltungen sollen mit Quantenkommunikation schwieriger werden.

Wolfgang Tiefensee 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mo 31.05.2021 19:00Uhr 02:04 min

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Es soll aber auch die Quantenbildgebung weiterentwickelt werden. Sie kann zum Beispiel die schädliche Wirkung von Röntgenstrahlen minimieren. Darüber hinaus wird am Fraunhofer IOF Hardware für modernste Quantencomputer entwickelt. Sie können sehr viel schneller arbeiten und effizienter Probleme lösen als konventionelle Rechner.

Was ist Quantenkommunikation? Quanten gelten als die kleinsten und nicht mehr teilbaren Einheiten, die physikalische Wechselwirkungen hervorrufen. Photonen, die kleinsten Teilchen des Lichts, zählen auch zu den Quanten. In der Quantenwelt gelten eigene physikalische Gesetze, die unserem Alltagswissen zum Teil widersprechen und bis heute nicht komplett verstanden sind.

Dank ihrer besonderen Eigenschaften können diese Licht- und Energiebausteine von Forscherinnen und Forschern vielfältig genutzt werden. Die in Jena entwickelte verschränkte Photonenquelle ist im Grunde ein Erzeuger für sichere Schlüssel für Kommunikation. Vor der Datenübertragung zwischen Sender und Empfänger werden zwei Lichtquanten zunächst so erzeugt, dass sie miteinander verbunden sind. Danach werden diese winzigen Lichtteilchen getrennt voneinander auf die Reise geschickt.

Über eine Messung von Photonen auf beiden Seiten kann man anschließend feststellen, ob ein ausgetauschter Schlüssel geheim und damit sicher ist. Nur nachweislich sicheres Schlüsselmaterial kann so für die Kommunikation genutzt werden. Der Clou: Datensicherheit wird damit physisch messbar.

Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) geht davon aus, dass Thüringen auch dank des Fraunhofer IOF zu einem der bundesweit führenden Standorte im Bereich der Quantentechnologien und der -kommunikation wird. Entstanden sei bereits ein Netzwerk zur Quantenforschung, an dem Einrichtungen aus Jena, Erfurt und Ilmenau beteiligt sind.

Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums fördert das Land die Quantenforschung, einschließlich schon laufender Projekte, bis Ende 2024 mit rund 35 Millionen Euro. Insgesamt fließen fast 100 Millionen Euro aus Landes- und Bundesmitteln in das Forschungsgebiet in Thüringen.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/uka, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. Juli 2021 | 13:00 Uhr

5 Kommentare

Stealer vor 9 Wochen

@Kalkbrenner: Das IOF wurde 1992 gegründet, das hat mit der jetzigen Landesregierung nichts zu tun.

Die Sache ist bei den Instituten von Fraunhofer, Max Planck, Leibniz und Helmholtz in Jena die, dass sie eng mit der Universität verzahnt sind, auch personell - teils auch der Fachhochschule und ansässigen Unternehmen. Daher sind nur Standorte in oder nahe Jena realistisch.

Zudem ist die Konzentration von Ausbildung, Forschung und Praxis auch der Standortvorteil von Jena und zieht Mitarbeiter, Studenten und Unternehmen an, die sonst nicht unbedingt nach Thüringen kommen würden.

Es gibt übrigens auch einen Fraunhofer-Standort in Hermsdorf (Schwerpunkt Keramik), aber auch das wegen des Standortes (ehemalige HESCHO bzw. KWH) und nicht wegen der Förderung des ländlichen Bereiches.

Kalkbrenner vor 9 Wochen

Der wohlhabende und jetzt schon mit zu wenig Wohnraum ausgestattete Standort Jena freut sich und der ländliche Raum in Thüringen schaut mal wieder in die Röhre. So sehr ich mich für das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) in Jena freue, wäre es doch im Rahmen einer sinnvollen Wirtschafts- und Strukturpolitik im Saale-Orla-Kreis, im SHK oder im Altenburger Land besser aufgehoben gewesen um dort sichere Arbeitsplätze zu schaffen, neue Impulse zu setzen und Firmen in diese Regionen zu locken. Der rot-rot-grünen Minderheitsregierung sei gesagt: so geht keine vernünftige Strukturpolitik im Sinne der Bürger und des Freistaates.

Fakt vor 9 Wochen

@Graf:

Würde jeder so kurz denken wie Sie - und das seit hunderten von Jahren - möchte ich nicht wissen, wie die Welt heute aussähe.

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