Mehrere Menschen halten ein Transparent mit der Aufschrift "Ausbildung statt Ausbeutung"
In Jena haben am Dienstag angehende Medizinerinnen und Mediziner für eine bessere praktische Ausbildung demonstriert. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Friedrich-Schiller-Universität Jenaer Medizinstudierende demonstrieren für bessere praktische Ausbildung in Kliniken

19. Juni 2024, 01:12 Uhr

Rund 100 Studierende der Friedrich-Schiller-Universität haben in Jena für eine bessere praktische Ausbildung an Kliniken demonstriert. Sie fordern unter anderem höhere Aufwandsentschädigungen und fairere Bedingungen.

In Jena haben am Dienstagnachmittag rund 100 Studierende der Friedrich-Schiller-Universität für eine bessere praktische Ausbildung an Kliniken demonstriert. Die zukünftigen Medizinerinnen und Mediziner forderten eine höhere Aufwandsentschädigung während des praktischen Jahres, angelehnt an den Bafög-Höchstsatz. Außerdem wollen sie durchsetzen, dass sie im Krankheitsfall oder während der Prüfungsvorbereitung keinen Urlaub mehr nehmen müssen.

Bundesverband bemängelt unzureichende Ausbildung

Aktuell werden laut Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (BVMD) viele Studierende auf den Stationen nur unzureichend ausgebildet. Oft müssten sie wegen Personalknappheit Arbeiten ausführen, die eigentlich von Pflegerinnen und Pflegern erledigt werden. Außerdem müssten sie während krankheitsbedingter Abwesenheit oder während der Vorbereitung auf das dritte Staatsexamen Urlaub nehmen. Mehrere Redner forderten deshalb am Dienstag auch einen Mindestabstand von vier Wochen zwischen dem praktischen Jahr und der Abschlussprüfung des Medizinstudiums.

Protest für bessere Bezahlung

Nicht nur in Jena, auch in weiteren Städten finden in dieser Woche Protestaktionen statt. Der BVMD beklagt, dass viele Studierende im praktischen Jahr keine oder nur eine geringe Aufwandsentschädigung erhalten. Viele könnten davon nicht einmal ihre Miete zahlen und müssten trotz Vollzeitpraktikum noch Nebenjobs ausüben. Dadurch litten zwischen 20 und 35 Prozent der zukünftigen Ärztinnen und Ärzte im praktischen Jahr an Burn-Out. Der BVMD fordert deshalb, die ärztliche Ausbildung neu zu regeln und Verbesserungen festzuschreiben.

MDR (cfr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. Juni 2024 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

DIT vor 3 Wochen

@ MDR-Team:

Hier ist das Thema exakt getroffen:

Die PJ-ler kämpfen dafür, eine Vergütung in Höhe des Bafög-Höchstsatzes von ca. 930 EUR zu bekommen. Dies entspricht in Universitätsstädten ungefähr dem Bürgergeldsatz (mit Unterkunft), einer Sozialleistung (keine Lohnersatzleistung).

Sollen die PJ-ler tatsächlich weniger bekommen? Das ist praktisch nicht zu rechtfertigen.

pepe79 vor 3 Wochen

Ja hier werden wieder die schwächsten Glieder der Kette ausgebeutet, vor allem in den großen Kliniken. In kleinen Kliniken ist die Ausbildung meist ganz gut. Ich empfehle allen Studies das PJ Ranking zu nutzen und für ihr praktisches Jahr oder Famulaturen dort nur Abteilungen mit den Noten 1-2 zu wählen.
Mit den Füßen Abstimmen bewirkt etwas!
Irgendwann um 2012 rum hatte die Uniklinik Jena mal in einem Tertial damals nur einen einzigen PJ Studenten! Da herrschte dann Panik. Der Grund, alle anderen Kliniken haben eine Aufwandsentschädigung gezahlt, die Uni nicht. Die Uniklinik wollte damals sogar dem Helios Klinikum in Erfurt den Status des Lehrkrankenhaus entziehen, kam aber damit glücklicherweise nicht durch und begann auch eine Aufwandsentschädigung zu zahlen.

Leider wird vergessen das man oft neben der Vollzeittätigkeit im PJ seinen Nebenjob nicht nachgehen kann mit dem man sich im Studium mit finanziert hat.

MDR-Team vor 3 Wochen

Kleiner Exkurs: Der Höchstsatz des Bürgergelds für eine alleinstehende Person liegt seit dem 01.01.2024 bei 563€, man darf zwar nebenher arbeiten, aber bei einer Beschäftigung mit einem Einkommen zwischen 520 und 1.000 Euro auch nur 30 Prozent davon behalten.
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/faq-zum-buergergeld-2149774

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