Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWelt
Jochen Wiechen tritt im Sommer als Chef des Unternehmens ab. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Schwarze Zahlen

Software-Schmiede Intershop aus Jena profitiert von der Krise

von Florian Girwert

Stand: 17. Februar 2021, 19:23 Uhr

Intershop Communications aus Jena hat im vergangenen Jahr den Umsatz gesteigert und erstmals seit Jahren Gewinn erwirtschaftet. Nach Jahren roter Zahlen ist das für den Software-Pionier eine Befreiung. Corona hat hier nicht geschadet - im Gegenteil. Der Trend zu immer mehr Online-Shopping ist auch im Firmenkundenbereich ungebrochen. Davon profitieren die Jenaer. Die haben gerade einen Orts-Wechsel hinter sich und einen Chef-Wechsel vor sich.

Bei den E-Commerce-Pionieren der Intershop Communications AG aus Jena überschlagen sich die Neuigkeiten. Seit Jahren von immer wieder neuen Krisen geschüttelt, verschliss das Unternehmen aus Jena mehrere Vorstände. Dann trat Jochen Wiechen 2013 ins Unternehmen ein. Der frühere SAP-Manager stieg 2015 zum Vorstandschef auf - und kann noch rechtzeitig vor seinem Ruhestand erstmals schwarze Zahlen vorweisen. "Ein richtig gutes Jahr", sagt er.

Dabei hatte 2020 nicht gut angefangen. Intershop verbrannte viel Geld. Deshalb mussten sogar Aktien des Unternehmens zusammengelegt werden, damit die Firma das darin enthaltene Grundkapital nutzen konnte. Denn längst ist Intershop kein  Börsenstar mehr. Zwar bekam die Software regelmäßig Experten-Lob für ihre Funktionalität. Aber für Auszeichnungen kann man sich nun mal nichts kaufen.

Ihr Browser unterstützt kein HTML5 Video.

Das Video wird geladen ...

Intershop im Aufwind

Lange wollte man Unternehmen teure und große Lizenzen der eigenen Software verkaufen, mit denen die Unternehmen dann ihre Online-Shops steuern können. Doch Software wird seit Jahren immer weniger gekauft und immer häufiger als Komplettpaket gemietet - inklusive Wartung und Updates.

Intershop: Mieten statt kaufen

Auf dieses Modell hat Intershop nun seit einigen Jahren umgestellt - und rutschte trotzdem immer tiefer in die roten Zahlen. Im Jahr 2019 waren es fast sieben Millionen Euro Verlust bei einem Umsatz von 31,6 Millionen. Der Grund: Wenn Software vermietet wird, kommt zunächst weniger in die Kassen als bei einem Verkauf. Dafür aber ist der Umsatz für die Jenaer über Jahre gesichert. Der Anteil dieses Geschäfts ist zuletzt immer weiter gestiegen, konnte aber die Einbußen beim Verkauf nicht auffangen.

Inzwischen trägt das Geschäftsmodell. 2020 stieg der Umsatz leicht auf 33,6 Millionen Euro - und unterm Strich blieb knapp eine Million Euro Gewinn übrig. Da passt der Umzug raus aus dem mondän wirkenden ehemaligen Uni-Turm in Jena gut ins Bild.

Jenaer Turm-Zimmer genügten nicht mehr

Die Räume dort galten als unpraktisch, eng und unflexibel. "Das ist im neuen Gebäude anders", sagt Olaf Beer. Er koordiniert den Umzug für Intershop, der nur formell abgeschlossen ist. "Die Infrastruktur steht bereit", sagt er. Wände könnten verschoben werden. Wer lange telefoniert, findet dafür schalldichte Kabinen mit Tisch und Stuhl, damit Kollegen nicht gestört werden. Es gibt jetzt größere Sozialräume und Möglichkeiten, Sport zu treiben.

Olaf Beer ist verantwortlich für den Umzug bei Intershop. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Doch im Moment arbeiten gut 90 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice. Das funktioniere auch ziemlich gut, sagt Vorstand Markus Klahn, der nach der Hauptversammlung im Mai die Führung übernehmen wird. Auch der Vertrieb funktioniere virtuell durchaus gut.

"Wir haben in diesem abgelaufenen Wirtschaftsjahr 16 Millionen Euro Auftragseingang verzeichnen können und 90 Prozent der Kunden nie persönlich getroffen. Wir haben alle Meetings und alle Präsentationen virtuell stattfinden lassen."  Das könnte zu den Veränderungen gehören, die die Pandemie langfristig in der Wirtschaft hinterlässt - weniger Dienstreisen.

Führen per Video

Markus Klahn steigt vom zweiten Mann zum alleinigen Vorstand auf. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Vorstand Klahn ist normalerweise einmal pro Quartal in Australien oder den USA gewesen, um sich mit dem Vertrieb vor Ort abzustimmen. "Aus bekannten Gründen ist Reisen natürlich nicht möglich", so Klahn. "Aber wir haben einen Weg gefunden, diese Einheiten von hier erfolgreich über moderne Videokonferenz-Systeme zu steuern. Der Erfolg gibt uns Recht."

Den Aktionären gefällt der Erfolg: Der Aktienkurs hat sich gegenüber dem Tief im vergangenen März beinahe verdreifacht. Und was macht Jochen Wiechen nach der Hauptversammlung im Mai, die sein letzter öffentlicher Auftritt als Intershop-Chef sein soll?

"Ich habe dann endlich mehr Zeit für Sport und Musik", sagt er. Mit Mitte 60 sei das angemessen - das Unternehmen sieht er jetzt gut aufgestellt und die Nachfolge in seinem Sinne geregelt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. Februar 2021 | 19:00 Uhr

Kommentare

Laden ...
Alles anzeigen
Alles anzeigen

Mehr aus der Region Jena - Apolda - Naumburg

Inhalte werden geladen ...
Keine weiteren Inhalte vorhanden.
Alles anzeigen

Mehr aus Thüringen

Inhalte werden geladen ...
Keine weiteren Inhalte vorhanden.
Alles anzeigen