Wirtschaft Jenoptik sucht Quereinsteiger - Vorstand schraubt Erwartungen für 2022 hoch

Die Militärsparte ist verkauft, das Optikgeschäft brummt: Der Vorstand des Thüringer Jenoptik-Konzerns erwartet ein gutes Jahr - vorausgesetzt, das Unternehmen findet weitere Mitarbeiter und erhält weiterhin Glas für seine Optiken.

Fahnen mit dem Logo von Jenoptik.
Der Hauptsitz der Jenoptik AG befindet sich in Jena. Bildrechte: dpa

Der Thüringer Technologiekonzern Jenoptik setzt wegen fehlenden Fachpersonals zunehmend auf Quereinsteiger. Vorstandschef Stephan Traeger sagte MDR THÜRINGEN, die weltweiten Krisen und Lieferkettenprobleme hätten für Jenoptik vergleichsweise geringe Auswirkungen, Hauptthema sei die händeringende Suche nach neuen Mitarbeitern.

Jenoptik sucht auch Zahntechniker, Uhrmacher, Automechaniker

Jenoptik sucht derzeit unter anderem 100 neue Mitarbeiter für die Optikfertigung in Jena, Dresden und Berlin. Dafür wird laut einer Unternehmenssprecherin speziell um Quereinsteiger geworben. Feinoptiker-Stellen könnten beispielsweise mit ausgebildeten Zahntechnikern, Uhrmachern oder Automechanikern besetzt werden.

Für notwendige Umschulungen arbeite Jenoptik eng mit dem Jenaer Bildungszentrum zusammen. Binnen einem Jahr hat Jenoptik die Mitarbeiteranzahl in Jena um 99 auf 1.478 gesteigert. Weltweit beschäftigt das börsennotierte Unternehmen aktuell 4.300 Menschen.

Jenoptik hebt Geschäftsprognose für 2022 an

Aktuell profitiert Jenoptik von vielen Bestellungen aus der Halbleiterindustrie und hebt die Geschäftsprognose für 2022 entsprechend an. Erwartet werde nach einem "hervorragenden ersten Halbjahr" nun ein Umsatz zwischen 930 und 960 Millionen Euro bei weiter verbesserter Profitabilität, sagte Vorstandschef Traeger. Ursprünglich waren mindestens 900 Millionen Euro angepeilt worden. 2021 lag der Umsatz noch bei 751 Millionen Euro.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres verbuchte der börsennotierte Konzern den Angaben zufolge einen Umsatz von 447,2 Millionen Euro - ein Plus von rund 36 Prozent. Die Auftragsbücher füllten sich, auch durch Bestellungen aus der Medizintechnik und anderen Industriebereichen. Der Auftragseingang habe nach Unternehmensangaben etwa 37 Prozent über dem Vorjahreszeitraum gelegen.

Jenoptik will Abhängigkeit von Gas verringern

"Wichtig ist, dass die Glasindustrie weiter produzieren kann. Dann kommen wir gut durch das Jahr", sagte Traeger weiter. Jenoptik braucht Glas für seine optischen Geräte und Ausrüstungen. Derzeit wird an Konzepten gearbeitet, um die Abhängigkeit von Gas zu verringern. Denn eine stabile Energieversorgung ist wichtig für die Glasindustrie, die einen ihrer Schwerpunkte in Thüringen hat.

Die Produktionskapazitäten für die Halbleiterindustrie werden indes in Dresden erweitert. Etwa 70 Millionen Euro sollen in eine Fabrik fließen, in der Mikrooptiken und Sensoren gefertigt werden sollen.

Militärtechniksparte im Sommer 2022 verkauft

Ende Juni hatte Jenoptik seine Militärtechniksparte endgültig verkauft. "Wir können nicht alles gleichzeitig machen", sagte Traeger. Der Konzern wolle sich auf sein Kerngeschäft mit Optik und Lasern konzentrieren. Die Militärsparte, die unter der Dachmarke Vincorion zusammengefasst ist, ging an einen Fonds des britischen Finanzinvestors Star Capital Partnership.

MDR (mm), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN | 10. August 2022 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Freies Moria vor 6 Wochen

@Peter: Timing ist in der Wirtschaft alles. Die Katastrophe liegt vor uns, der Vorgeschmack Corona ging gerade nochmal gut. Ausser für die vielen Betriebe die wegen Maßnahmen endgültig den Bach runtergingen - das sind viel viel mehr als die 2 die Sie hier erwähnen.
Vielleicht liegt es also auch daran, daß nur 2 positive Berichte und keine negativen Berichte kamen, das Großbetriebe mit Milliarden gerettet wurden und kleine geschlachtet...

Peter vor 6 Wochen

Irgendwie komisch: Da behaupten einige Herrschaften, die deutsche Wirtschaft ginge den Bach runter. High-Tech gäbe es überhaupt nicht mehr.
Und da flattern uns heute diverse Nachrichten ins Haus, welche genau das Gegenteil bedeuten. In Dresden wird die Chip-Produktion bis nächstes Jahr verdreifacht. In Jena wird die Gewinnprognose angehoben.
Und dann noch die TUI: Die Deutschen machen Urlaub wie vor Corona. Das Unternehmen ist auf gutem Weg. Dank Staatshilfe wurden auch tausende Arbeitsplätze gerettet.
Was stimmt denn nun? Der Niedergang der deutschen Wirtschaft kann es wohl angesichts der positiven Meldungen aus den Unternehmen nicht sein.

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