Staatsanwaltschaft ermittelt Umstrittenes Kotdiamanten-Projekt: Ermittlungen gegen Ex-Chef von Jenakultur

Erster aus menschlichen Fäkalien produzierter Diamant inmitten von Impfdiamanten aus Künstlerkot, 2021
Darum sollte es gehen: Ein aus menschlichen Fäkalien produzierter Diamant inmitten von Impfdiamanten, die aus der DNA des Künstlers gefertigt wurden. (Archivbild) Bildrechte: picture alliance/dpa/Michael Huwiler | Michael Huwiler

Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelt gegen den ehemaligen Werkleiter von Jenakultur, Jonas Zipf. Wie Pressesprecher Thomas Riebel bestätigte, läuft gegen Jonas Zipf ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue. Hintergrund ist ein umstrittenes Kunst-Projekt mit Kotdiamanten. Zuerst hatte die "OTZ" über das Verfahren berichtet.

Finanzierung des Projekts "The Diamond Maker" wird untersucht

Hintergrund ist demnach das Projekt "The Diamond Maker" mit dem Schweizer Künstler Christoph Büchel: Dabei soll Büchels Gesamtwerk mit dessen Kot verbrannt werden, um daraus Diamanten zu pressen.

Zipf soll die Verträge zu einem Zeitpunkt unterschrieben haben, als die Finanzierung nicht geklärt war. Es geht um insgesamt 299.000 Euro, davon 180.000 Euro Fördermittel des Bundes.

Portrait von Jonas Zipf, Werkleiter von JenaKultur. Er hat das Theaterfestival "Kein Schlussstrich" von Jena aus vor zwei Jahren mitinitiiert.
Jonas Zipf, Ex-Werkleiter von JenaKultur. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Untreue (Archivfoto). Bildrechte: Tina Peißker

Hat Zipf Kompetenzen überschritten?

Im Haushaltsplan 2021 soll Zipf eine mündliche Zusage der Kulturstiftung vermerkt haben - dabei soll diese eine Förderung bereits abgesagt haben. Die Staatsanwaltschaft soll nun ermitteln, ob Zipf seine Kompetenzen überschritten hat.

Als Werkleiter durfte er Verträge nur bis 10.000 Euro schließen. Die Stadt hatte Zipf schon im April angezeigt. Im Mai verließ der Ex-Werkleiter Jena Richtung Hamburg und arbeitet dort nun als Kaufmännischer Geschäftsführer beim Theater Kampnagel.

Büchel wiederholt mit provokanten Aktionen

Künstler Christoph Büchel ist für provokante Aktionen bekannt. 2019 sorgte er auf der Biennale in Venedig für Gesprächsstoff, als er ein Schiffswrack ausstellte, mit dem Hunderte Flüchtlinge von Libyen aus nach Europa hatten gelangen wollen. Doch schätzungsweise 800 Menschen starben. Vier Jahre zuvor musste ein Moschee-Kunstprojekt in einer Kirche für die Biennale schließen. Büchel hatte für den isländischen Pavillon eine Moschee in einer ehemaligen katholischen Kirche gebaut. 2010 richtete der Künstler einen Swingerclub in der Wiener Secession ein. Und auch die goldene, vier Meter große Statue des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan bei der Biennale in Wiesbaden 2018 ging laut einer Sprecherin auf Büchels Kappe.

MDR (fh/jw/dpa)

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 21. September 2022 | 08:30 Uhr

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