NSU-Prozess Schluss-Plädoyer von Zschäpes Pflichtverteidigern zieht sich hin

Drei Anwälte, drei Tage - so war die ursprüngliche zeitliche Kalkulation der NSU-Prozess-Beobachter. Bisher hat aber erst einer der sogenannten Altverteidiger von Beate Zschäpe seine Ausführungen abgeschlossen. Mit dem letzten Schlusswort der Anwälte wird nun - frühestens - Ende nächster Woche gerechnet.

Die Zschäpe-Altverteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm wollen beweisen, dass die Hauptangeklagte mit den terroristischen Taten des NSU - zehn Morden und drei Anschlägen - nichts zu tun hat. Drei Tage lang legte Anwalt Heer dazu dar, dass die Brandstiftung an der letzten bekannten Wohnadresse des NSU-Trios aus Sicht der Verteidiger nicht als schwere Brandstiftung und versuchten Mord in drei Fällen zu bewerten sei.

Recht auf faires Verfahren

Wolfgang Heer
Zschäpe-Altverteidiger Wolfgang Heer Bildrechte: imago/Sebastian Widmann

Zschäpe hatte zugegeben, das Feuer in dem Mehrfamilienhaus gelegt zu haben, um Beweise zu vernichten. Allerdings soll sie an der Tür einer älteren Nachbarin geklingelt haben, um sie zu warnen. Ob es sich so zugetragen hat, konnte im Verfahren nicht geklärt werden.

Die Hausmitbewohnerin wurde erst zwei Jahre nach dem Brand im November 2011 befragt, als sie wegen ihres fortgeschrittenen Alters und Gesundheitszustandes nicht mehr vernehmungsfähig war. Anwalt Heer warf dem Gericht deshalb ein unfaires Verfahren vor. Die Verteidiger hätten 2011 auf eine Zeugenvernehmung gedrängt, weil sie wegen des Alters der Frau einen Beweismittelverlust befürchtet hätten.

Neues Brandgutachten beantragt

Heer beantragte außerdem erneut ein neues Brandgutachten. Damit solle geklärt werden, ob zwei damals im Haus tätige Handwerker durch ein Feuer in einer Wohnung überhaupt gefährdet gewesen wären. Die Verpuffung, die es gab, habe die Angeklagte nicht beabsichtigt, so der Anwalt.

Erwartet wird Ablehnung durch Gericht

Langjährige Prozessbeobachter gehen davon aus, dass das Oberlandesgericht auf den Antrag nicht eingehen wird. Die Anwälte gaben auch keine Begründung dafür, warum dieser Antrag erst zu diesem späten Zeitpunkt gestellt wurde. Die Beweisaufnahme im NSU-Prozess wurde offiziell bereits vor einem Jahr abgeschlossen.

Aus Sicht der NSU-Opfer und ihrer Angehörigen ist es geschmacklos, stundenlang über Details einer Brandstiftung zu philosophieren, die für die Gesamtstrafe, die Zschäpe zu erwarten hat, kaum von Bedeutung ist.

Björn Elberling, Nebenklage-Anwalt

Empörung bei den Nebenklägern

Nebenklage-Anwälte reagierten auf die Ausführungen Wolfgang Heers empört. Den Zschäpe-Altverteidigern, die sich schon vor Jahren mit ihrer Mandantin überworfen haben, gehe es nur noch um Selbstdarstellung, sagte Rechtsanwalt Björn Elberling dem BR. Elberling vertritt die Geschädigten des Bombenanschlags in der Kölner Keupstraße.

Quelle: Thies Marsen, Bayerischer Rundfunk

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. Juni 2018 | 21:00 Uhr

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