Rasenmühleninsel Nach Ruhestörung: Im Jenaer Paradies bleibt es friedlich - Diskussion um Freiräume

Nachdem es im Jenaer Paradies am Freitag vergangener Woche zu Ruhestörungen und Angriffen auf Ordnungsamts-Mitarbeiter gekommen war, verlief die Nacht zum Samstag in dieser Woche friedlich. Die Stadt setzte nach eigenen Angaben auf Deeskalation und Dialog. Das Raumproblem in der Saalestadt bleibt dennoch ungelöst.

Feiernde auf der Rasenmühleninsel
Auf der Rasenmühleninsel im Jenaer Paradies blieb es in der Nacht zum Samstag friedlich. Nach Polizeiangaben hatten sich über 1.000 Menschen versammelt. Bildrechte: MDR/Christian Franke

Im Paradies ist Frieden eingekehrt. So könnte in Jena das Fazit der vergangenen Nacht aussehen. Am Freitag vergangener Woche hatten im Jenaer Stadtpark rund 2.000 junge Menschen lautstark gefeiert. Dabei kam es zu Ruhestörungen und Auseinandersetzungen mit Polizei und Ordnungsamt. Im Vergleich dazu verlief die Nacht zum Samstag in dieser Woche friedlich.

Keine größere Lärmbelästigung im Paradies

Nach den Geschehnissen zog Jena Konsequenzen und verschärfte die Kontrollen rings um den Volkspark Oberaue. Große Bass- und Musikboxen, die im Wesentlich verantwortlich für den hohen Lautstärkepegel waren, sollten so gar nicht erst in den Park gelangen. Der Plan ging auf. Bereits in der Woche war es nicht zu ähnlichen Vorfällen gekommen und in der Nacht zum Samstag wurden auf der Rasenmühleninsel etwa 45 Dezibel gemessen. Laut Sicherheits- und Ordnungsdezernent Benjamin Koppe (CDU) waren es am Freitag der vergangenen Woche ganze 85 Dezibel.

Im Vergleich zu letzter Woche ist es wirklich eine gute Situation. Aus städtischer Sicht bin ich völlig zufrieden.

Benjamin Koppe Freitagabend im Paradies-Park

Stadt Jena zeigt Verständnis

Aufseiten der Stadt habe man durchaus Verständnis für die Feiernden, sagte Koppe am Freitagabend. Wie bereits in der vergangenen Woche machte er sich vor Ort selbst ein Bild der Situation. Es sei nichts Neues, dass sich junge Menschen auf der Rasenmühleninsel zum Feiern treffen. Durch die Corona-Pandemie hätten sie während des Lockdowns auf Vieles verzichten müssen. Der Rahmen müsse allerdings gewahrt bleiben. Angriffe auf Polizei und Ordnungsamt seien inakzeptabel.

Schild im Paradies-Park
Beschilderung im Paradies-Park ruft zu gegenseitiger Rücksichtnahme auf. Bildrechte: MDR/Christian Franke

Vorgehen mit Fingerspitzengefühl

Laut Koppe sei im Umgang mit der Situation Augenmaß gefragt. Jena setze klar auf Deeskalation und Dialog statt auf die harte Hand. Jagdszenen zwischen Polizei und Jugendlichen, wie es sie in anderen Städten wie Hamburg oder Heidelberg gegeben habe, wolle man vermeiden.

Es ist eine schwierige Situation und es ist schön für alle, auch wieder miteinander zusammenkommen zu können.

Benjamin Koppe Freitagabend im Paradies-Park

Dafür werde die Stadt eine sogenannte "Bündelstrategie" verfolgen, sagte Koppe. Neben dem ordnungsbehördlichen Vorgehen wolle man auch Konzepte für den Paradiespark schaffen. Die Stadt wolle raumplanerisch aktiv werden und Alternativen schaffen.

Feiernde auf der Rasenmühleninsel
Alles friedlich: Polizei und Ordnungsamt hatten die Situation unter Kontrolle. Bildrechte: MDR/Christian Franke

Ein altes Jenaer Problem

Dass Raum zu schaffen in Jena gar nicht so leicht ist, weiß Felix Blumenstein vom Beirat Soziokultur. Die Corona-Pandemie habe das Raumproblem lediglich verstärkt. Laut Blumenstein war es für Jugendliche und junge Erwachsene in der Saalestadt auch schon vor der Pandemie schwierig, Räume zu finden, sich zu entfalten und "auch mal schrill sein zu dürfen". Und das nicht nur aufgrund der beengten geografischen Situation im Saaletal.

Ich denke, es ist schon eine Aufbruchsstimmung da. Aber so ein Aufbruch brauch eben auch Raum und Akzeptanz.

Felix Blumenstein Beirat Soziokultur

Die Thüringer Landes- und Kommunalpolitik stehe in dieser Frage schlecht da. Im Vergleich zu anderen Städten, die sich als Studierendenstadt bezeichnen, seien die Reglements in Jena sehr strikt und nähmen den Akteuren Möglichkeiten. Gemeinsam mit der Stadt werde im Rahmen einer Arbeitsgruppe geprüft, welche Freiflächen in Jena überhaupt existieren, die kulturell genutzt werden könnten.

Beirat Soziokultur

Im Jahr 2011 gründete die Stadt Jena, gemäß ihrem Kulturkonzept aus dem Jahr 2010, den Beirat Soziokultur. Er versteht sich als Mittler zwischen Freier Szene, Verwaltung und Politik. Er kann Empfehlungen an den Kulturausschuss der Stadt geben und sich damit für Belange der Soziokultur einsetzen.

Feiernde auf der Rasenmühleninsel
Im Sommer wird es auf der Jenaer Rasenmühleninsel immer voll. Bildrechte: MDR/Christian Franke

"Kulturnot": Demonstration am Samstag

Um für kulturelle Interessen zu demonstrieren, will sich Jenas freie Szene am bundesweiten Aktionstag "Kulturnot" beteiligen. Die Organisatoren rufen dazu auf, am Samstag hinter dem Paradiesbahnhof zu einer Tanzdemo zusammenzukommen.

Zu den Forderungen gehören der Schutz und der Erhalt bestehender Kulturräume sowie die Erschließung neuer Flächen, die kulturell genutzt werden können. Des Weiteren werden die Neubesetzung der Kulturdezernentenstelle und ein fester Sitz für den Beirat Soziokultur im Kulturausschuss der Stadt Jena gefordert.

Quelle: MDR THÜRINGEN/cfr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19. Juni 2021 | 06:00 Uhr

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