Corona-Studie Covid-19-Patienten können auf Rheuma-Medikamente hoffen

Zwei Rheuma-Medikamente, die bereits seit Jahren auf dem Markt sind, können die Überlebenschancen von Covid-Intensivpatienten erhöhen. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie mit 800 Patienten. Die Medikamente mildern die organschädigenden Entzündungen und retten damit Leben. Sie senken die Sterblichkeit der Patienten um acht Prozent.

Beine
Die Medikamente mildern die Entzündungen durch Corvid-19. Bildrechte: MDR/Uniklinikum Jena

Zwei Rheuma-Medikamente, die bereits seit Jahren auf dem Markt sind, können die Überlebenschancen von Covid-Intensivpatienten erhöhen. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie mit 800 Patienten. Das Uniklinikum Jena war an der Studie beteiligt. Sie wurde am Donnerstag im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Medikamente wirken entzündungshemmend

Das Ergebnis: Durch den Einsatz dieser Medikamente konnte die Sterblichkeit der Patienten um acht Prozent gesenkt werden. Die Hoffnung liegt auf den bereits bekannten Wirkstoffen Tocilizumab und Sarilumab.

Medikamentenschachteln
Das sind die untersuchten Präparate. Bildrechte: MDR/Uniklinikum Jena

Beide werden bei rheumatischer Arthritis eingesetzt. Diese Antikörper-Medikamente werden als Infusion verabreicht und wirken entzündungshemmend. Das ist für Covid-Intensivpatienten wichtig, denn sie leiden an einer Überreaktion des Immunsystems, das bis zum Organversagen führen kann. Die Medikamente mildern die organschädigenden Entzündungen und retten damit Leben. Diese Ergebnisse werden in neue Behandlungsempfehlungen auf Intensivstationen einfließen.

25 Intensivstationen aus Deutschland beteiligt

Die klinische Studie wurde von der sogenannten REMAP-CAP-Studiengruppe durchgeführt. Das ist ein weltweiter Zusammenschluss von Intensivmedizinern und Infektiologen aus 14 Ländern in Europa, Kanada, USA, Australien, Neuseeland und Saudi-Arabien. Der Forschungsverbund testet Medikamente, die bereits zugelassen sind. Allein in Deutschland nehmen 25 Intensivstationen an der Studie teil. Die deutsche Studienbeteiligung wird vom Uniklinikum Jena koordiniert.

Krankenwagen vor Krankenhaus
Das Uniklinikum Jena hat die deutsche Studienbeteiligung koordiniert. Bildrechte: MDR/Uniklinikum Jena

Wir brauchen die Ergebnisse jetzt. Wir können nicht ein halbes oder ein Jahr warten. Zeit rettet Leben.

Prof. Frank Brunkhorst

Prof. Frank Brunkhorst vom Jenaer Uniklinikum hat sich bewusst für diese weltweite Zusammenarbeit im Kampf gegen Covid entschieden, um schneller zu Ergebnissen zu gelangen. Er kritisiert die gegenwärtige Zersplitterung in der klinischen Forschung mit vielen kleinen Studien zu Covid-19. Prof. Brunkhorst sagt: "Wir brauchen die Ergebnisse jetzt. Wir können nicht ein halbes oder ein Jahr warten. Zeit rettet Leben."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. Februar 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Ritter Runkel vor 7 Wochen

Seitens der Politik wird doch schon die ganze Zeit auf die Virologen und Mathematiker mit ihren Modellen und Kurven gehört.
Kaum Gehör finden dagegen die wissenschaftlichen Disziplinen, die sich damit befassen, was die Einschränkungen mit den Menschen machen und wie sie sich vor allem auf die Motivation auswirken.
Bei Sprüchen wie "Zügel anziehen", "Daumenschrauben festdrehen" oder "auf der Bremse stehen", hat man bisweilen den Eindruck, dass komplett das Bewusstsein dafür verloren gegangen ist, dass man es mit Menschen und nicht mit einer Viehherde oder einem mechanischen Räderwerk zu tun hat.
Malu Dreyer hat vollkommen recht mit ihrer Forderung, dass endlich auch Geisteswissenschaftler*innen in die Expertenrunde gehören.

Ritter Runkel vor 7 Wochen

Es ist leider immer noch nicht klar, wie sich Coronainfektionen verbreiten. Bislang hat man nur untersucht, wie Corona übertragen werden kann, Aerosole sind eine der Möglichkeiten. Die genauen Verbreitungswege der Infektionen sind aber weiterhin unklar, man weiß schlichtweg immer noch nicht, wo die Infektionen in welchem Umfang stattfinden und welche Ansteckungsort vornehmlich die Pandemie vorantreiben.
Aerosole allein können eigentlich nicht der Hauptverbreitungsweg sein, denn gegen Vireninfektionen, die sich nachweislich vorwiegend auf diesem Wege verbreiten (Influenza, einige der anderen viralen Atemwegserkrankungen, Masern) helfen unsere Maßnahmen super, es gibt sie nämlich dieses Jahr praktisch gar nicht.
In den Sentinel-Proben des RKI zu viralen Atemwegserkrankungen spielen dieses Jahr neben Sars-CoV-2 und vereinzelten humanen Coronaviren nur durch Schmierinfektionen übertragene Rhinoviren eine Rolle. Insbesondere Influenza-Viren sind völlig verschwunden.

Ritter Runkel vor 7 Wochen

Leider wurden Therapien in der ganzen Zeit sträflich vernachlässigt, da man zu sehr auf die Impfung fixiert war. Es gibt ein paar interessante Ansätze bezüglich der Therapien, die sollten jetzt, da es ja endlich Impfstoff gibt, weiterverfolgt werden und angewendet werden. Zum Beispiel wurde in der Uni Gießen eine Schwachstelle im Spikeptotein gefunden, die man benutzen könnte, um das Virus am Replizieren zu hindern. Wenn man jetzt den Fokus auf Therapien richten würde, könnte man dem Virus Herr werden. Ich frage mich schon länger, warum Therapien nicht richtig erforscht wurden, weil meines Erachtens Impfung und Therapie Hand in Hand gehen sollten.

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