Corona-Pandemie Abiturprüfungen: Schüler aus Jena fordern Fokus auf bisherige Leistungen

Schon bald stellt sich die Frage, wie Schüler in Thüringen ihr Abitur machen sollen. Vornoten-Abitur ohne Prüfungen? Ganz normal? Oder nur ein bisschen normal? Eine Jenaer Schülerin will das mit einer Petition klären.

Ihr letztes Schuljahr war bisher - wen wundert es - alles andere als normal. Stella-Fee Steiner aus Jena hatte wie alle Zwölfklässler erst Präsenzunterricht, dann Home-Schooling, gefolgt von wöchentlichem Wechselbetrieb. Jetzt, knapp fünf Monate vor dem Abitur, sieht sie die Schule wieder kontinuierlich von innen. In diesem Gestolper war vernünftiges Lernen nicht möglich. "Wir kamen ja bereits mit einem Lern-Rückstand von sechs Monaten in das akuelle Schuljahr." Ein Defizit, dass sich nicht aufholen lässt, glaubt Stella-Fee Steiner.

Besorgter Blick auf Abiturprüfungen

Stella-Fee Steiner
Stella-Fee Steiner kämpft mit einer Petition für ein Vornoten-Abitur. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Die 18-Jährige geht in die Staatliche Berufsbildende Schule für Gesundheit und Soziales Jena und blickt mit Sorge auf die Abiturprüfungen, die coronabedingt erst ab Juni stattfinden sollen. Dass sie und ihre Mitschüler wirklich etwas mit den Prüfungsaufgaben anfangen können, bezweifelt sie. Deshalb macht sie sich für ein sogenanntes Vornoten- oder Durchschnittsabitur stark. "So wie ich das sehe, ist es nicht möglich, in dieser Lage Prüfungen durchzuführen. Eine Option wäre es, den Durchschnitt aus den bisherigen Noten der prüfungsrelevanten Fächern zu nehmen. In Thüringen würde der dann noch mit vier multipliziert und daraus würde sich dann die Prüfungsnote ergeben", erklärt die Jenaer Petitionärin die Idee des Vornoten-Abiturs.

Mit vier werden sonst die eigentlichen Noten der schriftlichen und mündlichen Prüfung multipliziert. Zusammen mit den Vornoten errechnet sich daraus dann die Durchschnittsnote des Abiturs. Aber darauf wollen Stella-Fee Steiner und ihre Mitstreiter ja verzichten. Zu viel Schulstoff sei coronabedingt liegengeblieben. Und der lasse sich nicht mehr aufholen.

Landesschülervertretung für angepasste Prüfungen

Wenn es um die bloße Beschreibung der Benachteiligungen durch Lockdowns und Home-Schooling geht, liegen die Jenaer Schüler mit der Landesschülervertretung auf einer Linie. Aber dann enden auch schon die Gemeinsamkeiten. Denn die Schülervertretung hat Sorge um den Ruf des kommenden Abiturjahrganges. Ein Verzicht auf Prüfungen würde die Hochschulzugangsberechtigung nicht entwerten, aber möglicheweise zweitklassig machen.

Leon Schwalbe
Leon Schwalbe, Sprecher der Landesschülervertretung, will Prüfungen, aber dezentral und mit mehr Auswahl. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Dieser Nimbus müsse vermieden werden. Deshalb brauche es an die Lage angepasste Prüfungen, fordert Leon Schwalbe. Der 16-Jährige ist Sprecher der Landesschülervertretung: "Wir wollen, dass es mehr Wahlaufgaben gibt, damit die Schülerinnen und Schüler das auswählen können, was sie wirklich können oder dass der Anteil an dezentralen Aufgabenstellungen höher ist, also dass die Schulen vor Ort bestimmen können, was in der Prüfung drankommt. Die Lehrerinnen und Lehrer haben die meiste Ahnung, was vermittelt wurde und was nicht."

Bisher normale Abiturprüfungen geplant

Diese Linie verfolgt übrigens auch das Bildungministerium. Die Situation sei wegen der Pandemie immer noch sehr unübersichtlich, aber bislang seien Prüfungen ab Juni geplant, erklärte ein Sprecher gegenüber MDR THÜRINGEN. Möglicherweilse gebe es mehr Wahlaufgaben. Nur im äußersten Notfall soll auf mündliche und schriftliche Abschlussprüfungen verzichtet werden. Entscheiden muss aber schlussendlich die Kultusministerkonferenz. Wann die Entscheidung kommt, ist noch unklar.

Bis dahin hängen die Abschlussjahrgänge in der Luft. Doch die Jenaer Schüler wollen Klarheit. "Ich hoffe einfach, dass uns die Entscheidungsträger die Unsicherheit nehmen. Denn mit Unsicherheit lässt sich nicht lernen", plädiert Steiner. Denn nach dem Abi kommt das Studium. Stella-Fee Steiner will Psychologie studieren. Der Numerus Clausus ist in diesem Fach hoch. Für die Jenaerin geht es bei ihrem Abiturdurchschnitt wirklich um Zehntel.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 02. Februar 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Erichs Rache vor 36 Wochen

"Schüler aus Jena fordern Fokus auf bisherige Leistungen"

Prima. Geht endlich auf die Barrikaden. Ihr habt geduldig mitmachen müssen, was die Politik verbockt hat. Dabei ist es Eure Zukunft, auf die keine Rücksicht genommen wurde

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 36 Wochen

...und an wen hat Frau Steiner ihre Petition gerichtet ?

An den Thueringer Bildungsminister, an den Thueringer Landtag, an das
zuständige Schulverwaltungsamt für Jena, an den Deutschen Bundestag,
an das Bundesbildungsministerium oder schon an die Europäische Union ?

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 36 Wochen

Da ist wohl ein ganz dickes Brett noch von den politisch Verantwortlichen zu bohren !? — während den jungen Menschen die Zeit davon zu laufen scheint...


Verständlich: der Wille der Schüler:innen.

Unklar: der Wille der Wirtschaft.

Behandlungsbedürftig: die gesundheitliche Situation im ganzen Lande.

Beratungsbedürftig: die Unterrichtsformen und die Kulturhoheit
der einzelnen Bundesländer...


Der Landtag muss liefern ! Heute noch !!

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