Essen für Hilfsbedürftige Tafel in Sorge: Es fehlt an Ehrenamtlichen

Seit Beginn der Corona-Pandemie kommen zu vielen Tafeln in Deutschland mehr Hilfsbedürftige. An vielen Tafeln fehlt es nun jedoch auch an Helfern. So könnten etwa in Jena weitaus mehr Menschen mit Essen versorgt werden, wenn es mehr ehrenamtliche Helfer gebe.

Tafel Jena
Die Tafel in Jena ist auf die Hilfe von älteren Menschen angewiesen - doch die seien nicht mehr die schnellsten, sagt Chef Wilfried Schramm. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rund 300 Personen stehen auf der Warteliste der Tafel in Jena. "Die würden wir gern noch versorgen", sagt Tafel-Chef Wilfried Schramm. Doch das gehe aus logistischen und personellen Gründen nicht. 20 ehrenamtliche Helfer hat er in den vergangenen Wochen verloren. Es waren mal 70.

"Die haben alle wieder in ihren Hilfsjobs angefangen", sagt Wilfried Schramm. Einen Ersatz für die jungen Leute finde er nicht. "Daher sind wir auf ältere Herren angewiesen, die fleißig sind." Das Problem sei, die rüstigen Männer seien nicht mehr die schnellsten.

Tafel Jena: Helfer schuften im Akkord

Doch flinke Hände sind im Sommer notwendig. Bananen, Aprikosen, Kirschen – die frische Ware verdirbt bei der Hitze schnell. "Wir haben heute bestimmt 70 Prozent Abfall gehabt", sagt ein Tafel-Mitarbeiter. "Das ist nicht immer so." Dabei schuften die verbliebenen Helfer im Akkord. Auch der Chef packt mit an – mit seinen fast 70 Jahren.

Jeden Tag gibt die Tafel in Jena Essen aus. 1,50 Euro zahlt ein bedürftiger Erwachsener für die wöchentliche Unterstützung. Die steigenden Preise in den Supermärkten habe mehr Menschen in die Bedürftigkeit getrieben, berichtet Armutsforscher Ronald Lutz von der Fachhochschule Erfurt. "Corona hat das Auseinandergehen der sozialen Schere zwischen Arm und Reich noch verstärkt", sagt der Professor. Dies habe zu einer verstärkten Nachfrage bei den Tafeln geführt.

Professor fordert staatliche Hilfe für Tafeln

Tafel Jena
Der Personalmangel bei den Tafeln könnte dazu führen, dass einige Menschen in Deutschland nicht ausreichend mit Lebensmitteln versorgt werden, warnt Professor Ronald Lutz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

40 Prozent aller Tafeln bestätigen seit Beginn der Corona-Pandemie einen Zuwachs an Hilfsbedürftigen. Ein Beispiel: Frank Rutkowski. Der selbstständige Informatiker ist seit Ausbruch des Virus auf Unterstützung angewiesen. Stammkunde bei der Tafel in Jena wollte er eigentlich nicht werden. "Leider ist es so, dass ich weiterhin herkommen muss", sagt er. Denn es fehle an Einnahmen, von denen er leben könne. Er ist einer von vielen, die nun die Hilfe brauchen.

Doch der Personalmangel bei den Tafeln könnte zu einem ernsthaften Problem werden, warnt Professor Ronald Lutz. "Das führt aber dazu, dass wir tatsächlich Menschen in diesem Lande haben, die keine ausreichende Nahrungsversorgung mehr für sich arrangieren können." Deshalb fordert er eine staatliche Förderung für die Tafeln.

Quelle: MDR exakt/ mpö

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 14. Juli 2021 | 20:15 Uhr

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