Studie Ehrenamt am Limit? Tafeln dringen auf mehr staatliche Hilfe

Immer mehr Anfragen, immer weniger Ware: Die Tafeln sind mittlerweile selbst in Not. Laut dem Jenaer Soziologen Klaus Dörre fordern sie daher professionelle Unterstützung wie Sozialarbeiter, Pädagogen und Manager.

Arbeit in der Jenaer Tafel
Rund 1.000 Bedürftige versorgen die Jenaer Essensretter Woche für Woche. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Tafeln in Thüringen brauchen einer Studie zufolge professionelle Unterstützung. Das ist das Ergebnis einer Befragung verschiedener Tafeln durch die Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Laut dem Soziologen Klaus Dörre werden die EInrichtungen immer stärker genutzt, obwohl sie kein sozialpolitisches oder offizielles Instrument seien, sondern ehrenamtlich arbeiten. Daher forderten sie professionelle Unterstützung durch Sozialarbeiter, Pädagogen und Manager. Falls sich nichts ändere, sieht der Soziologe die Tafeln sogar in ihrer Existenz bedroht.

Soziologe Klaus Dörre von der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Sieht die Tafeln in ihrer Existenz bedroht: der Soziologe Klaus Dörre. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aufnahmestopp oder lange Wartelisten

Gegenwärtig befinden sich die Einrichtungen in einer dreifach schwierigen Situation. Erstens leiden sie unter der Inflation und den hohen Energiekosten. Zweitens wird immer weniger gespendet. Zeitgleich kommen immer mehr Hilfsbedürftige - zunehmend auch Geflüchtete aus Syrien und der Ukraine. Ein Drittel aller 31 Thüringer Tafeln hat der Jenaer Studie zufolge bereits einen Aufnahmestopp verhängt oder lange Wartelisten.

Exemplarisch dafür steht die Tafel in Jena. Deren Leiter Wilfried Schramm sagt, in seiner Einrichtung habe es noch nie so viele Anfragen gegeben. Rund 1.000 Bedürftige versorgten die Jenaer Essensretter Woche für Woche.

"Wir haben in Jena ungefähr 1.600 Flüchtlinge aus der Ukraine. Bei uns sind es 300, die schon auf der Warteliste stehen", sagt Schramm. Ihm zufolge ist es ein Problem, wenn Geflüchtete von den Städten gesagt bekämen, Essen gibt es an der Tafel. Das funktioniere nur, wenn die Kommunen die Tafeln tatsächlich unterstützen, so Schramm.

Wilfried Schramm von der Tafel Jena
Wilfried Schramm fordert mehr Unterstützung für die Tafeln. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Thüringens Sozialministerin Heike Werner (Linke) will zunächst dem Landesverband der Tafeln helfen. "Wir haben für das nächste Jahr im Haushalt zusätzliche Mittel vorgesehen", sagt Werner. Mit zusätzlichem Personal könne die Vernetzung der Tafeln und die Unterstützung vor Ort besser gelingen. Das Land hatte finanziell angeschlagene Tafeln bereits in diesem Jahr mit Lotto-Mitteln unter die Arme gegriffen.

Mehr zur Tafel

MDR (sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 20. Dezember 2022 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Germinator aus dem schoenen Erzgebirge vor 5 Wochen

"Ehrenamt am Limit? Tafeln dringen auf mehr staatliche Hilfe"

Die Tafeln übernehmen ja schon die staatliche Aufgabe Menschen zu versorgen und dann rufen die Tafeln nach staatlicher Hilfe.
Ein Armutszeugnis für die SPD.

☝️🍀

Burny vor 5 Wochen

Eigentlich dürften die Tafeln doch nicht so stark überlaufen sein. Es gibt Bürgergeld, das für eine vierköpfige Familie monatlich über 2.500 Euro beträgt. Das 1004 Lebensunterhalt, 1000 Euro Wohnung und 500 Euro Kindergeld sollte das nötigste abdecken. Da ist es nur konsequent, wenn die Tafeln ihre Verteilung nach tatsächlicher Bedürftigkeit ausrichten.

Hobby-Viruloge007 vor 5 Wochen

Wozu brauchen wir eigentlich die Tafel? Reichen die Regelsätze nicht zum leben?

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