Uniklinikum Jena Leukämiemittel gegen Entzündungen bei Corona-Kranken vielversprechend

Forscher versprechen sich im Kampf gegen das Coronavirus schnelle Hilfe von bereits zugelassenen Medikamenten. Am Uniklinikum Jena wird eine vielversprechende deutschlandweite Studie zu einem Leukämie-Medikament koordiniert. Das Medikament hemmt Entzündungen, wie sie auch mit einer Corona-Infektion einher gehen können.

Eine Mitarbeiterin untersucht eine Laborprobe
Die deutschlandweite Studie zu dem Leukämie-Medikament Ruxolitinib im Einsatz gegen Corona wird in Jena koordiniert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie lässt sich Corona besiegen? Mit dieser Frage beschäftigten sich Forscher gerade in über 1300 Studien rund um die Welt. Dabei suchen sie nicht nur nach neuen Impfstoffen oder neuen Medikamenten. Die schnellste Hilfe versprechen sich Mediziner von bereits vorhandenen und zugelassenen Mitteln. Etwa am Universitätsklinikum Jena. Vor hier aus wird eine deutschlandweite Studie zu dem Leukämie-Medikament Ruxolitinib koordiniert.

Medikament unterdrückt Entzündungen

Viele Corona-Patienten sterben im Grunde an einer Sepsis, einer überschießenden Entzündung als Reaktion auf die Viren-Invasion, die schwere Lungen- und Organschäden verursacht. Mit Ruxolitinib könnte diese unterdrückt werden.

"Das Medikament wirkt entzündungs- und wachstumshemmend und dämpft die überschießende Immunreaktion", sagt Professor Andreas Hochhaus, der die Studie leitet. "Es setzt dabei ganz früh an der Entzündungskaskade an. Es hemmt  bereits die Signalvermittler, die Botenstoffe, Entzündungsmediatoren und Abwehrzellen aktivieren würden. Wir machen uns das zunutze."

Für Bluterkrankungen bereits zugelassen

Seit 2012 ist Ruxolitinib für die Behandlung der Myelofibrose, einer bösartigen Erkrankung des blutbildenden Knochenmarks zugelassen. Es führt hier zu einer Abschwächung der Symptome, die durch die Krankheit stark angeschwollene Milz der Patienten verkleinert sich wieder, ihre Sterblichkeit sinkt. Auch auf anderen Gebieten hat sich Ruxolitinib bewährt. Etwa bei der Behandlung von Polycythaemia vera, einer weiteren bösartigen Bluterkrankung oder bei der Unterdrückung der Abstoßungsreaktion nach Blut-Stammzell-Transplantationen.

Zwei Personen in einem Labor
Professor Andreas Hochhaus vom Uniklinikum Jena leitet die deutschlandweite Studie zum Einsatz des Leukämiemittels bei schweren Covid-19-Erkrankungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einsatz gegen Corona bislang nur in klinischer Studie möglich

Ähnlich gute Erfolge versprechen sich die Forscher nun im Einsatz gegen Corona. Da Ruxolitinib dafür noch nicht zugelassen ist, können Patienten den Wirkstoff nur im Rahmen einer klinischen Studie verabreicht bekommen. Deutschlandweit soll er an mindestens 200 Patienten getestet werden. Neben der Uniklinik Jena sind weitere Kliniken in mehreren Bundesländern beteiligt.

Vorstudie: Entzündungswerte sanken rapide

Prof. Paul Graf La Rosée, vom Schwarzwald-Baar-Klinikum in Villingen-Schwenningen führte eine Vorstudie mit 14 Patienten durch. Seine vorläufige Bilanz: Die Entzündungswerte und -faktoren im Blut der Patienten sanken rapide.  "Ich glaube, das ist für viele Intensivmediziner überraschend, wenn kritisch kranke Patienten durch eine Tablette eine messbare Atem- und Kreislauferholung bekommen!", so La Roseé.
Nach durchschnittlich zwei Wochen hätten sie von der Intensivstation entlassen werden können. In dieser Zeit waren auch keine schweren Nebenwirkungen durch Ruxolitinib beobachtet worden. Seine Studiengruppe will in den kommenden Tagen ihre Ergebnisse in der Fach-Zeitschrift "Leukemia" veröffentlichen. 

Weitere Informationen zum Coronavirus in Thüringen:

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 28. Mai 2020 | 19:00 Uhr

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