Prozess Schlussworte: Beate Zschäpe distanziert sich von NSU-Verbrechen

Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, hat sich am Dienstag erneut von den Verbrechen ihrer Freunde und von der rechten Szene distanziert. In dem Verfahren kündigten die Richter zudem ihr Urteil für Mitte Juli an.

Der NSU-Prozess in München nähert sich seinem Ende. In ihrem Schlusswort ging die Hauptangeklagte Beate Zschäpe am Dienstag auf Abstand zur rechtsextremen Szene: Rechtes Gedankengut habe für sie "gar keine Bedeutung" mehr, sagte sie in ihrer selbst gesprochenen Aussage vor dem Oberlandesgericht München.

Sie distanzierte sich außerdem von den Verbrechen ihrer Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. "Bitte verurteilen Sie mich nicht stellvertretend für etwas, was ich weder gewollt noch getan habe", sagte sie in der knapp fünf Minuten dauernden Rede. Sie habe keine Kenntnis gehabt, warum die beiden Täter ihre Opfer an den verschiedenen Tatorten auswählten. "Ich entschuldige mich für das Leid, das ich verursacht habe. Die Angehörigen haben mein aufrichtiges Mitgefühl", sagte Zschäpe. Sie bereue außerdem, sich nicht von Uwe Böhnhardt getrennt zu haben.

Urteil im NSU-Prozess am 11. Juli

Die Richter kündigten am Dienstag an, ihr Urteil am 11. Juli zu fällen. Die Hauptverhandlung am Oberlandesgericht München dauert seit mehr als fünf Jahren. Angeklagt sind neben Zschäpe noch vier mutmaßliche Helfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds".

André E. sagte am Dienstag als einziger - wie erwartet - nichts. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu zwölf Jahren, er soll den NSU logistisch unterstützt haben. Ralf Wohlleben fasste sich sehr kurz: Er gab an, "alles was es aus meiner Sicht zu sagen gab, habe ich vorgetragen". Wohlleben wird von der Bundesanwaltschaft vorgeworfen, der "Kopf" der NSU-Unterstützer gewesen zu sein. Die Anklagebehörde forderte für Wohlleben ebenfalle eine Haftstrafe von zwölf Jahren.

Die Angeklagten Holger G. und Carsten S. entschuldigten sich. "Ich muss mit meinem Fehler leben. Ich kann die Schuld nicht abtragen", sagte Carsten S. Holger G. drohen fünf Jahre Haft, Carsten S. drei Jahre Jugendhaftstrafe. Auch sie sollen den NSU unterstützt haben.

Den Ermittlungen zufolge hatten Mundlos und Böhnhardt während der fast 14 Jahre, in denen das Trio im Untergrund lebte, zehn Menschen erschossen und zwei Sprengstoffanschläge verübt. Das Motiv war in fast allen Fällen Fremdenhass. Ein Mordopfer war eine Polizistin in Heilbronn.

Der NSU-Prozess soll klären, welche Schuld die 43 Jahre alte Zschäpe und die Mitangeklagten dabei haben. Mundlos und Böhnhardt hatten sich das Leben genommen.

Die Bundesanwaltschaft sieht Zschäpe als Mittäterin und hat lebenslange Haft mit Sicherungsverwahrung gegen sie beantragt. Zschäpes zwei Verteidigerteams halten sie für unschuldig im Hinblick auf die Morde und Anschläge. Unterschiedlich sehen die Verteidiger Zschäpes Schuld an den anderen Straftaten: Ihre drei ursprünglichen Pflichtverteidiger halten lediglich eine Strafe für einfache Brandstiftung für angebracht, ihre beiden Wunschverteidiger höchstens zehn Jahre Gefängnis wegen Beihilfe bei zahlreichen Überfällen.

Quelle: dpa, MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. Juli 2018 | 11:00 Uhr

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