Zulauf bei Direktvermarktern Vom Baum direkt zum Verbraucher - Hochsaison auf dem Obstgut Triebe

Auf dem Hof in Zinna bei Schöngleina im Saale-Holzland-Kreis stapeln sich Kisten mit roten oder grünen Äpfeln. Auf 17 der insgesamt 30 Hektar baut Familie Triebe die Früchte an. Alte Sorten wie Boskoop und Goldparmäne - und auch die aus dem Supermarkt bekannten Apfelsorten Gala und Elstar. Bei den Kunden kommt das gut an: Vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie haben Hofläden und Wochenmärkte mehr Zulauf.

in Paar steht in einem Laden hinter Falschen.
Lars und Elfie Triebe haben vor 25 Jahren mit dem Obstbau begonnen. Mittlerweile verkaufen sie auch Spirituosen, Marmelade und andere Produkte aus eigener Herstellung. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Mit der diesjährigen Ernte ist Obstbauer und Direktvermarkter Lars Triebe sehr zufrieden. Die Qualität der Äpfel stimme, die der Zwetschgen auch. Bei den Süßkirschen im Sommer lief es nicht ganz so optimal. Da sei einiges dem Regen zum Opfer gefallen.

Wir sind dankbar. Wir hatten keinen Hagel, wir hatten keinen Frost. Was wollen wir mehr.

Lars Triebe

Die Äpfel kommen in die große Obsthalle, wo sie im Direktverkauf an den Kunden oder die Kundin gebracht werden. Sie können sich ihr Sortiment aus den Kisten selbst zusammenstellen und in die Papiertüten füllen. Der Preis für alle Sorten ist gleich - 1,80 Euro pro Kilogramm, etwas weniger als im Supermarkt.

Eine Frau sammelt Äpfel aus einer Kiste.
Im Hofladen in der großen Obsthalle können sich die Kunden ihre Äpfel selbst auswählen - der Kilopreis ist für alle Sorten gleich und liegt bei 1,80 Euro. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Ein anderer Teil der Äpfel landet im Verkaufswagen, der mehrmals pro Woche nach Jena fährt. Auf dem dortigen Wochenmarkt hat das Obstgut Triebe einen Stammplatz. Zudem kommt mehrmals im Jahr eine mobile Mosterei auf den Hof, um einen Teil der Ernte direkt vor Ort in sortenreinen Apfelsaft zu verwandeln. Auch der gehört ganzjährig zum Angebot.

Direktvermarkter in Thüringen Die regionale Herkunft und Produktion von Lebensmitteln wird den Menschen in Thüringen immer wichtiger. Nach Angaben des Thüringer Kompetenzzentrums der Direktvermarkter erleben Wochenmärkte und Hofläden seit Beginn der Corona-Pandemie einen stärkeren Zulauf. Themen wie Tierhaltung und Tierwohl spielten inzwischen eine größere Rolle - ebenso die Saisonalität von Obst und Gemüse. Angebote zum Selbsternten seien gefragter denn je. Von diesem Trend profitieren die rund 300 landwirtschaftlichen Direktvermarkter in Thüringen.

Am meisten werden in Thüringen laut dem Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum Wurst- und Fleischwaren direkt vom Erzeuger verkauft. Hingegen werde nur 20 Prozent des im Freistaat angebauten Gemüses direkt vermarktet. Bei Obst seien es sogar nur sechs Prozent.

Das Thüringer Landwirtschaftsministerium unterstützt die Direktvermarkter: Nach eigenen Angaben flossen im ersten Halbjahr dieses Jahres mehr als eine Million Euro an Fördermitteln.

Kernobst als Kerngeschäft

Vor 25 Jahren haben Lars und Elfie Triebe mit dem Obstbau begonnen. Für den Start in die Selbstständigkeit übernahmen sie damals etwa 40 Hektar Fläche vom alten Obstbau Schöngleina. Kennen gelernt haben sie sich beim Studium in Erfurt.

Er, der gelernte und diplomierte Obstbauer, ist quasi neben den Apfelplantagen bei Schöngleina aufgewachsen. Sie, die gelernte Winzerin und auch diplomierte Obstbauerin, stammt aus dem Saale-Unstrut-Weingebiet.

Tüten mit Äpfeln und Pflaumen liegen in einer Kiste.
Firmen aus Jena und dem Saale-Holzland-Kreis bestellen regelmäßig Obst für ihre Beschäftigten. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Nicht von ungefähr kam daher 2004 auch Wein hinzu. Auf eineinhalb Hektar stehen die Reben von Müller-Thurgau sowie Grau- und Weißburgunder auf dem Elfenberg unterhalb des Flugplatzes Jena-Schöngleina. Auch etwas Dornfelder und Blauer Zweigelt wächst dort. Gekeltert wird im Weingut Thürkind in Gröst, Sachsen-Anhalt.

Ob Wein, Imkerei oder Schnapsbrennerei - das alles sei nur ein Nebengeschäft, sagt Lars Triebe. Äpfel und Süßkirschen machen den Haupterwerb aus.

Das sind die Hauptkulturen, die den Betrieb tragen. Aber das andere rundum ist auch wichtig, eine gewisse Risikominimierung, denn das vergangene war ein ganz schlechtes Jahr. Und wenn wir das andere nicht gehabt hätten, ich weiß nicht, wie das ausgegangen wäre.

Lars Triebe

Von der Obsthalle zum neuen Hofladen

Mitten in der Erntesaison treiben die Triebes auch ihr Bauprojekt voran. Vom Wohnhaus schräg gegenüber und näher an der Landstraße gelegen, ist der Bauplatz für den neuen Hofladen schon sichtbar. Im Oktober soll es losgehen.

Der jetzige Verkauf in der großen Obsthalle sei mehr ein Provisorium, so Lars Triebe. Weil die Nachfrage steigt, auch immer mehr junge Familien hierher zum Einkauf kommen, soll nun ein richtiger Hofladen her.

Ein Mann sitzt in einem Gabelstapler.
Zur Haupterntezeit müssen die frisch gepflückten Äpfel vom Baum schnell in die Lagerhalle oder in den Hofladen gebracht werden. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Ich denke, da hat uns auch ein bisschen Corona geholfen. Denn auf einmal haben die Lieferketten nicht mehr funktioniert, vieles gab es nicht mehr. Und dann haben die Leute gemerkt, auch da ist ja doch noch was. Und jeder redet von Klimaschutz und alles mögliche. Wir haben doch alles nah da. Und das ist das Einfachste, was jeder machen kann.

Lars Triebe

Die Kosten für den Neubau schätzt Triebe auf etwa eine Viertelmillion Euro. Kein Pappenstiel, doch eine Investition in die Zukunft. Zumal die beiden Töchter und ihre Partner, wenn auch nicht vom Fach, inzwischen Interesse am Familienunternehmen zeigen und perspektivisch mit einsteigen möchten.

Kisten mit Apfelsaft stehen auf einem Tisch
Elfie und Lars Triebe haben das Obstgut vor 25 Jahren übernommen. Ihr neues Großprojekt: Im Oktober beginnt der Bau des neuen Hofladens. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Das habe dann auch den Anstoß gegeben, nochmal im großen Stil zu investieren. Und natürlich freue man sich, so der 54-Jährige, wenn das Unternehmen wächst und einmal von den Kinder weitergeführt wird. Und dann sind da auch noch Hoffest und Apfelmarkt am 23. Oktober. Ein ganz wichtiger Termin im Kalender der Obstbauern in Zinna, denn in diesem Jahr soll mal wieder richtig gefeiert werden.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 28. September 2021 | 19:00 Uhr

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