Ehrenamt Seit mehr als 40 Jahren Bürgermeisterin - vor und nach der Wende

Elke Lüdecke hat sich dem Ehrenamt verschrieben. Seit genau 40 Jahren ist sie Bürgermeisterin von Zöthen im Saale-Holzland-Kreis. 1982 kam sie ins Amt, war erst hauptamtlich Bürgermeisterin, später Ortsteilbürgermeisterin im Ehrenamt. Denn seit 1999 gehört Zöthen zur Stadt Dornburg-Camburg. Von Ruhestand keine Spur, denn auch in der Stadtverwaltung ist die Lüdecke unverzichtbar.

Zöthen ist eigentlich ein Sammelbegriff - auch Döbrichau, Posewitz und Wonnitz gehören dazu. Die vier Örtchen liegen nordöstlich von Jena auf dem Muschelkalkplateau oberhalb von Camburg mit Blick ins Saaletal. Zöthen ist auch als "Pferde-Dorf" bekannt. Hier leben noch an die 160 Menschen und etwa ebenso viele Pferde. Und Elke Lüdecke ist die Frau, die alle und alles zusammenhält.

Alle ziehen mit - vom Dorfverein bis zur Familie

Ich treffe die Bürgermeisterin auf dem Veranstaltungsplatz des Ortes. Gleich nebenan ist ein schöner Spielplatz, natürlich mit großem Holzpferd. Ganz neu und praktisch ist die kleine Toilettenanlage. Hinter allem stehe der Dorfverein, sagt Elke Lüdecke. Den gibt es seit über 20 Jahren, seit Zöthen zu Camburg gehört. Es sei der einzige Verein in den vier Orten. So halten alle zusammen, arbeiten nicht gegeneinander. Das ist der "Chefin" wichtig, auch dass aus jedem Ort ein Vertreter im Ortschaftsrat sitzt.

Die Menschen müssen mehr miteinander reden statt übereinander.

Elke Lüdecke Bürgermeisterin

In der Gewissheit, alle hinter sich zu haben, mache ihr die viele Arbeit immer noch Spaß. Auch die Familie, ihr Ehemann Peter und die Kinder, stehen hinter ihr. "Anders geht's nicht", sagt die inzwischen sechsfache Groß- und siebenfache Urgroßmutter, die demnächst ihren 77. Geburtstag feiert.

Die ehrenamtliche Bürgermeisterin von Zöthen, Elke Lüdecke, auf einem Holzpferd auf dem Spielplatz.
Obwohl Elke Lüdecke seit 40 Jahren als Bürgermeisterin in Zöthen die Zügel in der Hand hält, reiten kann sie nicht. Dazu habe immer die Zeit gefehlt. Sie besteigt bestenfalls mal das Holzpferd auf dem Spielplatz.  Bildrechte: MDR/Anke Preller

Schwangerschaftsvertretung wird zum Dauerjob

Als studierte Heimerzieherin kam Elke Lüdecke 1968 mit ihrem Mann nach Zöthen. Sie arbeitete im Lehrlingswohnheim. Das gehörte zum damaligen Volksgut, ein bekanntes Gestüt und Zentrum der Warmblutzucht. Bald saß Elke Lüdecke auch mit in der Gemeindevertretung. Als 1982 für die Bürgermeisterin eine Schwangerschaftsvertretung gesucht wurde, willigte sie ein. Die Vertretung wurde zum Dauerjob und die agile Frau immer wieder gewählt - das nun schon seit 40 Jahren!

Reit- und Springturnier als Kraftakt für den Ort

Durch ihren Beruf, erzählt sie, könne sie gut mit jungen Menschen. Sie interessiert sich für ihre Sorgen und Nöte, will sie in den kleinen Dörfern halten. Viele wirken im Dorfverein mit, legen mit Hand an, wenn sie gebraucht werden und organisieren Veranstaltungen. An erster Stelle steht da in Zöthen das thüringenweit bekannte große Reit- und Springturnier immer am ersten August-Wochenende. Dann werde jede Hand gebraucht, so die Ortsteilbürgermeisterin.

Helfer aus allen vier Orten und aus Camburg seien da drei Tage lang auf den Beinen. Denn mit etwa 300 gemeldeten Pferden und bis zu 1.000 Starts in den Prüfungen ist es ein echter Kraftakt, den aber keiner missen möchte. Auch in den beiden Corona-Jahren haben die Turniere stattgefunden, wenn auch einmal gezwungenermaßen ohne Zuschauer. Da zeige sich, was möglich ist, wenn eine Gemeinschaft funktioniert.

Erste Ehrenbürgerin der Stadt

Auch wenn Elke Lüdecke das Rentenalter längst überschritten hat, Aufhören ist für sie noch keine Option. Nach wie vor ist sie auch in der Stadtverwaltung in Camburg tätig. Die Stelle dort sei einfach über die Jahre gewachsen und gar nicht so leicht zu beschreiben, so die Bürgermeisterin von Dornburg-Camburg. "Die Stelle heißt dann eben Elke Lüdecke", sagt Dorothea Storch. Sie umfasst unter anderen die Zuständigkeit für die Vereine sowie den Senioren-, Jugend- und Kulturbereich. Auch betreibt Elke Lüdecke schon seit vielen Jahren die Camburger Burg, ist so etwas wie der "gute Burggeist", so Storch. Ende 2018 würdigte der Stadtrat dieses unermüdliche ehrenamtlich Engagement auf besondere Weise und machte Elke Lüdecke einstimmig zur ersten Ehrenbürgerin der Stadt.

Schöne Erinnerungen überwiegen

40 Jahre Ortsbürgermeister - vor und nach der Wende, Elke Lüdecke verbindet damit vor allem schöne Erinnerungen. Unlängst erst habe sie das "Eingabenbuch" aus dem Jahr 1982 wieder in der Hand gehabt. Damals ärgerten sich die Zöthener über einen fehlenden Spielplatz oder die nicht vorhandene Bushaltestelle. Alles Probleme, die längst abgearbeitet sind.

Die ehrenamtliche Bürgermeisterin von Zöthen, Elke Lüdecke, an ihrem schreibtisch beim Lesen.
Im Hobbyraum ihres Hauses bewahrt Elke Lüdecke noch das "Eingabebuch" aus dem Jahr 1982 auf. Aufgeführt sind Anregungen und Beschwerden der Zöthener, die nach und nach abgearbeitet wurden. Der letzte Eintrag stammt vom 16. Oktober 1989. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Auch die schwierigen Jahre nach der Wende mit dem "Abwickeln" des großen Gestüts mit 400 Pferden und den Rückübertragungen an frühere Eigentümer - all das habe der Gemeinschaft in den vier kleinen Orten nicht geschadet. Zöthen ist "Pferde-Dorf" geblieben und das traditionsreiche Reitturnier über die Zeit gerettet.

Zur nächsten Wahl ist Schluss

Wenn dieser Zusammenhalt im Ort verloren geht, glaubt Elke Lüdecke, dann ist es schwer, Menschen für ein so forderndes Ehrenamt wie das des Ortsteilbürgermeisters zu finden. Auch die politische Situation, die Polarisierung der Gesellschaft mache es nicht einfacher. "Die Menschen müssen mehr miteinander reden, statt übereinander. Aber dieses Miteinanderreden haben wir teilweise vergessen", sagt sie. Noch zwei Jahre, bis zur nächsten Kommunalwahl, will Elke Lüdecke als Ortsteilbürgermeisterin weitermachen. Sie hofft, dass sich dann unter den jungen Menschen im Ort ein Nachfolger findet.

MDR (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 02. April 2022 | 18:00 Uhr

1 Kommentar

nl aus jena vor 25 Wochen

"Auch wenn Elke Lüdecke das Rentenalter längst überschritten hat,"
Das Rentenalter kann man nicht ueberschreiten, hoechstens das Renteneintrittsalter.

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