Landgericht Gera Prozessauftakt: Heimleiter soll Mädchen sexuell missbraucht haben

In Gera steht ein 60-Jähriger wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und dem Anfertigen von Kinderpornografie vor Gericht. Dem Mann wird vorgeworfen, als Leiter einer Kinder- und Jugendeinrichtung mehrere Mädchen misshandelt zu haben. Zum Prozessauftakt am Donnerstag schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen.

Angeklagter wird in Gerichtssaal geführt
Als Leiter einer Kinder- und Jugendeinrichtung soll der Beschuldigte mehrere minderjährige Mädchen sexuell missbraucht haben. Bildrechte: MDR/Martin Wichmann

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs und des Herstellens kinderpornografischer Inhalte steht seit Donnerstag ein 60-jähriger ehemaliger Leiter einer Jugendeinrichtung vor dem Landgericht Gera.

Er soll einem damals zehnjährigen Mädchen Geschenke gemacht haben, mit ihr ins Freibad gegangen sein sowie der Minderjährigen Porno- und Horrorfilme gezeigt haben. Nachts soll er dann Fotos vom Intimbereich des Mädchens in seiner Obhut angefertigt und sie dort berührt haben. Derzeit sitzt der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft.

Weitere Missbrauchstaten vermutet

In der Einrichtung in Hermsdorf, einem traumapädagogischen Zentrum das seit August 2018 geschlossen ist, waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch Kinder untergebracht, die selbst unter den Folgen von schwerem sexuellen Missbrauch litten. Dazu gehörte demnach 2018 auch das spätere mutmaßliche Opfer. Sie habe sexuellen Missbrauch durch ihren Vater erfahren, hieß es in der Anklage.

Auf dem Laptop des Angeklagten wurden später auch Aufnahmen vom Missbrauch eines weiteren Mädchens gefunden, dessen Identität nicht geklärt ist. Auch dieser Fall wird dem Mann nun vorgeworfen. Er schwieg zum Prozessauftakt am Donnerstag.

Angeklagter und Anwalt
Der Angeklagte äußerte sich vorerst nicht zu den Vorwürfen. Bildrechte: MDR/Martin Wichmann

Diskussion um Strafmaß

Nach Verlesung der Anklage zogen sich die Beteiligten zu einem Rechtsgespräch zurück. Dabei ging es darum, wie sich ein etwaiges Geständnis des Mannes auf das weitere Verfahren auswirken könnte. Die Vorsitzende Richterin stellte in Aussicht, dass das Strafmaß bei einem Geständnis um ein Viertel bis ein Drittel kürzer ausfallen könnte.

Die Staatsanwaltschaft machte klar, dass sie ohne Geständnis eine Strafe von mindestens fünf bis sechs Jahren fordern wolle. Bei einem vollumfänglichen Geständnis sei ein Rahmen von mindestens dreieinhalb Jahren denkbar. In dem Gespräch wurde auch klar, dass von dem Mädchen noch keine Aussage vorliegt - und eine Aussage vor Gericht den Angeklagten weiter be-, aber auch entlasten könnte. Auch sei noch zu klären, inwiefern die bei ihr attestierten posttraumatischen Belastungsstörungen dem Verhalten des Angeklagten zuzuordnen seien.

Angeklagter schweigt

Der Angeklagte und sein Verteidiger blieben auch nach dem Gespräch bei der Linie, vorerst zu den Vorwürfen zu schweigen. Für den Prozess sind sieben weitere Verhandlungstage angesetzt.

Quelle: dpa,MDR(cfr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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