Kritik am Namen Trotz Rassismus-Vorwürfen: Eisenberg bleibt beim "Mohrenfest"

In Eisenberg im Saale-Holzland-Kreis startet Freitagabend das 2. Eisenberger Mohrenfest. 2019 fand es zum ersten Mal unter diesem Namen statt - und schon damals geriet die Stadt dafür deutschlandweit in die Kritik. Dennoch hält die Stadt an dem neuen Namen fest - und wieder gibt es Kritik.

Der Mohrenbrunnen auf dem Marktplatz in Eisenberg
Der "Mohrenbrunnen" in Eisenberg. Für den Namen der Stadtfests "Mohrenfests" wird die Stadt harsch kritisiert. Doch sie hält an dem Namen fest. (Archivbild) Bildrechte: dpa

In einem offenen Brief wird wie schon 2019 harsche Kritik an der Stadt Eisenberg laut. Die will am heutigen Freitag das 2. "Eisenberger Mohrenfest" eröffnen und sieht sich wegen des Namens neuerlich mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. Das Thüringer Antidiskriminierungsnetzwerk Thadine, das den offenen Brief verfasst hat, hält das Wort "Mohr" für herabsetzend. Angesicht einer - wie die Unterzeichner argumentieren - "breiten gesellschaftlichen Debatte über Rassismus" würde der Name des Festes den Ruf der Stadt beschädigen. Die Bezeichnung "Mohr" habe sich während der europäischen Kolonisierung zunehmend gewandelt:

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts ist die M-Symbolik im deutschsprachigen Raum eine eindeutig rassistische Bezeichnung, die Schwarze Menschen als untergeordnet und minderwertig markiert.

Offener Brief des Thüringer Antidiskriminierungsnetzwerk Thadine

Vorschlag von Thadine stattdessen: "Mauritius"- Fest. Dieser Begriff sei durch Mauritius, den edlen Schwarze Ritter, positiv konnotiert.

Gespräche zwischen Stadt und Kritikern ohne Ergebnis

Zwischen der Stadt und Vertretern des Thüringer Antidiskriminierungsnetzwerks hat es seit 2019 mehrere Gesprächsrunden gegeben. Beide Seiten erzielten aber keine Einigung. Dass es 2021 ein weiteres "Eisenberger Mohrenfest" geben wird, hat das Netzwerk nach eigenen Angaben aus der Zeitung erfahren. Die Verfasser des Briefs sehen darin einen Beleg dafür, dass sich die Stadtverwaltung nicht mit antirassistischer Kritik auseinandersetzen wolle.

Die Stadt Eisenberg hingegen zeigt sich nach wie vor gesprächsbereit. Bürgermeister Michael Kieslich (CDU) sagt, beim letzten Zusammentreffen seien weitere Gespräche vereinbart worden. Konkrete Termine seien nicht abgesprochen worden. Zwischen den Gesprächspartnern habe es durchaus einen kritischen Diskurs gegeben. Allerdings habe es die Stadt mit wechselnden Gesprächsteilnehmern zu tun gehabt.

Es war nie eine homogene Gesprächslandschaft, die uns als Stadt Eisenberg und mir als Bürgermeister der Stadt Eisenberg gegenübergestanden hat.

Michael Kieslich, Bürgermeister von Eisenberg

Diese Kritik weist das Thüringer Antidiskriminierungsnetzwerk zurück. Es habe durchaus konstante Vertreter gegeben. Das Netzwerk habe aber den Eindruck, dass die Stadt kein Interesse an einem weiteren Dialog mehr hatte. Bürgermeister Kieslich entgegnet, in einer kritischen Auseinandersetzung müsse man auch festhalten, dass sich unterschiedliche Ansichten nicht immer verbinden lassen.

Der Mohrenbrunnen in Eisenberg
Laut einer Sage spielte ein "Mohr" ein wichtige Rolle in der Eisenberger Stadtgeschichte. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO images/Werner Otto

Eisenberg sieht Namen tief mit der Stadtgeschichte verbunden

Vorerst zeichnet sich kein Kompromiss zwischen den beiden Parteien ab. Denn die Stadt Eisenberg bleibt bei ihrer Haltung, dass der "Mohr" tief mit der Geschichte Eisenbergs verbunden ist. Nicht nur gibt es einen "Mohrenbrunnen" und eine "Mohren-Apotheke", auch die sogenannte Holzland-Sage soll ein wichtiger identitätsstiftender Teil der Stadtgeschichte sein. Der Sage zufolge soll der schwarze Diener der Gräfin von Eisenberg fälschlicherweise für einen Diebstahl zum Tode verurteilt worden und im letzten Moment doch noch entlastet worden sein.

Das Antidiskriminierungsnetzwerk wünscht sich aber auch an dieser Stelle einen offenen Diskurs. Denn wenn diese Sage auf wahre geschichtliche Ereignisse zurückzuführen sei, dann müssten alle Parteien, die dazu beigetragen haben, gehört werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 27. August 2021 | 08:00 Uhr

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