Tag der Pflege Junge Mütter als Quereinsteigerinnen im Pflegeberuf

Der 12. Mai ist der internationale Tag der Pflege. Gerade die Corona-Krise hat wieder einmal beleuchtet, wie hart die Arbeit in diesem Bereich sein kann, egal ob im Krankenhaus oder Pflegeheim. Viele werfen hin, weil es zu viel Arbeit für zu wenig Personal und geringe Bezahlung ist. Zudem ist der Pflegeberuf sowohl mental als auch körperlich stark belastend. Und dennoch gibt es immer wieder Quereinsteiger, die das nicht abschreckt. So wie zwei junge Mütter in Thalbürgel im Saale-Holzland-Kreis.

Anna Kruczynski (sitzend) und Anna-Lena Palke (stehend)
Anna Kruczynski (sitzend) und Anna-Lena Palke (stehend) bei der Arbeit im Pflegeheim. Bildrechte: MDR/Tanja Gorges

Eigentlich hat Anna Kruzcynski eine Ausbildung zur Einzelshandelskauffrau abgeschlossen. Als sie nach der Elternzeit wieder zurück in ihren alten Job möchte, klappt es nicht. Sie schwenkt um. Auf Anregung ihrer Schwester bewirbt sich die 24-Jährige in Thalbürgel auf eine Stelle als Pflegeassistentin im Aspida Lebenszentrum.

Als Pflegeassistentin ist sie auf den Stationen eine wichtige Unterstützung. Sie kümmert sie sich um Senioren, hilft am Morgen beim Waschen und bringt das Frühstück. Medikamente verabreichen oder Verbände wechseln übernehmen die Pflegefachkräfte.

Anna Kruczynski
Pflegeassistentin Anna Kruczynski Bildrechte: MDR/Tanja Gorges

An ihrem neuen Job schätzt sie den persönlichen Kontakt zu den Menschen. "Man hat so schöne persönliche Gespräche, da weiß man, warum man den Beruf macht. Die Menschen sind so dankbar und einfühlsam." Das gleicht für die junge Frau oft den Stress und Zeitdruck aus.

Ganz ähnlich geht es Anna-Lena Palke. Die 21-Jährige beginnt im Herbst die Ausbildung zur Pflegefachkraft. Bis diese offiziell startet, lernt sie den Alltag als Pflegeassistentin kennen. Ihre Gründe für den Pflegeberuf sind sehr persönlich. Ihre Mutter arbeitet bereits bei Aspida, ihre Großmutter war hier selbst Gast.

Anna-Lena Palke
Pflegeassistentin Anna-Lena Palke Bildrechte: MDR/Tanja Gorges

Tendenz zu Quereinsteigern in der Pflege

Familie und Beruf lässt sich für die beiden jungen Mütter hier ebenfalls vereinbaren. Sie arbeiten unter der Woche im Frühdienst. Somit bleibt für die Familie noch genügend Zeit. Dass Mütter in ihren Bedürfnissen gehört werden, ist Aspida-Chef Sebastian Thieswald wichtig. "Und dann wird einfach geschaut, was ist derjenige in der Lage, an Schichtdienst zu machen. Nachtdienst schließen wir von vornherein aus. Das nehmen wir dann in den Arbeitsvertrag und schauen, dass wir der jungen Mutter so Sicherheit an die Hand geben."

Er setzt auf die Quereinsteiger. "Ich finde das unheimlich erfrischend und ganz toll, welche Entwicklung wir da im Moment haben." Im Hinblick auf die geplante Pflegereform sieht er dort eine klare Tendenz.

Sicherheit für den Berufseinstieg

Dass der Quereinstieg für junge Mütter in den Pflegeberuf in Thalbürgel gelingt, liegt auch daran, dass Sebastian Thieswald unterstützt, wo er kann. Beispielsweise, wenn Mitarbeiterinnen wegen geschlossener Kitas zu Hause bleiben müssen. "Entweder mir fallen mit einem Mal fünf, sechs Mütter aus oder ich sorge ganz pragmatisch für eine Lösung."

Also stellte er bereits in der ersten Corona-Welle eine Sozialpädagogin aus Jena ein und eine weitere seiner Mitarbeiterinnen ab. In einem abgesperrten Raum wurde dann kurzum coronakonform eine Kinderbetreuung eingerichtet.

Thieswald überlegt nun, ob er nicht dauerhaft eine Mitarbeiter-Kita einrichtet. Denn die Vorteile liegen für ihn auf der Hand: Die Mütter sind beruhigt, dass die Kinder gut versorgt werden. Zudem sorgen die spielenden Kinder im Hof bei den Senioren und Seniorinnen für gute Laune.

Mehr zum Thema

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. Mai 2021 | 14:00 Uhr

4 Kommentare

Ritter Runkel vor 5 Wochen

Die Ursache des ganzen Desasters in der Pflege ist doch die Privatisierung und Ökonomisierung in der Pflege seit den 1990er-Jahren.
Ich weiß jetzt nicht, was die versteckte Werbung für das Aspida Lebenszentrum hier dann soll?

THOMAS H vor 5 Wochen

Atheist: "... und den minimalen Leistungen eine Fachkraft ..... verlangen könnte."

DUDEN: minimal
Bedeutung: "ein sehr geringes Ausmaß an Größe, Stärke o. Ä. aufweisend; sehr klein, sehr gering"
Synonyme: "belanglos, gering[fügig], kaum sichtbar, kaum spürbar"

Wenn das für Sie, Pflege bedeutet, dann wundert es mich, das Sie ihre Mutter nicht selbst gepflegt haben (entnehme es Ihren Zeilen).
Sie sollten sich m. M. n. schämen, die tägliche Arbeit der Pflegekräfte als minimale Leistungen darzustellen.

Ich habe selbst in der Pflege gearbeitet und 8 1/2 Jahre meine Mutti (rechtsseitig Oberschenkelamputiert, immobil) in meinem Haushalt gepflegt, so daß ich Ihre Aussage, einfach nur als ekelhaft empfinde.

Sozialberuflerin vor 5 Wochen

Ich finde dieses "Umdenken" super!
Familienfreundlich, auch für evt. alleinerziehende und gute Unterstützung für das Fachpersonal!

Auch mehr liebe Worte und mehr Gehör in einem Gespräch für die Senioren, ist so vielleicht anders, mehr möglich!

Auch die Idee der Mitarbeiter-Kita, sollte sie umgesetzt werden, ist klasse!

Wenn dann auch noch das Gehalt angemessen, für diesen med. /soz. Beruf ist und somit auch Anerkennung des Geleisteten steigt...
Kann man nur sagen, als Arbeitgeber alles richtig gemacht!


Mehr aus der Region Jena - Apolda - Naumburg

Mehr aus Thüringen