Telegram-Chatgruppe Thüringer AfD prüft Antisemitismus-Vorwurf in den eigenen Reihen

In einer Chat-Gruppe, die die Ostthüringer AfD-Politikerin Anja Bergner einrichtete, soll der Holocaust geleugnet worden sein. Der AfD-Landesverband prüft die Vorwürfe. Die Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung.

Das Logo der AfD auf einem Flyer
In einer von der AfD-Funktionärin Anja Berger gegründeten Chatgruppe sind antisemitische Inhalte verbreitet worden. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die stellvertretende Sprecherin des AfD-Gebietsverbandes Saale-Orla-Kreis, Anja Bergner, steht in der Kritik. Nach Informationen der Ostthüringer Zeitung (OTZ) wurde in dem von ihr gegründeten Telegram-Kanal "Triptis wacht auf" der Holocaust geleugnet. Der Zeitung liegen Screenshots vor, die das belegen. So hieß es am 5. März bei "Triptis wacht auf": "Der Holocaust ist eine fast so große Lüge wie die Korona-Pandemie! Beides erlogen vom Juden!" (Rechtschreibfehler im Original). Diese Zeilen stehen offenbar zu Beginn eines extrem antisemitischen und menschenfeindlichen Textes.

AfD-Landesverband prüft

Torben Braga (AfD)
AfD-Sprecher Torben Braga Bildrechte: MDR/Torben Braga

AfD-Sprecher Torben Braga teilte dazu auf MDR-Anfrage mit: Der Landesvorstand der AfD Thüringen habe "zur weiteren Aufklärung des Sachverhaltes ein Prüfverfahren eingeleitet. Die parteiinternen Gremien und ggf. die Schiedsgerichte werden nun zu prüfen haben, ob sich Frau Bergner eines Verstoßes gegen die Grundsätze oder Ordnung der Partei schuldig gemacht" habe.

Darüber hinaus sagte Braga: "Die Berichterstattung der Ostthüringer Zeitung versucht den Eindruck zu erwecken, die antisemitischen, verschwörungstheoretischen Aussagen würden unmittelbar von Anja Bergner stammen oder mit ihrer Kenntnis oder gar Zustimmung erfolgt sein." Dies sei falsch. Zudem verurteile der Landesvorstand "wie auch Anja Bergner die Aussagen aufs schärfste".

Staatsanwaltschaft ermittelt

Auch die Staatsanwaltschaft Gera geht dem Antisemitismus-Vorwurf nach. Oberstaatsanwalt Thomas Riebel sagte: "Bzgl. der Posts werden bereits polizeiliche Ermittlungen wegen Volksverhetzung geführt. Derzeit wird versucht, den/die tatsächlichen Urheber zu ermitteln." Ob Bergner selbst hinter dem antisemitischen Post steckt, ist unklar. Nach Informationen der OTZ fungierte die AfD-Funktionärin aber als "Gründerin" und "zumindest bis zum 8. März auch weiterhin als verantwortlicher "Inhaber" des Kanals. Das belegt auch ein Screenshot, den die Zeitung veröffentlichte.

Der Telegram-Chat-Kanal "Triptis wacht auf", der 80 Mitglieder zählte, wurde inzwischen aufgelöst. Anja Bergner ließ eine ausführliche MDR-Anfrage - auch in Bezug auf ihre eigene Position zum Völkermord an den Juden - unbeantwortet.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. März 2021 | 13:00 Uhr

106 Kommentare

Karl Schmidt vor 8 Wochen

Nun Ule; dann sollten Sie Ihre existentiellen und weitreichenden Erkenntnisse dem Herrn Torben Braga und der Frau Anja Bergner mitteilen.
Aber bitte bringen Sie dann auch die Worte "sollte", "Zweifelsfal", "vermutlich" und auch "Wer immer das auch sein mag, oder wer sich dahinter versteckt." mit ein.
Und schreiben Sie beiden "Wir helfen so niemanden, nichteinmal uns selbst."

Sie können ja dann gerne mitteilen, wie erkenntnisreich die beiden reagiert haben.
K.S.

ule vor 8 Wochen

@Karl Schmidt

Natürlich sollte man auf derart vorwurfsvolle Worte nicht reagieren. Das wäre im Zweifelsfall dem Frieden nicht dienlich.
Dennoch hier ein Feedback:

Wenn, von wem auch immer, geframtes Wortgut in der Masse unseren täglichen Gebrauch und somit unser Denken bestimmt, dann ist diese Entwicklung mit Sorge zu betrachten. Die Freiheit der Worte wird dadurch im erheblichen Maße eingeschränkt. Sprache zum Zwecke der Verständigung leidet erheblich darunter . . . . . und mehr kann ich in dieser Diskussion nicht erkennen.

Demnächst werden vermutlich noch Patente und Lizenzen auf den Gebrauch bestimmter Wörter vergeben. Und wer dagegen verstößt, dem trifft die Ächtung des großen "Wächterrates" -- Wer immer das auch sein mag, oder wer sich dahinter versteckt.
Ich hoffe, sie verstehen meine Intervention als nicht Böse gemeint. .
Wir helfen so niemanden, nichteinmal uns selbst.

Anita L. vor 8 Wochen

"@ Anita L. Was tun unsere Oberen ausser Instrumentalisieren?
Und "alle" Opfer sind nicht gleich, da werden ihnen unsere Herrschenden schnell vorwerfen die Singularität verletzt zu haben und den Holocaust zu relativieren und mit Gänsefüßchen gar (indirekt) zu leugnen."

Erstens, ossi, was sollen "unsere Oberen" plötzlich in dieser Diskussion? Es geht um emlo, Sie und Ihre Kommentare.
Zweitens: Welche "unsere Herrschenden" werden mir diesen Vorwurf der Singularität machen, wenn ich alle Opfer des NS-Terrors unter dem Begriff des Holocausts zähle? Ich bitte um konkrete Angaben. Mit "unsere Herrschenden" kann ich hier nichts anfangen.

Mehr aus der Region Saalfeld - Pößneck - Schleiz - Eisenberg

Mehr aus Thüringen

Lagerraum einer Tafel in Thüringen 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK