Jugendarbeit Graffiti und Vandalismus: Was hat es mit dem "Problemzug" auf dem Schleizer Bahnhof auf sich?

Abseits steht er auf dem Schleizer Bahnhof und er gibt ein trauriges Bild ab. Graffiti, Rost, eingeschlagene Fenster: Der frühere Wiener Nahverkehrszug hat seine besten Zeiten hinter sich. Jetzt gab es Gerüchte, hier würden sich Drogenjunkies treffen. Ist der Schleizer Bahnhof ein Drogenbrennpunkt im Saale-Orla-Kreis?

Auf rostigen Schienen steht er mitten im Nirgendwo. Der erste Blick auf den Eisenbahnveteranen macht traurig. Überall eingeschlagene Fenster, Graffiti und Rost. Einige der Türen stehen offen. Das Gelände wird vom Wisentatalbahn-Verein bewirtschaftet, der Zug allerdings hat einen anderen Eigentümer. Vor vielen Jahren war er als Nahverkehrszug in Wien unterwegs. Über den Türen hängt noch der Streckenplan.

Viele Gerüchte über abgestellten Zug

Auch im Inneren: Graffiti, zerstörte Sitzpolster, herausgerissene Haltestangen, Glassplitter. Eva Thrum und Manuela Kaufmann treffen sich heute mit uns am Zug, über den es in den letzten Wochen viele Gerüchte gab. Ein Treffpunkt für Drogensüchtige sollte er sein.

Dafür sprechen einige der Schmierereien an den Wänden: Von LSD, Koks und Drogen allgemein ist da die Rede. Aber auch jede Menge rechte Sprüche finden wir, und Zeichnungen, die eher für ein sehr junges Publikum sprechen. "Ich gehe eher von Vandalismus aus", sagt Manuela Kaufmann von der Volkssolidarität Oberland.

Da haben Jugendliche in ihrer Freizeit nicht gewusst, was sie vor Langeweile tun sollen.

Manuela Kaufmann Volkssolidarität Oberland

Polizei musste wegen Sachbeschädigung mehrfach ausrücken

So denkt auch Eva Thrum. Sie arbeitet im Landratsamt des Saale-Orla-Kreises und betreut das Netzwerk "Courage gegen Drogen". Dass Drogenjunkies ihr Versteck auch noch kennzeichnen, mag sie sich nicht vorstellen.

Auch die Polizei bestätigt, dass sie zwar mehrfach wegen Sachbeschädigung und Einbruch zum Schleizer Bahnhof gerufen wurde, aber nur in einem Fall wegen Drogen tätig werden musste. Seitdem fahren die Polizeibeamten regelmäßig in dem Bereich Streife, um im Fall der Fälle schnell zugreifen zu können.

Innenansicht eines alten Zugwaggons, der mit Graffiti beschmiert ist.
Vandalismus hat sich auch im Inneren der Waggons breit gemacht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das ist gar nicht so einfach, denn das Gleis mit dem Problemzug liegt fast schon außerhalb von Schleiz. Wer hier im Zug sein Unwesen treibt, ist schnell in der Natur verschwunden, wenn die Ordnungshüter im Anmarsch sind. Einfacher haben es da die Sozialarbeiter von der Volkssolidarität. Sie kamen mehrfach mit Jugendlichen im Zug ins Gespräch. "Wir haben ihnen erklärt, dass das, was sie hier tun, illegal ist und außerdem fremdes Eigentum beschädigt", sagt Manuela Kaufmann. "Seitdem ist hier wieder Ruhe eingekehrt."

Drogen-Problem im Landkreis bekannt

Das bestätigt auch Eva Thrum. Sie ist froh, dass es in Schleiz keinen weiteren Drogenbrennpunkt gibt. Schon 2014 hatte Landrat Thomas Fügmann (CDU) offen über die Drogenprobleme im Saale-Orla-Kreis gesprochen. Damals gründete sich das Netzwerk gegen Drogen mit sozialen Trägern, Schulen, Landratsamt und Polizei.

Das Ziel: Prävention, die jungen Menschen erreichen, bevor sie mit Drogen in Kontakt kommen. Seit 2018 ist auch regelmäßig der "Revolution Train" in Schleiz zu Gast, in dem Schüler über die Gefahren des Drogenkonsums aufgeklärt werden. Mit drastischen Bildern, die wachrütteln sollen. "Der Revolution Train wird von den Schülern sehr positiv bewertet", sagt Eva Thrum. "Sie denken anders über das Thema nach, manche versuchen auch, Freunde beim Kampf gegen die Drogensucht zu unterstützen."

Ein Bahnhofsschild mit der Aufschrift "Schleiz"
Dass es Drogenprobleme im Landkreis gibt ist ein offenes Geheimnis. Der Bahnhof in Schleiz sei aber kein Schwerpunkt, sagen die Verantwortlichen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Freizeitangebote gegen Langeweile bei Jugendlichen

Persönliche Gespräche, ein offenes Ohr bei Problemen: das ist auch das Konzept der Schleizer Netzwerker. Sie wünschen sich vor allem, dass in jeder Schule ein Sozialarbeiter als Ansprechpartner bei Problemen zur Verfügung steht. Aber auch das Thema Freizeitgestaltung steht im Fokus. So bietet die Volkssolidarität zum Beispiel verschiedene Arbeitsgemeinschaften an. Auch die angebotenen Räumlichkeiten sind sehr gefragt, weil die Jugendlichen im öffentlichen Raum nicht immer akzeptiert werden.

Wir müssen uns von der Illusion verabschieden, dass sich die Jugendlichen nicht mehr treffen wollen. Sie brauchen Räume, sie brauchen Ansprechpartner, sie brauchen Ziele.

Manuela Kaufmann Volkssolidarität Oberland

Dann können die Schleizer ihren Nachwuchs auch für ungewöhnliche Projekte begeistern. So waren sie auch schon in Schleiz unterwegs, um in der Stadt Müll aufzusammeln. Mit dem Ergebnis, dass die Teilnehmer hinterher stolz auf das Erreichte waren, und sicher ein anderes Bewusstsein entwickeln, wenn es darum geht, den eigenen Müll nicht irgendwohin zu kippen.

Manuela Kaufmann von der Volkssolidarität Oberland
Manuela Kaufmann von der Volkssolidarität Oberland spricht sich für mehr Freizeitangebote für Jugendliche in der Region aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gefragt, was sie sich am meisten in ihrer Stadt wünschen, antworteten viele der jungen Schleizer: mehr Sportmöglichkeiten. Deshalb ist jetzt in der Rennstadt ein neuer Pumptrack für Mountainbikes entstanden. Der wurde am Samstag feierlich eröffnet.

MDR (jw)

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 28. Mai 2022 | 19:00 Uhr

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