Fahrrad-Boom Engpass bei Fahrrädern und Ersatzteilen in Thüringen

Spätestens seit Corona hat das Fahrrad als treues und zuverlässiges Fortbewegungsmittel in Deutschland noch einmal an Bedeutung gewonnen. Die Schattenseiten des Booms: Auf viele Modelle müssen Kunden lange warten. Und auch die Werkstätten klagen - über zu wenig Ersatzteile.

Mike Schmidt rollt mit dem Hochrad vor. "Bike Mike", wie er auch genannt wird, hat seit 2005 sein Fahrradgeschäft in Pößneck und seitdem viele Stammkunden gewonnen. Einen Boom wie seit dem vergangenen Jahr hat er allerdings noch nicht erlebt. Einerseits freut er sich über gewachsene Umsätze. Andererseits muss er Kunden bei der Suche nach dem Wunschfahrrad derzeit vertrösten. Manche Räder könnten erst nach einem Jahr geliefert werden, berichtet er.

Das ist ein großes Problem, dass viele Fahrräder derzeit nicht oder erst sehr spät geliefert werden. Manche erst nach einem Jahr.

Mike Schmidt, Inhaber "Bike Mike" in Pößneck

Der Grund: Wegen der erhöhten Nachfrage haben viele Hersteller ihre Produktion verändert. Um möglichst viele Kunden bedienen zu können, bleiben Sonderwünsche und spezielle Modelle erst einmal auf der Strecke. Das schafft Luft bei den Kapazitäten und Frust bei den Kunden. Mike Schmidt versucht, Alternativen anzubieten.

Ein Hochrad steht in einem Fahrradgeschäft
Historie kontra E-Bike - auch Hochräder gibt es noch. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Ich biete andere Marken an oder Modelle mit einer besseren Ausstattung, die sofort verfügbar sind.

Mike Schmidt, Inhaber "Bike Mike" in Pößneck

Händler bevorraten sich

Außerdem hat sich Mike Schmidt bevorratet, um möglichst lange Wartezeiten abzufedern. Der Laden ist voll, und auch im Lager stehen hunderte Fahrräder. Auch die Ware für das nächste Jahr ist schon bestellt. Mike Schmidt geht nicht davon aus, dass sich die Situation schnell ändern wird. Im Gegenteil: Er rechnet mit einer Fortsetzung des Booms. Das sieht auch der Deutsche Fahrradclub (ADFC) so. Das Auto hat demnach an Akzeptanz verloren, die Gründe für ein Fahrrad seien nach wie vor gegeben.

Die Gründe für das Fahrrad sind ja nach wie vor gegeben. Dagegen hat der Pkw an Akzeptanz verloren.

Friedrich Franke, Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club Gera

Nach wie vor ganz vorn in der Käufergunst: E-Bikes. Hier stiegen die Verkäufe laut Zweirad-Industrieverband von 605.000 Stück im Jahr 2016 auf knapp zwei Millionen im vergangenen Jahr. Langfristig rechnet der Verband mit einem Trend vom Zweitauto hin zum E-Bike. Das beobachtet auch Markus Vettermann vom "Bike House" in Gera. Er hat noch eine andere Erfahrung gemacht: Fahrradträger fürs Auto sind gefragt.

Das Bike-House Weiser in Gera
Das Bike-House Weiser in Gera Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Viele entdecken den Urlaub mit dem Fahrrad neu. Wir haben im vergangenen Jahr so viele Fahrradträger für das Auto verkauft wie noch nie.

Markus Vettermann, "Bike House" Gera

Doch auch die E-Bikes sind knapp. Zu den Gründen zählt nicht nur die gestiegene Nachfrage. Viele der Fabriken in Fernost sind immer noch wegen Corona geschlossen. Auch einige Häfen sind betroffen. Dazu kommen die gestiegenen Frachtpreise für die Schiffscontainer. Anfang 2020 kostete ein Container noch 1.500 Dollar. Bis zum Jahresende soll der Preis auf 20.000 Dollar steigen. Das ergaben MDR-Recherchen.

Produktion wird zum Teil nach Europa verlagert

Für eine Fortsetzung des Fahrrad-Booms eigentlich keine guten Vorzeichen. Deshalb steuern viele Hersteller gegen und verlagern Stück für Stück ihre Produktion wieder nach Europa. Der europäische Herstellerverband rechnet bis 2025 mit einer Verdoppelung des Produktionsvolumens in Europa. Das könnte auch helfen, CO2-Emissionen zu reduzieren - durch weniger Transporte.

Das Fahrrad-Haus Bike-Mike in Pößneck
Das Fahrrad-Haus Bike-Mike in Pößneck Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Bis alle Hersteller wieder ausreichend liefern können, wird aber noch Zeit vergehen. Für alle, die im nächsten Frühjahr auf einen neuen Drahtesel steigen wollen, heißt es deshalb: möglichst bald zum Fahrrad-Händler gehen.

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Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 10. September 2021 | 19:00 Uhr

16 Kommentare

martin vor 6 Wochen

Meiner Wahrnehmung nach brauchen die rücksichtslosen Fahrradfahrer keinen Elektromotor - das haben die auch schon vorher "gut hinbekommen". Aber das ist meiner Meinung nach überhaupt kein Grund über "die" Fahrradfahrer zu schimpfen oder zu meinen, dass Radfahrer "oft rücksichtslos" unterwegs seien. Das Gros ist es meiner Meinung nach nicht und Rücksichtlosigkeit gibt es unter allen Verkehrsteilnehmern.

Jedimeister Joda vor 6 Wochen

Ja Fahrräder in Städten sind gefährlich. Die Fußgänger sind in Gefahr vom Rad niedergefahren zu werden. Autos spielen bei der Situation keine Rolle. In Hinsicht auf Umweltschutz sind die Autos den Rädern völlig überlegen. Ja was soll man glauben? Ich denke die Thüringer sind sehr schlecht dran. Die Fahrräder sind knapp, die Erstzteile sind knapp und bestimmt noch vieles Anderes. Da fällt einem die DDR ein, dort soll es auch so gewesen sein. Im Europa des 21 Jh. in der Industrienation Nummer eins Europas fehlen Fahrradteile. Das verstehe ich nicht. Sowas kenne ich nur aus Drittweltstaaten. Doch womöglich gehört Thüringen dazu. Und jetzt kommen wir zu des Pudels Kern. Die ganze Misere hängt am Geld. Da spielt Umweltschutz und einsparen von Energie keine Rolle. Transporte um die halbe Welt sind da kein Problem. Ach ihr seid so... Ihr dauert mich. Jedimeister Joda Dagobasystem

micha72 vor 6 Wochen

E-Bikes? Fahrradfahrer die oft rücksichtslos und viel zu schnell mit Motor durch die Fußgängerzone brettern. Die auf Radwegen und Straßen die Vorfahrt missachten. Die denken sie sind die besseren Radler weil das Bike 4000 Euro gekostet hat. Ich fahre jeden Tag mit dem echten Fahrrad. Ich bin dafür das dem E-Bike der Status Fahrrad aberkannt wird und die den Status KFZ bekommen, mit allen Rechten und Pflichten.

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