Über See "Luft-Schiffe" am Hohenwarte-Stausee gesichtet

Alle Tage bekommt man sowas nicht zu sehen: Eine Fähre und ein Rundfahrtboot schweben über dem Wasser. Das Spektakel hat einen einzigen Grund: Beide Wasserfahrzeuge waren über Monate auf dem Trockenen - und müssen nun per Kran zurück in ihr Element befördert werden.

Die Mühlenfähre hängt an einem Kran.
Die Mühlenfähre hängt an einem Kran. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Hagen Schröter lässt es sich nicht anmerken. Aber ein bisschen aufgeregt ist er wohl doch. Der Werkstattleiter des regionalen Verkehrsunternehmens KomBus weiß: Wenn hier in der nächsten Stunde etwas schiefginge, dann wäre das gar nicht gut für die Einheimischen und für die Touristen am Hohenwarte-Stausee.

Autofähre erspart 33 Kilometer Umweg

Über den Stausee sind es nur 400 Meter Fährstrecke - wenn die Mühlenfähre nicht in Betrieb ist, dann ist der Weg zwischen Linkenmühle und Altenroth deutlich länger: 33 Kilometer über die Straßen. Im Sommer können sich Einheimische und Urlauber den Umweg ersparen, seit 1995.

Damals wurde die Mühlenfähre erstmals eingesetzt. Und ja, sagt Hagen Schröter, so ein Schiff muss regelmäßig an Land - unter anderem, weil es aller fünf Jahre eine technische Untersuchung bestehen muss. Und dann passiert es schon mal, dass unvorhergesehen etwas repariert werden muss. Aber jetzt hängt die Mühlenfähre am Haken, damit sie wieder in den Stausee gesetzt werden kann.

Eine Fähre in der Luft am Haken eines Krans.
Die Fähre wird per Kran auf das Wasser gesetzt. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Fährbetrieb soll für Zukunft gesichert werden

Das 24 Tonnen schwere Schiff fährt nur in den wärmeren Jahreszeiten. In den Monaten, wenn Autofahrer die Winterreifen auf den Rädern haben sollen, ist für die Fähre die Trocken-Zeit - tiefer Frost oder gar Eisgang würden dem Schiff nicht gut bekommen.

Aber auch in der Hauptsaison kann es passieren, dass es mal eine Havarie gibt. Im vorigen Jahr soll es eine Angelschnur gewesen sein, die für großen Ärger sorgte. Ein Antrieb ging kaputt, musste ausgebaut werden und zur Reparatur zu Spezialisten an den Rhein gebracht werden. In Berlin nahmen sich gleichzeitig andere Fachleute den Motor vor. Und am Schiffskörper machten die Betreiber vom Verkehrsunternehmen KomBus ein paar Schönheitsreparaturen.

Nun ist die Fähre fit für neue Fahrten - vorausgesetzt, es ist immer ein Fährmann verfügbar. Es gab einmal drei Kollegen für diesen Dienst auf dem Stausee. Jetzt sind es nur noch zwei. Und so hat sich die KomBus-Geschäftsführung dazu entschieden, gerade noch einen Neuen auszubilden, der als Kapitän am Steuerrad stehen soll - möglichst noch in diesem Sommer.

Ein Drachenboot am Haken eines Krans
Auch das Drachenboot ist wieder fahrtüchtig. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Touren nach Fahrplan - zum Schnäppchenpreis

Egal ob Linkenmühle oder Altenroth - wer am Ufer steht, muss nicht mehr laut schreien "Fährmann hol über". Denn die Mühlenfähre hat einen Fahrplan. Im April und im Oktober pendelt sie zwischen 9 und 18 Uhr. Im Sommer startet die erste Überfahrt schon um 8 Uhr, 19 Uhr ist dann Schluss. Aber einmal am Tag, da tuckert es nicht übers Wasser: Zwischen 13:30 und 14 Uhr ist Fährmanns-Pause.

Wer sich übersetzen lassen will, der sollte vorteilhafter Weise Kleingeld parat haben - für die wirklich geringen Kosten der Wassertour. Vorschulkinder schippern kostenlos mit. Das gilt auch für Fahrzeugführer, die für Fahrrad, Krad, Pkw oder Kleintransporter jeweils zwischen 2 Euro und 3,50 Euro zahlen müssen. Erwachsene bekommen ihr Bordticket für 1,50 Euro, Kinder bis 14 Jahre für 1 Euro.

Die Mühlenfähre fährt auf dem Hohenwartestausee zwischen Linkenmühle (Saale-Orla-Kreis) und Altenroth (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt).
Die Mühlenfähre ist wieder da, wo sie hingehört: auf dem Wasser. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Touren auf dem Wasser beliebt

Hagen Schröter sagt, die viele Mühe seines Werkstattteams und der Fährmänner wird belohnt. Wenn an den Ufern geduldig die Autos und die Touristen auf eine Überfahrt warten, dann sieht man, warum sich die Arbeit lohnt. "Ich denke, der Wunsch nach Fährfahrten wird bleiben - auch wenn mal eine neue Linkenmühlen-Brücke gebaut ist", sagt Schröter.

In der Tat ist die Fähre ja eigentlich nur ein Ersatz für die Brücke, die mal hier stand. Bis sie im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht zerstört wurde. Nach ewigen Abwägungen steht fest, dass eine neue Brücke errichtet werden soll. "Aber ganz schnell wird das nicht realisiert sein", schätzt der KomBus-Mann ein. Und solange werde die Fähre auf jeden Fall gebraucht.

Ein Wikingerboot am Haken eines Krans
Das Wikingerboot hat ein neues Äußeres bekommen. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Inzwischen hat die Kranbesatzung aus Saalfeld ganze Arbeit geleistet. Die Mühlenfähre ist wieder da, wo sie hingehört - im Nass des Stausees. Und schon machen die Kran-Leute ein zweites großes Wasserfahrzeug zum "Luft-Schiff". Jetzt hängt das Wikinger-Boot am Haken.

Die Wirtsleute der Linkenmühle haben dem Schiff über den Winter eine völlig neue Holzbeplankung verschafft. Nun wird es mit dieser neuen Außenhaut im Sommer wieder Gäste bei Rundfahrten auf dem Stausee befördern. "Wir freuen uns nach den Corona-Ausfallzeiten auf diese Saison", sagt Wirtin Denise Fritz. Und es ist ihr anzumerken, wie erleichtert sie ist, als auch das Wikinger-Boot ohne Schaden durch die Luft ins Wasser geschwebt ist.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 28. März 2022 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Harka2 vor 26 Wochen

Die Sprengung der Brücke war 1945 eine wahrer "Geniestreich" der Wehrmacht. Der Krieg stand vor dem Ende, die Brücke war völlig bedeutungslos und sie lag abseits der Vormarschroute der US-Amerikaner. Da die Talsperre zudem auch noch gar nicht befüllt war, konnten die Militärfahrzeuge auch einfach durch die Saale fahren.

Ein Neubau der Brücke dürfte auch enorme Ausbaukosten für die Zufahrtsstraßen mit sich bringen. Ich mag die Fähre.

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