Erneute Kundgebung Krankenhaus Schleiz: Mitarbeiter erhöhen Druck auf Geschäftsführung

Erneut zogen in Schleiz hunderte Menschen auf die Straße, um für die Zukunft ihres Krankenhauses zu demonstrieren. Laut Betriebsrat soll die Radiologie verkauft werden.

In Schleiz haben am Samstag rund 500 Menschen für den Erhalt des dortigen Krankenhauses protestiert. Die Demonstranten forderten von der Klinik-Geschäftsführung Klarheit über die Zukunft des Hauses und Informationen über das Sanierungskonzept. Die Klinik müsse mit allen Stationen nach den Vorgaben des siebten Thüringer Krankenhausplanes bestehen bleiben, sagte ein Sprecher des Betriebsrats.

Mit Plakaten und Aufschriften wie "Wir brauchen unser Krankenhaus", in Arztkitteln und mit Kinderwagen zogen die Demonstranten vom Schleizer Neumarkt bis vor die Türen der Klinik. Unter ihnen waren viele Klinik-Mitarbeiter, Hebammen, Notärzte, Feuerwehrleute und Lokalpolitiker.

Betriebsrat: Radiologie soll verkauft werden

Wegen Ärztemangels war im Februar in der Klinik die einzige Geburtsstation im Saale-Orla-Kreis geschlossen worden. In der Klinik mit ihren knapp 200 Beschäftigten sollen offenbar nun auch weitere Stationen geschlossenen werden. Wie der Sprecher des Betriebsrats sagte, hat die Geschäftsführung der Klinik angekündigt, die Radiologie zu verkaufen. Die Station solle als niedergelassene radiologische Praxis weiterbetrieben werden. Die Intensivmedizin solle auf sechs Betten reduziert werden.

Der Geschäftsführer der Klinik, Rolf Delker, habe zudem angekündigt, einen Teil des Krankenhauses an einen Kooperationspartner verpachten zu wollen. Wer der Kooperationspartner ist und wie die verpachtete Fläche der Klinik künftig weiter genutzt werde, blieb laut Betriebsrat offen. Medienberichten zufolge sei dort eine Seniorenresidenz geplant. Erhalten bleiben sollen im Krankenhaus in Schleiz die Stationen Chirurgie, Innere Medizin und die Notaufnahme. Von der Geschäftsführung der Klinik gibt es dazu aber bislang noch keine offizielle Bestätigung.

Der Betriebsrat hatte den Geschäftsführer der Klinik am Donnerstag zu einer Betriebsversammlung eingeladen. Das Sanierungskonzept für das Krankenhaus wollte der Geschäftsführer bei dem Treffen aber nicht vorstellen, so der Sprecher des Betriebsrats weiter.

Krankenhaus Schleiz in finanzieller Schieflage

Das Krankenhaus in Schleiz ist eine Tochtergesellschaft des Krankenhauses Greiz. Beide Häuser waren in den vergangenen Jahren in finanzielle Schieflage geraten. Träger der Krankenhäuser ist der Landkreis Greiz. Die Greizer Landrätin Martin Schweinsburg (CDU) hatte im April mitgeteilt, dass das Krankenhaus mit dem Schwerpunkt Altersmedizin erhalten bleiben solle.

Wie das Anfang des Jahres angekündigte Sanierungskonzept für die Krankenhäuser genau aussieht, teilte die Klinikgeschäftsführung bisher nicht mit. Nachdem im Februar die Geburtsstation schließen musste, wurde im Mai die Krankenhausküche an einen externen Dienstleister ausgegliedert. Etwa 15 Küchenmitarbeiter erhielten ihre Kündigung. Bereits in den vergangenen Monaten hatte es mehrere Kundgebungen zum Erhalt der Klinik gegeben.

Einschnitte auch im Krankenhaus Greiz

Wie ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi auf der Demonstration am Samstag sagte, plant die Geschäftsführung auch Einschnitte für das Greizer Krankenhaus. Dort sei bereits die Station für Kinder- und Jugendmedizin geschlossen worden. Die Physiotherapie solle ausgegliedert und die Radiologie verkauft werden, so der Verdi-Sprecher.

Auf seinen Internetseiten informiert das Krankenhaus Greiz, dass sich die Fachklinik für Kinder- und Jugendmedizin wegen der Personalsituation im Klinikurlaub befinde. Pädiatrische Notfälle und Risikoschwangere würden dort bis auf Weiteres nicht mehr behandelt. Kinder zum Beispiel mit Knochenbrüchen würden von der Unfallchirurgie in der Notaufnahme behandelt.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. Juni 2020 | 19:00 Uhr

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