Stadtmuseum Neustadt an der Orla: Faber-Gemälde erstmals in Thüringen ausgestellt

Schon im Alter von 15 Jahren hatte er seine erste Ausstellung an der Dresdner Kunstakademie: Karl Gottfried Traugott Faber - ohne Zweifel einer der alten Meister der Landschaftsmalerei. Zwischen 1820 und 1848 war er mehrfach in Thüringen unterwegs, seine Bilder aus dieser Zeit hat aber bisher kaum jemand zu sehen bekommen.

"Tatsächlich sind die Bilder, die wir hier zeigen dürfen, noch nie gezeigt worden", sagt der Historiker und Ausstellungs-Kurator Ronny Schwalbe. Er hat aus lichtdichten Schubläden im Depot eines Museums in Schweinfurt 50 kleine Landschaftsmotive des Traugott Faber erstmals nach Thüringen geholt.

Jetzt können die handgezeichneten und kolorierten Miniaturen im Stadtmuseum in Neustadt an der Orla bewundert werden. Damit sind einige der kleinen, feinen Blätter direkt an ihren Ursprungsort zurückgekehrt: Das Orlatal war für Traugott Faber mehrfach Ziel von Maler-Reisen, auf Motivsuche ging er aber zum Beispiel auch in Gera und im Altenburger Land. 

Über Faber und seine Maler-Reisen informiert auch der Ausstellungskatalog
Über Faber und seine Maler-Reisen informiert auch der Ausstellungskatalog. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Unikate zeigen "Momentaufnahmen" von Fabers Thüringen-Reisen

Die nun endlich einmal ausgestellten Bilder entstanden noch vor dem Siegeszug der ersten Ansichtspostkarten in Deutschland. Aber sie bedienten schon damals den Wunsch nach Reise-Souvenirs. Ein paar künstlerische Zeitgenossen Fabers hatten das als Einnahmequelle durchaus schon erkannt. Fabers Motive aber scheinen nie als Drucke vervielfältigt worden zu sein. Die Unikate des Traugott Faber - sie dürften viele Betrachter überraschen: Was er mit erheblichem Zeitaufwand während seiner Touren im Bild festhielt, das ähnelt den Momentaufnahmen, die wir heute gewissermaßen nebenbei mit dem Handy machen.  

Gegenüberstellung der Motive - damals und heute

Warum also nicht die historischen Idyllen-Bilder konfrontieren - mit Aufnahmen von jetzt? Kurator Ronny Schwalbe schickte den Neustädter Fotografen Konstantin Gruner los, um Fabers Motive vor rund 200 Jahren neu zu entdecken. Und auch Ronny Schwalbe selbst sah sich um. Bei Auma, in Sorna, zeichnete Faber einmal ein Rittergut mit benachbarter Scheune. Schwalbe entdeckte die Scheune wieder. Und stieg in Gummistiefel, um ein angrenzendes Wäldchen zu durchkämmen. Dort fand er noch Grundmauern - die Reste vom Rittergut. Weitere Recherchen brachten zu Tage, dass es im Gut gleich mehrfach schlimme Feuer gab…

Der Katalog zur Ausstellung in Neustadt an der Orla
Der Katalog zur Ausstellung in Neustadt an der Orla. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Umfangreicher Katalog gibt Hintergründe zur Ausstellung

Zu allen Thüringer Idyllen-Bildern und zu einer Reihe von Blättern aus Fabers sächsischer Heimat vermittelt der beim Verlag Vopelius Jena erschienene Katalog Fakten und Geschichten. Möglich wurde die Publikation durch die Unterstützung der Thüringer Staatskanzlei, der Städte Schweinfurt und Neustadt an der Orla, des Bezirks Unterfranken und der Sammlung-Dr.-Georg-Schäfer-Stiftung.

In dem Buch wird auch deutlich: Die meisten alten Schauplätze Fabers sind keinesfalls zu sogenannten "lost places" geworden, also zu verlorenen Orten. So manches Faber-Motiv scheint unberührt vom Zeitenlauf zu sein, sieht noch heute fast so aus wie damals schon. Dank des liebevoll gestalteten Katalogs bleiben die Faber-Bilder nun auch ansehbar, wenn die Ausstellungszeit abgelaufen sein wird.

Fabers Motive damals und heute – dokumentiert in Ausstellung und Katalog
Fabers Motive damals und heute - dokumentiert in Ausstellung und Katalog. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Um Exponate zu schonen: Ausstellung auf drei Monate begrenzt

Fabers Originale verschwinden dann wieder im Depot. Ronny Schwalbe sagt: "Es gibt so eine Faustregel: Drei Monate zeigen und dann drei Jahre wieder zurück in die Dunkelkammer!" Denn nur so kann verhindert werden, dass die lichtempfindlichen Aquarellfarben allzu schnell verblassen.

Wer selbst vor den kleinen Kunstwerken staunen und sie mit eigenen Augen erleben will, der hat noch bis 12. September die einmalige Gelegenheit - in Neustadt an der Orla, im Museum am Kirchplatz.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 31. Juli 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Graf von Henneberg vor 8 Wochen

Endlich mal eine wirklich schöne Nachricht. Auch was im MDR im TV darüber gesendet wurde, war äußerst interessant. Na ja, man sollte sich schon ein bischen für Geschichte (Heimat) und Kunst interessieren.

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